Der Frühling 1127 (Teil 2)

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am So 13 Apr 2014, 14:51

Der alte Mann verzieht nur kurz eine Miene und schnauft. "Ja, die Shugenja haben bereits schwere Stürme vorhergesagt. Doch ihr seid gerade im richtigen Moment angekommen. Lasst mich eure selbstlose Hilfe entlohnen und euren Männern einen Platz in meinem Schloß anbieten. Es ist zwar wegen der Heimin etwas überfüllt, aber wir finden sicher einen Platz für euch."
 
Ich neige leicht den Kopf: „Habt Dank für dieses großzügige Angebot, aber ich will den Menschen dieses Landes nicht den Raum nehmen, der ihnen zusteht und nicht uns.“ –
"Eure Demut ehrt euch, aber jetzt ist nicht die Zeit für falsche Bescheidenheit. Eure Männer sind Kampfesmüde und das Wetter wird immer schlechter! Bitte lasst mich euch diese Gefälligkeit erweisen. Selbstverständlich werden wir euch auch mit Proviant und allem versorgen, was ihr braucht."
 
Ein Hasensamurai betritt den Unterstand. "Herr, die Verwundeten wurden aufgesammelt aber..." er schluckt schwer, "nur die Hälfte der Männer ist noch kampffähig. Viele unserer Brüder sind gefallen."
 
Usagi Haru nickt ausdruckslos. "Es war unvermeidbar. Wir werden ihr Opfer nicht vergessen. Bereitet nun aber das Lazarett für die Verwundeten des Einhorns vor. Auch unsere Verbündeten sollen ihre Wunden bestmöglich versorgen."
 
"Hai, mein Daimyo." Der Samurai verschwindet wieder.
 
Ich beuge mich zu einem der Shugenja hinüber, die mich begleitet haben: „Helft überall wo es notwendig ist.“ Wieder an den Hasen gewandt meine ich:  „Gut, habt nochmals Dank und angesichts der Situation sage ich ohne länger zu zögern: Wir werden es gerne annehmen, auch wenn wir nicht lange verweilen können. Seit meiner Hilfe als eine notwendige Entscheidung eingedenk, die ich guten Gewissens nicht anders treffen konnte.“  Ich lege leicht angestrengt die Stirn in Falten: „Genug dessen. Wie sieht es im Wald aus? Können wir mit weiteren Angriffen rechnen?“
 
„Die Späher haben noch nichts berichtet. Eigentlich hätte die Verstärkung sofort eintreffen müssen.“ Er erhebt sich wackelnd und stützt sich auf einen Stab der ihm gereicht wird. „Bringt eure Männer vorerst in Sicherheit. Der Angriff könnte jederzeit stattfinden. Und da die Krabbe offensichtlich ihre Pflichten vernachlässigt hat und nun lieber gegen die eigenen Brüder zieht, werden wir diese Burg wohl ohne Hilfe nicht mehr halten können. Ich werde dem Kaiser davon berichten - auch von eurer rettenden Hilfe. Aber Ich fürchte, es wird zu lange dauern, bis die nötige Hilfe kommt - wenn überhaupt. In letzter Zeit hat der Kaiser kein offenes Ohr mehr für die Probleme seiner Vasallen. Der Einfluss dieser Skorpionin hat ihn abgelenkt.“
 
Ich erhebe mich ebenfalls: „Ich stimme euch zu. Die Krabbe wurde von dem verdorben vor sie uns zu schützen schworen. Sie marschieren Seite an Seite mit der Verderbtheit. Doch sagt – wie steht es um die Nezumi – ich hätte meinen Schützen fast befohlen in ihre Richtung zu feuern, weil ich dachte irgendeine Teufelei des Feindes nähere sich. Sind sie euch vertraut? Ist ein Gespräch mit einem ihrer…Anführer… möglich? Wenn es möglich wäre sie zu überreden gegen den Feind zu rüsten und uns bei Beiden zu unterstützen oder im Allgemeinen Anstrengungen zu unternehmen das Land zu sichern, wäre dies sicherlich ein großer Fortschritt.“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Fr 23 Mai 2014, 07:48

Der alte Mann schüttelt den Kopf. „Ich fürchte die Nezumi sind zu territorial um sich einem großen Kriegszug an zu schließen. Wir stehen mit ihnen in Kontakt, aber sie sind lediglich eine Hilfe gegen die Schattenlandkreaturen. Unsere Konflikte interessieren sie nicht und sie haben nicht genug Kämpfer, denke ich, um sich einen Kriegszug an zu schließen.“
„Ich verstehe.“ Nickt Njan enttäuscht.

„Kommt, mein Freund. Ruht euch aus. Ihr habt heute sehr viel Ehre verdient und erneut gezeigt, dass das Einhorn seine Brüder nicht in Stich lässt.“
Erst jetzt begreift Njan wie müde er eigentlich ist und flogt seinem Gastgeber. Die Samurai werden in der Burg einquartiert so gut es geht, doch viele müssen die Schlafplätze der Bediensteten einnehmen, während diese wiederrum mit den Heimin in Stallungen und Vorratskammern gesteckt werden. Das Schloss ist bis zum Anschlag gefüllt und die Versorgung der Verwundeten dauert bis zum späten Morgen. Erst dann können auch die Shugenja ihre Kräfte sammeln.

Halbwegs ausgeruht doch nur mit wenig ausreichend Schlaf, inspiziert Njan am Morgen seine Leute. Nur 28 gefallene. Etwa 92 verwundete. Die anderen sind mit Kratzern und blauen Flecken gut davon gekommen. Stolz auf ihren Anführer verbeugen sich Njans Männer vor ihm, als er passiert. Die Shugenja begeben sich zu Bett.

Als er die Haupthalle des Hasen-Daimyo erreicht, ist dieser schon länger auf. Er winkt Njan herein, während er mit seinen Männern das weitere Vorgehen bespricht. „Bitte, nehmt euch zu essen.“ Weist er Njan etwas kurz angebunden an und deutet auf eine Platte, auf der kleine Reisballen mit einem Sesamblatt umwickelt sind. Stäbchen liegen daneben, dazu in einer Schüssel, kalte Aal-Stückchen in Marinade. Es schmeckt sehr salzig, belebt aber recht schnell den Geist. Dazu eine Kanne frischer Ginko-Tee.

„Wir konnten nur noch umgekommene Schattenlandsoldaten im Wald finden, mein Herr. Irgendjemand – oder irgendetwas, hat sie in Stücke gehackt. Wir haben an den Körpern auch Einschusslöcher finden können von Pfeilen, können aber unmöglich sagen ob diese schon vorher da waren, oder nicht.“
„Da ist also noch etwas in den Wäldern?“
„Ich befürchte es, mein Herr.“
„Könnten es die Nezumi gewesen sein?“
„Nein, Herr. Ich denke nicht. Sie wagen sich normalerweise nicht in die Wälder vor. Auch nicht um Schattenlandkreaturen zu töten.“
Der Hasen-Daimyo versinkt in Nachdenklichkeit.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Fr 23 Mai 2014, 14:32

Ich lege die Stirn in Falten: „Grundsätzlich lässt sich doch hoffen, dass diese Feinde unserer Feinde uns Freunde sein können.“ Ich blicke ein wenig gedankenverloren in meine Schale mit Tee und lasse die Flüssigkeit  hin und her schwappen. Wenn die Nezumi eingegriffen haben, drängt sich mir natürlich eine weitere Vermutung auf. Man sagte mir, die Naga würden erwachen… Obgleich dies ein wenig viel der ungewöhnlichen Zwischenfälle wäre. Doch wer bin ich, mich über ungewöhnliche Zwischenfälle zu wundern? Auch versprengte Skorpione oder ähnliches wäre eine Möglichkeit.
 
 Ich hebe meinen Kopf: „Lasst uns einige Möglichkeiten durchgehen Usagi Haru-sama:  
 
Ich bezweifle, dass es Banditen wären. Und wenn dies der Fall wäre, hätten sie sich längst aus dem Staub gemacht.
 
Auch könnten es Leute feindlicher Clans gewesen sein. Doch weder der Löwe, noch die Krabbe neigen dazu subtil und aus dem Hinterhalt zu agieren.
 
Auch wenn es Unbekannte sein mögen, ist es müßig über eine unbekannte Dritte Partei zu spekulieren, zumal ich mich in diesem Teil des Landes nicht allzu gut auskenne.
 
Eine vierte Möglichkeit…Haltet mich nicht für einen Narren werter Herr, wenn ich euch diese Frage stelle: Gab es in der letzten Zeit, bevor die Untoten angriffen, Sichtungen ungewöhnlicher Wesenheiten. Sind euch unter Umständen Gerüchte über Naga zu Ohren gekommen?“


Zuletzt von Elias am Di 12 Aug 2014, 09:28 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Di 12 Aug 2014, 01:01

Der Hasensamurai nickt gedankenverloren. „Hai, wir haben bereits mehrere Geschichten von den Kreaturen des Waldes gehört. Der Shinomen ist wie ihr sicher wisst einer der ältesten und unerforschtesten Wälder von Rokugan. Legenden von den Naga erzählt man sich schon seit den Tagen als die Kami auf Erden wandelten und in heutiger Zeit werden die Legenden immer häufiger erzählt. Aber es gibt auch dunklere Schrecken die sich in den Tiefen des Waldes verbergen. Wir können nicht sicher sein was es ist, bevor wir die Ursache dafür finden!“
Er wirft noch einen Blick auf die Karte, dann ruft er einem Samurai zu: „Haru-san, wie viele von unseren Spähern sind noch kampfbereit?“
„Nicht einmal die Hälfte mein Herr. Vier, vielleicht Fünf.“
Der alte nickt verdrossen. „Ich würde ungern eine so kleine Gruppe in die Wälder schicken. Aber ich kann euch auch nicht mehr von eurer eigentlichen Aufgabe abhalten, mein Freund.“
Er nimmt einen Schluck Tee. „Ruft eure Späher vorerst zurück. Wir müssen die Verteidigung des Dorfes stärken, falls weitere Kreaturen einfallen sollten. Wir wissen nicht womit wir es zu tun haben. Also hegt äußerste Wachsamkeit. Shinjo Njan-san, ihr seid natürlich geladen so lange zu bleiben wie eure Männer ausruhen müssen. Aber ich bitte um euer Verständnis, das unsere Mittel begrenzt sind. Wir haben einfach keinen weiteren Platz auf der Burg. Eure Männer werden mit den Ersatzgemächern vorlieb nehmen müssen. Ich hoffe ihr versteht und verzeiht diese unhöfische Entscheidung.“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Do 14 Aug 2014, 17:48

Ich lege die Stirn in Falten und mache eine wegwerfende Handbewegung: „Sei’s drum, ich mache euch keinen Vorwurf und ich habe weder Ansinnen noch Zeit eure Mittel länger als unbedingt nötig zu strapazieren.“ Ich erhebe mich halb, zögere aber dann: „Ich kann euch nur einen Vorschlag machen, verehrter Freund. Ich kann den Tross unter den Befehl eines meiner Offiziere stellen und euch mich und einige meiner Männer für einen Spähtrupp zur Verfügung stellen, um zu sehen ob der Wald…“ Ich überlege kurz und mache eine unsichere Geste „….etwas für uns bereit hält. Es könnte ein Versäumnis sein, dies nicht zu tun. Den großen Zug hätten wir auch bei ein oder zwei Tagen Vorsprung in kürzester Zeit wieder eingeholt.“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Mo 18 Aug 2014, 22:52

Der Alte nickt dankend. "Euer Angebot ehrt euch, aber ihr habt schon so viel für uns getan. Ich kann diesen Gefallen unmöglich auch noch annehmen."

"Seid versichert, meine Pflicht ist ebensogroß wie meine Neugier." antwortet Njan grinsend. Shinjo Katsu, Njans Leibwächter und erfahrenster seiner Männer spannt die Muskeln etwas an bevor er sagt: "Mein Herr, ich kann die Männer gerne etwas langsamer zu ihrem Zielort führen, damit ihr Zeit zum aufschließen habt. Der Genesung der verwundeten wäre das nur förderlich."

"Mein Herr," schaltet sich Shinjo Toja ein, "ich habe bereits Ausflüge in den Shinomen unternommen! Lasst mir die Ehre euch auch hier als Späherin behilflich zu sein."

Njan grinst stolz über seine Offiziere. "Dann ist es ja beschlossene Sache, oder?"

Der alte Hasensamurai nickt: "Ich gebe euch meine besten Späher mit." sagt er und lässt unausgesprochen dass es wohl auch seine letzten sind.
"Zudem sollen euch meine beiden Söhne begleiten und 4 vier Leibwächter. Sie alle haben Erfahrung mit Reisen in den Shinomen."

Spoiler:
Du kannst diese Hilfe annehmen oder ablehnen, das Gespräch weiterführen, oder es beenden und dann beschreiben, wie du die Befehle gibst und die vorbereitest/ausrüstest.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Di 19 Aug 2014, 20:06

Ich wiege leicht die Hände und senke in einer Geste des Respekts den Kopf: „Sicherlich bin ich für jede Hilfe dankbar, doch lasst mich so vermessen sein euch einen Ratschlag zu geben, auch wenn es mir nicht zusteht:  Ihr solltet klug abwägen, wen ihr hier benötigt, falls weitere Aggressoren angreifen. Auch solltet ihr in Betracht ziehen, dass wir nicht wissen, wer dort im Wald weilt. Würden wir ums Leben kommen – wie auch immer - könnte es sein, dass eure Stammhalter ums Leben kommen.


Ich werde Shinjo Toja-san hier und 4 meiner Leute mitnehmen, die erfahren in derartigen Aufgaben sind. Ich denke ein Trupp von 10 bis maximal 15 Leuten sollte genügen. Es soll schließlich keine Invasionsarmee sein, sondern ein schlagkräftiger Spähtrupp, mit euren Spähern die uns führen. Wählt aus, wen ihr uns zur Seite zu stellen wünscht.

Ich denke wir beginnen in zwei Studen – Wenn euch das genügt. Ich möchte meinen Aufbruch nicht mehr verzögern als nötig. Wenn Ihr mich nun entschuldigen mögt, Usagi Haru-sama, ich denke ich werde alle notwenigen Vorkehrungen treffen.“

Ich verbeuge mich vor dem alten Samurai und bedeute meinen Offizieren mir zu folgen. Ich weise Katsu an, die Truppen mit verringerter Geschwindigkeit zu führen. Es dürfte für eine kleine Truppe Reiter nicht schwer sein, den großen und schwerfälligeren Tross einzuholen. Toja wird mich in den Wald begleiten, ebenso wie drei meiner Leute, zwei erfahrenere Späher, einen erfahrenen Krieger und einen der Shugenja. Neben einiger Verpflegung sollten wir Seile, und Laternen mitnehmen. Dass wir den Wald nicht beritten betreten, versteht sich von selbst. Also lasse ich Akemi zurück, rüste mich mit meinem Daisho und meinem Bogen. Gegen Mittag stehen ich und meine Leute bereit.

Ich hoffe, der Weg in  diesen Wald wird mehr bringen als bloßen Misserfolg, bloße Zeitverschwendung oder gar…den Tod?

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Mi 04 Feb 2015, 17:15

Aus dem Shinomen kriechen blasse Nebelschwaden über den Moosbewachsenen Boden. Die Schritte der Männer zwischen den Farnen, sind kaum zu hören. Der Wind säuselt leise durch die Äste und dicke Borken biegen sich knarrend hin und her. Njan fröstelt kurz, während seine Hand über eine sehr, sehr alte Eiche fährt. Die Furchen der Rinde sind tief, kleine Insekten kriechen dazwischen herum und Moose bewachsen die Rinde bis zu den Wurzeln.

Der Tross ist bereits abgereist du schon eine weitere Stunde ist vergangen, seitdem die Gruppe den Wald betreten hat. Die wolkenverhangene Sonne zeigt sich unter den dichten Blättern nur noch schüchtern, einzelne Strahlen werden immer seltener und die Furchen der Rinden immer mehr wie düstere Gesichter, uralter Giganten, zu Bäumen und großen Steinen verwachsen.
Ab und an, entdeckt Njan kleine, farbige Filzstücke, die wie Gebetsbinden an weißen Fäden von Ästen herabhängen. Wegweiser, wie die Hasensamurai erklären.
Aus den Farnen sticht eine faulige Hand hervor, regungslos zwischen den dichten Blättern und dem Nebel der wie ein Tuch darauf liegt. Eine weitere Leiche. Die Hasensamurai nähern sich vorsichtig, Speere voran, um zu prüfen ob sie auch wirklich dahin ist. Sie ist es.

Zwei weitere Stunden später, kann das Licht der Sonne den Boden bereits nicht mehr erreichen. Schwere, modrige Düsternis spannt sich zwischen den Bäumen vor ihnen. Vereinzelte Schatten huschen in der Dunkelheit dahin. Ab und an, glaubt man schummrige Lichter zu sehen, aber die Späher warnen ihnen zu folgen.
„Verlorene Seelen.“ Erklärt der jüngste Sohn Haru’s, Kaito genannt. „Sie locken einen in die Finsternis, auf das man sich selber verirrt.“  Grimmig nicken die anderen Männer und gehen weiter.

Doch nachdem sie nach einer weiteren Stunde noch immer nichts gefunden haben, legen die Männer auf eine Rast auf den gigantischen Wurzeln zwischen den Bäumen ein. „Was auch immer hier war“, sagt Toya, „scheint nun fort zu sein.“ In der Ferne schreit ein Affe laut auf, das Echo hangelt sich von Baum zu Baum. Es ist schwer eine Richtung auszumachen. Einer der Späher verschwindet weiter vorne, ein zweiter folgt ihm. Die Samurai kauen missmutig an getrockneten Blättern und Nüssen. Ein Vogel zwitschert nicht unweit über ihren Köpfen, doch es hört sich fast traurig, verzweifelt an.

Ein Blatt segelt sanft von einem der Bäume in der Mitte ihres Rastplatzes herab. Ein kleiner Talkessel, umringt von gigantischen Bäumen und hohen Farnen. Man sieht die Männer kaum zwischen den Blättern. Die Späher wissen sich zu verstecken. Njan folgt fast wie in Trance dem Weg des Blattes nach unten, wie es sich in der feuchten, kühlen Luft dreht und tänzelt. Müdigkeit kriecht ihm plötzlich über den Nacken in den Kopf, zu den Augen. Das Blatt passiert einen der Späher, der mit schweren Augen auf einem Stück Holz herum kaut, erreicht bald die Nebenschwaden die ihn bereits bis zum Bauch umringt haben. Erst jetzt wird Njan klar, dass der Nebel unvermittelt im Talkessel angestiegen ist. Das Blatt wird von ihm verschluckt und Njan selbst bis zur Hüfte eingedeckt merkt plötzlich, wie an den Rändern des Talkessels die Schwaden wie vom Wind getriebene Wolken über die Ränder schwappen und wie dickflüssige Suppe den Kessel füllen. „Herr, irgendwas…stimmt…nicht.“ Flüstert Toya neben ihm, aber dann bricht sie zusammen und wird ebenfalls vom dichten Weiß verschluckt, das Njan nun bis zum Bauch reicht. Die Müdigkeit zerrt nun endgültig an seinem ganzen Körper und will ihn ebenso nach unten ziehen. Ein leises, säuselndes Zischen wird ihm erst jetzt so richtig bewusst, dass in seinem Kopf wiederhallt und seinen Verstand lähmt, seinen Körper schwer wie Stein macht. Seine Augen beginnen zu flackern…

Spoiler:
Probe auf Willensstärke! SG ist 20. Wenn du es schaffst, kannst du handeln und dich gegen die Müdigkeit stemmen, bzw. flüchten. Wenn nicht, fällst du in einen wohligen, verfürerischen Schlaf und beginnst zu träumen. Den Traum, darfst du gerne selbst ausgestalten. Er sollte mit deinen Problemen und Ängsten zusammenhängen, muss aber kein Alptraum sein. Auch ein Wunsch oder ähnliches ist möglich. Du wirst aber besonders das Gefühl haben, irgendwie die Präsenz von etwas anderem zu spüren, so als ob du durch einen Vorhang von Schwärze greifen könntest und auf einer anderen Seite wieder herauskommst.

Du darfst dein Wissen Geisterwelt/Intuition (Ausnahme) würfeln gegen 15, wenn du möchtest. Bei Erfolg melde dich bei mir, bevor du deinen Eintrag verfasst, ansonsten schreib deinen Eintrag. Smile

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Do 05 Feb 2015, 00:23

Für einen Moment versuche ich mich noch gegen die Schwaden des Nebels zu stemmen, die langsam und bedächtig, fast einem Tier, einer riesigen Schnecke gleich, meine Beine hinaufkriechen. Doch es scheint vergebens…und wozu auch…es war ein anstrengender Marsch…ich habe doch Ruhe verdient…wir…alle …haben…Ruhe…verdient...Nur…ein… we…nig…Ru…he…Ich lasse mich zurück auf den Boden fallen und versinke im Nebel.
 
Ich stehe auf einer langen Straße, die durch eine grüne, nur Licht bewaldete Hügellandschaft führt. Die Sonne scheint warm auf mich herab und nur ab und an, weht ein Wind über mich hinweg, der mich leicht frösteln macht und ferne Stimmen in sich trägt. Stimmen die über mich sprechen, über Njan und sein Schicksal. Die Bäume blühen mit hellen rosafarbenen und weißen Blüten, es scheint Frühling zu sein, spät im Frühling. Die Grenze zu etwas neuem ist da, sie muss nur übertreten werden.  
Nur im Nordwesten, der Richtung in die mein Weg führt, recken sich knochenweiße Berge empor und ein ewiges dunkles Gewitter scheint sich über das Land auszustrecken. Man kann – obgleich es noch fern ist – den Geruch von Schwefel und Eisen wahrnehmen. Nur manchmal teilen sich die Wolken, die zum Greifen nahen Wolken. Als müsste mich nur strecken um sie zu teilen und hindurch zu schreiten. Zu schreiten an einen anderen Ort…doch wohin? Wo kann ich anders sein als hier?
 
Ab und an trägt der Wind einen Tropfen des fernen Regens zu mir heran. Er hinterlässt rote Flecken auf meinem weißen Gewand. Lange gehe ich gen Nordwesten und auch wenn die Berge mir fern bleiben, färbt sich mein Gewand durch den Regen rot und der schwere Geruch des Blutes überdeckt den zarten Duft der Kirschblüten. Ich habe Angst, Angst nicht weil ich merke, aus was der Regen besteht, nein: Ich habe Angst weil ich merke, dass mir der Duft des Blutes gefällt und ich zucke angeekelt zurück, als mir klar wird, dass ich bereits einige der Tropfen mit der Zunge aufgefangen habe, sowie ein Kind nach Schneeflocken schnappt. Angst weil mir scheint als blicke dort einer durch die vorhanggleichen Wolken auf mich herab und lache über mich.
 
Ein alter Mann auf einer Bank am Wegesrand sagt mir: „Oh, mein Kind. Dein Vater wäre betrübt.“ – „Doch mag es mich scheren: War er nicht ein Verräter…war er ein Verräter?“ – „Nicht jeder Verräter ist ein Verräter.“ Sagt der Alte und grinst breit. Er trinkt Saké aus einer schäbigen Flasche und sein Gesicht ist gerötet und seine Glieder schwach, trotzdem er wirkt glücklich und befreit.
 
Doch ich muss weitergehen. Ich kann nicht bleiben. Und so erhebe ich mich also von jener Bank, und lasse den Saké zurück. Ich muss meinen Karren noch in die Berge schaffen und der Karren ist voll von weißem Stein. Ich ziehe weiter, denn ich weiß, dass sie auf mich zählen: Die Lebenden, wie die Toten. Sie alle Kämpfen in meinem Heer. Alle Kämpfen sie bereitwillig für mich, selbst wenn sie durch meine Hand starben. Mein ärgstes Problem ist lediglich, dass der Heerführer meines Heeres, mein Feind ist. Ich verachte ihn…oh wie gerne würde ich sein Blut auf meiner Klinge sehen. Wo ist er…dort hinter dem Schleier? Oh, wie vermag ich ihn zu teilen?
 
Aber welche Klinge? Ich bin ein Kind. Gerade stark genug um ein Wakizashi zu heben. Ich gehe an der Hand meiner Mutter, einer schönen Frau, einer Frau die mich versteht…so denke ich zumindest. Sie trägt kostbare Kleider aus roten und orangen Stoffen und ist darin…schön. Schön auf eine eigene Art und Weise. Sie ist meine Mutter und doch bedauere ich, dass sie nicht die Mutter ist, die ich hätte haben können. Sie ist anders als die Mutter, die ich hätte haben können und doch muss sie meine Mutter sein. Aber warum…warum nur eine Mutter und welche…Kann man nicht aller Mütter Kind sein? Nein. Die Mütter wachen eifersüchtig über ihre Kinder und auch wenn sie es mir nicht zeigen: Alle meine Mütter sind Drachen. Drachen, die mich verschlingen würden, würde ich ihnen alles gestehen. Ich sehe sie am Himmel kreisen und die Hand an der ich gehe wird zur Klaue…sie entzieht sich meiner und dort am Himmel beginnen die Drachen zu kämpfen. Ein Drache ganz in Rot und Orange, ein Drache mit violetten Schuppen…und ein dritter ein kleiner Drache in der dunklen Farbe vergossenen Blutes.
 
Die Drachen verlieren sich in der Ferne des blauschwarzen Frühlingshimmels und ich begreife, dass es etwas gibt, dass fast ebenso schlimm ist, wie dieser Kampf, dessen Grund und Auslöser bin: Die Ungewissheit. Die Ungewissheit wessen Vaters Kind ich bin. Meine Mutter sagte mir, ich sei mein Eigenes Kind. Sie weint oft des Abends und sie sagte mir, sie tue dies, weil ich im Kriege gefallen sei und mich und sie zurückgelassen hätte. Doch ich war mir nie sicher ob sie die Wahrheit sprach, denn ganz kann man ihr nicht trauen…noch nicht: Ich weiß nicht, ob ich an der Front gefallen bin und noch wichtiger: Ich weiß nicht wessen Kind ich bin! Denn wäre ich nicht mein eigenes Kind was wäre ich dann? Ein Bastard wäre ich, mit Haar von der Farbe gelben Sandes. Ein gelbhaariger Bastard, nicht willkommen in meinem Heim. Verschwinde Bastard! Gehe Fort, scher dich fort und nimm deine Mutter mit, die sie treulos war!
 
Ich hebe meinen Kopf und bin gewachsen. Ich bin wieder der, der ich zu sein meine Shinjo Njan! Doch wo…wo bin ich verdammt. Ich…irgendwer muss es wissen. Wer weiß es…ich sollte hier nicht sein! Ich sollte im Wald sein, bei meinen Leute, wie finde ich hier heraus? Jemand muss es wissen. Ko! Ko – Er wird es wissen! Und so öffne ich meinen Mund und rufe seinen Namen: „Ko, komm und zeige mir den Weg hier hinaus!“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Do 05 Feb 2015, 15:38

Die Welt um den Träumer wird etwas dunkler und dicke, schwarze Wolken dampfen aus dem Boden. Innerhalb kürzester Zeit ist alles um ihn herum vom schwarzen Rauch erfüllt. Vorsichtig tastet Njan nach dem Schwaden, die sich nun langsam zurückziehen und eine Art schwarzen Weg auf dem Boden abzeichnen, wie dunkles, schimmerndes Gift in dem sich der Träumer spiegeln kann. Njan folgt dem Weg einige Schritte und steht dann urplötzlich vor einem alten Ginko-Baum, vor dem ein großer Felsen aus dem Boden ragt. Der schwarze Rauch materialisiert sich träge rotierend zu der langen, Tausendfüßler-Gestalt die Koh ist, der Gesichtsräuber. Sein Blick ist ausdruckslos, sein Mund eine dünne Linie. Er lächelt nicht, als er spricht.
„Du hast mich gerufen, Samurai. Wie kann ich dir behilflich sein?“

Njan schluckt verwundert über Kohs seltsame Wesensänderung. Dass das Lächeln fehlt, ist fast noch unangenehmer. Der Geist, wirkt geradezu müde in den Augen. Dennoch, bringt der Samurai seine Konzentration auf, um keine Miene zu verziehen.

„Zeige mir den Weg hier hinaus.“ Und nach kurzem Zögern fügt er hinzu: „Sei so gut.“

Koh nickt kurz. „Wo bist du, Freund? Anders kann ich dich nicht wecken.“

„Im Shinomen.“

Kohs Augen blitzen einen Moment.

„Im Shinomen? Was treibt euch in den alten Wald?“

Spoiler:
Du kannst nun entweder das ganze schnell abhacken und keine Antworten gebe, oder dich länger mit ihm unterhalten. Falls dich irgendetwas interessiert. Oder Fragen stellen. Diese können wir auch über FB oder Skype evtl. klären. Der Geist sieht wie gesagt etwas anders aus als sonst.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Di 10 Feb 2015, 01:09

Kurz mustere ich Koh, innerlich irritiert über den Wandel, der mit ihm vorgegangen ist. Dann antworte ich: „Wir sind hier um diejenigen zu finden, die einige Untoten zur Strecke gebracht haben. Wir brauchen jeden Verbündeten den wir bekommen können in diesem Krieg.“
 
„Die alten Kräfte erwachen. Seid auf der Hut.“ flüstert Koh. „Ein Bote ist unterwegs.“
 
Ich nicke langsam und mustere den Geist weiterhin aufmerksam, doch mit ausdruckslosen Zügen: „Ich habe an so etwas bereits gedacht.“ – „Koh. Ich sollte nicht hier sein. Ich sollte nicht schlafen. Ich muss hier hinaus, wo immer ich auch bin. Ich habe dich gerufen, weil ich denke, dass du mich hier hinaus führen kannst. Dies ist die erste Bitte, die ich direkt an dich richte, alles andere was du für mich tatest, was du mir zeigtest, hast du aus freien Stücken getan.“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Di 10 Feb 2015, 21:06

Ein kurzes Lächeln huscht über das Gesicht des Geistes, das ihn kurz wie früher scheinen lässt.

„Eine Hand wäscht die andere, Shinjo Njan. Ihr habt mich auch befreit. Und eines Tages, bitte ich euch vielleicht um eure Hilfe…“

Die Welt um den Träumer herum wird blasser. Und das zischeln setzt wieder ein. Dann wird es plötzlich etwas heller. Njan öffnet die Augen und blickt in das Antlitz einer humanoiden Kreatur mit grünen Schuppen und blasen Augen. Reflexartig will er sich zurückziehen, doch der Boden hindert ihn daran. Zudem sind seine Hände hinter dem Rücken gefesselt. Der Naga richtet sich nun zu seiner vollen Größe auf und zischelt etwas. Zwei Schatten erscheinen links und rechts von ihm. Erst jetzt realisiert der Samurai was in seiner Umgebung passiert. Sie sind nicht mehr in dem kleinen Talkessel. Seine Mitstreiter liegen bewusstlos und gefesselt neben ihm. Sie sind umzingelt von einigen Naga, riesige Schlangen mit menschenähnlichen Oberkörpern. Sie sind mit Speeren und Schwertern bewaffnet, einige mit Bögen. Ihre wenigen Haare am Kopf sind zu Zöpfen zurück gebunden oder unter Tüchern verborgen. Ihre Körper sind mindestens dreimal so lang wie ein Mensch.

Der vor Njan starrt ihn durchdringend an: „Wer bissssst du, Mensch! Wasss suchsssst du in unserem Wald?“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Di 10 Feb 2015, 21:38

Ich erstarre kurz und blinzle halb ungläubig. Schließlich bemühe ich mich um jede würde, die ich aufbringen kann und beginne, unter Andeutung einer Verbeugung, zu sprechen:
 
„…Verehrtes…Wesen. Ich bin Shinjo Njan, Sohn von Shinjo Ruas,  Gunso in der Armee des Einhorns. Ich führe diese Gruppe an, die sich herausgenommen hat in euren Wald vorzudringen. Doch mit Verlaub: Wir wussten nicht, dass dies euer Wald ist. Kein Mensch hat seit ewigen Zeiten mehr einen der euren zu Gesicht bekommen, es gehen nur Sagen und Legenden vom Volk der Naga.“
 
Ich räuspere mich: „Doch lasst mich erklären warum wir hier sind: Man hatte erspäht, dass in diesem Wald einige Untote erschlagen worden waren, doch nicht von den Truppen des Hasen. So machten wir uns auf die Suche, wer es gewesen sein könnte. Ich hatte jedoch bereits geahnt, euch hier zu finden: Ich war zu Gegen, als das ‚Ei Friedens zerschlagen wurde‘ und erschlug mit einigen anderen den Oni, der die Schuld daran trug. Dort war einer der euren, der mir sagte Fu-Leng sei erwacht und die Naga würden sich wieder erheben.
 
Wir kommen nicht in feindlicher Absicht, sondern als Bitsteller: Die Zeiten sind schwer. Die Krabbe marschiert zusammen mit den verderbten Horden und eine Krankheit geht über das Land. Der Kaiser scheint nicht im Stande uns zu helfen und die anderen Clans sind vom Kriege geschwächt. Ich bin hier um inständig die Hilfe eures Volkes im Kampf gegen die Verderbnis zu erbitten, die von Westen heraufzieht.“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Mo 16 Feb 2015, 17:29

Der Naga starrt Njan eine Weile an, bevor er sich langsam wieder zur vollen Größe aufrichtet.
„Wir werden deine Worte prüfen, Ssssamurai. Bis dahin, bleibssst du in Fesseln.“
Die Schlangen zischen zueinander und besprechen sich. Dann ziehen sie sich etwa weiter zurück.

Derweil blickt Njan seine Kameraden an. Sie alle scheinen friedlich zu schlafen, sind aber ebenso gefesselt und alles zusammen an einem langen Seil zusammengebunden. Ihre Waffen, wurden ihnen abgenommen. Vorsichtig versucht er einen der Hasensamurai neben sich zu wecken, doch der Mann schläft tief und fest.

Wieder taucht die Schlange auf und zieht eine Art Flöte aus einer Tasche.
„Du wirssst mit uns gehen. Beuge dich unssserem Befehl und dir wird nichtsss geschehen.“ Noch immer liegt etwas Müdigkeit in Njan und es fällt ihm schwer Wut oder Bestürzung über die Ereignisse aufzubringen. Irgendwie ist alles ruhig und gut. Er nickt nur, dann beginnt der Naga plötzlich auf der Flöte zu spielen. Die Musik ist angenehm und rhythmisch und wie von selbst steht Njan auf. Ebenso erheben sich die anderen Samurai mit geschlossenen Augen. Dann beginnt der Marsch tiefer in den Wald. Die ganze Kolonne folgt.

Wie lange sie gegangen sind, fällt dem Samurai schwer zu ermessen – es muss wohl später Abend sein, doch düster ist es in diesem Wald immer – als sie zwischen Felsvorsprüngen versteckt einen Zugang in ein Tal erreichen, welches von einem reißenden Wasserfall verborgen liegt. Ein weiterer Naga zischelt Worte, die das Wasser dazu bringen sich zu teilen und einen Durchgang zu schaffen, dann treten sie in einen Canyon voller Einbuchtungen und steinerner Lampen. Diese werden von sanften grünschimmern erleuchtet und hinter ihnen kann man in den Schatten unter der Felswand kaum die Wächter ausmachen, die den Eingang bewachen. Fasziniert aber immer noch unfähig bewusst zu handeln, folgt Njan als einziger erwachter an zweiter Stelle in der Linie in das Tal, welches sich nun öffnet und einer Ansammlung an fremdartig kunstvollen Steinbauten Platz gibt, die sich um einen großen, aus Stein gehauenem Tempel zu sammeln scheinen.

Das Gestein der Gebäude besteht aus dunkelgrünem, teils grauem Fels, wird von schweren Ranken überwuchert und zeigt in regelmäßigen Abständen Gebilde von Tierfratzen aber auch wunderschönen Geistern. Der Himmel über der kleinen Stadt besteht aus einem dichten Blätterdach, von dem lange Lianen baumeln die an mache Gebäude fest gebunden sind. An riesigen Bäumen zwischen den Steinbauten, schmiegen sich hölzerne Baumhäuser und immer wieder finden sich vereinzelte, kleinere und größere Steinskulpturen oder Podeste mit Figuren aus Jade, Perl oder Ton.

Die Naga-Patrouille führt die Gefangenen zu einem größeren, massiven Steingebäude das unschwer zu sehen, einem militärischen Zweck dienen muss. Andere Schlangen beobachten die Neuankömmlinge neugierig, Männer und Frauen sind darunter auszumachen. Doch für eine so große Stadt, scheinen es reichlich wenige dieser Kreaturen zu sein. Alles wirkt irgendwie leer und ausgestorben. Das düstere Licht welches die Stadt erhellt, stammt von vielen Steinlampen oder schimmernder Pilze und Steine, die überall zwischen und an den Gebäuden zu finden sind.
Endlich erreichen sie das Gebäude und werden in eine Grube geführt, die mit lackierten Holzpfählen umgeben ist, die klauenartig über dem Loch zusammenbiegen. Dort nimmt man allen die Fesseln ab – Njan zuletzt und lässt die Gefangenen auf strohbedeckten Boden hinlegen. Die ersten von ihnen werden langsam wach. Man lässt den Männern noch hölzerne Schalen mit frischem Wasser da, dann verschwinden die Naga bis auf Zwei, die Wache um die Grube stehen.
„Wo…wo sind wir?“ entfährt es Kaito. „Was ist geschehen?“ Er greift mechanisch nach seiner Waffe doch kann sie dort nicht finden. Toja ist wortlos wach geworden und blickt sich aufrechtstehend um.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Mo 16 Feb 2015, 19:58

Ich verspüre seltsamerweise keine direkte Furcht, obwohl man dies doch eigentlich erwarten könnte, wenn man von sagenhaften Schlangenmenschen gefangengenommen wird. Ich denke nicht, dass wir in Gefahr sind, ich bin mir dessen sogar in einem Maße sicher, dass über bloßes Hoffen hinaus geht. Die Geschichten über die Naga, sie sind keine Schauermärchen…zumindest die meisten nicht. Vielleicht, vielleicht bin ich aber auch bloß zu fasziniert vom Anblick, der sich mir geboten hat. Dieser Ort, er muss uralt sein. Er muss errichtet worden sein, bevor die Kami diese Welt betraten.
 
Ich lasse die Schultern kreisen und reiche beiden eine Schale mit Wasser, nachdem ich selbst getrunken habe: „Ihr könnt beruhigt sein. Es sind…es sind die Naga. Sie sind erwacht, ich wusste dass sie erwacht sind.“ Ich deute umher: „Sie haben uns in irgendeinen magischen Schlaf versetzt und uns in ihre Stadt gebracht. Ich habe ihnen bereits erklärt, dass wir nicht als Eindringlinge, sondern als Freunde hier sind. Wir sind zwar noch ihre Gefangenen, aber ich bin mir recht sicher, dass sie uns nichts Böses wollen. Ich denke sie beraten noch.“
 
Ich erhebe meine Stimme ein wenig, so dass mich alle hören müssen: „Ich bitte euch alle, den Befehlen der Naga Folge zu leisten und euch nicht zu widersetzen. Wir sind in Frieden hier und ich habe nicht vor diesen Eindruck zu gefährden.“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am So 22 Feb 2015, 14:20

Die Samurai sehen nicht gerade glücklich über ihre Gefangenschaft aus, Furcht macht sich auf den Gesichtern einiger Späher breit. Der Käfig ist nicht sehr groß und man sitzt eng beieinander. Von hier aus kann man kaum die großartigen Gebäude sehen, aber zumindest scheint es nicht sehr kalt.
Doch die Bushi beweisen Selbstdisziplin und verhalten sich ruhig. Beunruhigt wird miteinander getuschelt. Nach einer Weile bringt eine klein gewachsene Schlange mit dem Kopf einer Viper einen bauchigen Behälter mit Wasser. Einige der Männer weigern sich zu trinken, aus Angst vergiftet zu werden. Die Schlange spricht nicht und auch auf Anfragen reagiert sie nicht. Langsam macht sich wieder Müdigkeit breit und einige schlafen im Sitzen ein. Stunden später, tut sich endlich wieder etwas.
 
Ein seltsames Paar tritt an den Käfig heran, beides augenscheinlich Menschen. Der eine, ist ein kleiner, alter Mann mit einem langen löchrigen, weißen Vollbart. Er trägt ein offenes aber irgendwie versteiftes Lächeln auf dem Gesicht, sein alter lässt ihn tief gebückt gehen, seine Augen sind zugekniffen und kaum sichtbar. Weite, rissige Gewänder eines typischen Bauernkimonos hüllen seinen gebrechlich wirkenden Körper ein und ein Stock in seiner Linken hilft ihm beim Gehen. Seine Rechte stützt er im Arm einer Frau, deren Züge unnatürlich scharf und schmal sind. Ihre Augen sind Schlangenschlitze, ihre schmalern, blassen Lippen spalten sich gelegentlich um eine gespaltene Zunge zwischen scharfen, langen Eckzähnen hindurchflattern zu lassen. Langes, schwarzes Haar ist zu einem strengen, hohen Zopf nach hinten gebunden, die Haut ihrer Arme weißt eine schuppige, dunkelbraune Schicht auf. Dennoch geht sie auf zwei Beinen, auch wenn diese in schlecht umwickelte Stoffe gehüllt sind und scharfe Klauen an den Zehen aufweisen, die barfuß von feuchter Erde bedeckt werden. Keiner der Beiden trägt Waffen, doch in ihrer Rechten schimmert eine weiße, große Perle zwischen den Fingern.
Sie treten an den Käfig heran und der alte beginnt mit kratziger, aber menschlicher Stimme zu sprechen.

„Seid gegrüßt, edle Samurai. Es ist schön dass ich am Ende meiner Tage doch noch einmal das Haupt vor euch Beugen darf.“ Er folgt seinen Worten mit einem aufrichtigen Nicken, das wohl nur deshalb nicht tiefer ausfällt, weil seine Gebrechen es nicht zulassen. Die Frau verzieht keine Miene.

„Bitte entschuldigt, dass ich wage zuerst zu sprechen, aber meine Herren haben mich gebeten zu vermitteln. Mein Name ist Yoji…glaube ich… ich war ein Bauer in den Landen des Einhorns vor vielen, vielen Jahren. Doch nach einem Überfall von Schattenlandkreaturen, flüchtete ich in den Wald und wurde von Tsishi hier gefunden. Seitdem diene ich den Naga als Übersetzer und Berater.“
Ein breites Lächeln lässt seine Falten im Gesicht noch tiefer werden und ein glückliches Glucksen schüttelt seinen Körper.

„Bitte verzeiht. Ich bin schon lange kein guter Berater mehr, nicht wahr, Tsishi?“ Die Frau lässt nur kurz ihre Augen auf dem Mann ruhen, dann blickt sie wieder stur auf die Menschen im Käfig.
„Meine Herren verlangen genau zu wissen, wer ihr seid und was ihr wollt. Ihr müsst verstehen, dass sie nicht die Sprache der Menschen sprechen können. Nur wenigen ist es vergönnt über die Kraft der Perlen zu kommunizieren. Erzählt mir eure Geschichte und eure Absichten und ich werde meine Herren verstehen machen.“
Ein leises, säuselndes Zischen geht von der Frau aus und ihre Hand streicht sanft über die Arme des Alten.

Kaito meldet sich zu Wort und stellt sich vor, erklärt ihre Absichten. Der Greis nickt während er geduldig zuhört und murmelt ab und an etwas kaum verständliches.
„Ich verlange,“ endet Kaito seine Ansprache, „dass man uns frei lässt und wie Gäste behandelt, nicht wie Gefangene.“
„…sehr, ja. … Stolz. … Nein, freundlich. Für einen Samurai.“ Murmelt der Alte und gackert wieder kindlich, während er auf das Zischeln der Naga-Frau antwortet.

Dann:
„Tishi möchte euch glauben und man hat vom Wald aus euren Kampf mit den Kreaturen der Fäulnis beobachtet. Sie will das Oberhaupt des Geleges überzeugen euch wie Gäste zu behandeln, so wie es bei ihnen Sitte ist. Ich bitte euch respektvollst, Samurai, euch noch ein wenig zu gedulden, dann wird man euch sicher freundlich empfangen. Die Naga sind friedvolle und höfliche Wesen, wenn man sie erst einmal zu verstehen begonnen hat. Aber sie kennen die Gefahren noch nicht, die außerhalb des Waldes lauern und deswegen, müssen sie euch in Gewahrsam nehmen, bis sie sich eurer Anliegen sicher sind. Es heißt, der Dashmar höchst selbst sei auf dem Weg hierher, mit ihm der Quamar und ein großer Zug Krieger. Vielleicht führt man euch schon bald wieder nach Hause.“ Er hält eine Weile inne und atmet schwer. Die Frau Namens Tishi streicht behutsam über seinen Rücken.
 
„Wenn…wenn ihr noch Fragen habt, so ist jetzt eure Gelegenheit, edle Herren und Damen. Leider lässt es meine Gesundheit nicht mehr lange zu, euch als Sprachrohr zu dienen.“
 
Spoiler:
Bitte denke daran, evtl. Namen in die Namensliste einzutragen. Fragen gern per Chat.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am So 01 März 2015, 15:35

Ich erhebe mich und nicke dem Alten und der „Frau“ zu: „Ich bin Gunso Shinjo Njan. Lass mich noch eine Frage stellen Yoji: Wer ist der Dashmar und wer der Quamar und was haben wir in unserem Verhalten gegenüber ihnen zu beachten? Ihr müsst meine Unkenntnis über die Ränge und Gepflogenheiten dieses Volkes verzeihen.“
"Herr, ihr müsst mir verzeihen, dass ich euch nicht sofort eine Erklärung gab. Der Dashmar ist der Anführer des Friedens, der Qamar der Anführer des Krieges. Sie kommen um der Bedrohung der Fäulnis zu Begegnen."
Ich nicke: „Gut, Hab Dank. Es freut mich zu hören, dass auch das edle Volk der Naga für den Kampf rüstet, eine Verstärkung dieser Art wäre mehr als ein Segen. Wir werden warten und ich bin mir sicher, dass sich bald alles klärt.“


Zuletzt von Elias am Mi 15 Apr 2015, 17:57 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Mi 15 Apr 2015, 15:54

Ob die Sonne über den Himmel streicht oder nicht, ist manches Mal schwer zu sagen. Selten erreichen schwache Sonnenstrahlen den Boden des gigantischen Waldes. Zumeist, ist die ganze Stadt von einem beruhigendem, grünen Glimmer erfüllt. Njan glaubt, dass es Nacht geworden sein muss, etliche Zeit später, nachdem der Botschafter wieder gegangen ist, als die ersten neugierigen Blicke aus den Schatten der Bäume und Gebäude in der Dunkelheit glimmen. Wasser tropft in erfrischenden Nieseln vom Blätterdach zur Grube herab, als endlich einige Wachen auftauchen.
 
Sie haben lange, Naginata-artige Speere bei sich, tragen Rüstungen und sind selbst nicht zur vollen Größe aufgerichtet, weitaus größer, als die Bushi im Käfig. Misstrauisch beäugen die Männer, wie die Schlangen den Käfig öffnen und den Weg aus der Grube frei machen. Ebenso misstrauisch, blicken die Wächter mit geschlitzten Augen zurück. Vorsichtig verlassen die Männer den Käfig, vorbei an den Schlangen die sie flankierend begleiten in Richtung des großen Gebäudes nahe der ‚Zellen‘. Das innere wird durch schwach schimmernde Steine angenehm erleuchtet und ist auch im Inneren von Moosen und Kletterpflanzen dekoriert.
 
Die Wächter führen die Menschen wortlos zu einem eckigen Raum, von dessen zwei Eingängen gegenüberliegend, Treppen etwas tiefer hinabführen, zu Podesten auf denen die Waffen der Samurai in Tücher gewickelt, respektvoll aufgebahrt sind. Doch scheinen die Schlangen nichts von der Bindung der Bushi zu ihren Schwertern zu verstehen, denn Pfeil und Bogen, Speere und auch Trinkbehälter sind gleichermaßen vorsichtig auf den steinernen Altären verstreut. Als die Männer Anstalten zu ihren Waffen zu gehen, werden sie von den gekreuzten Speeren der Wächter aufgehalten. Ein grotesk ausschweifendes Kopfschütteln, das wohl nicht ihre Art ist, dient zur Antwort.
 
Dann werden sie weiter geführt, aus dem Gebäude heraus über den Platz, auf dem zwischen gigantischen Wurzeln große Steine kunstvoll aufgereiht sind und Statuen aus glitzerndem Sandstein in der Form von imposanten Naga um die Wurzeln verteilt stehen. Dicke Seile und Lianen spannen sich zwischen tief hängenden Ästen, auf denen manche Schlangen sitzen und neugierig herabsehen. Endlich erreichen sie einen Kreis aus aufeinander gestellten, eckigen Steinen, deren freien Stellen zwischen den Eingängen mit lockeren, herabhängenden Lianen bedeckt sind, so dass man nicht nach innen sehen kann. Vorsichtig hebt einer der Wächter die Lianen beiseite, so dass die Männer passieren können. Das Innere ist ein kunstvoller Garten aus weichem Moos in dessen Mitte eine Runde Steinplatte ausmacht, die kunstvoll behauen ist und in die mehrere kleine Einbuchtungen gekerbt wurden, die wohl als eine Art Teller dienen könnten. Nur an einer Stelle, ist das Rad gebrochen, hier verzweigt es sich in zwei weitere Stränge die ein wenig nach außen ein ‚Omega‘ formen und an denen man ebenfalls sitzen kann. Die Steinwände sind mit kleinen Öllampen behangen und mit schönen Edelsteinen bestückt, so dass sich das flackernde Licht der Lampen in verschiedenen Farben bricht und das innere des Dachlosen Raumes farbenfroh erhellen. In der Mitte des Tischrades, steht ein großer Pott, indem ein heißes Feuer knistert und aus dem Weihrauch-Düfte zum freien Blätterhimmel aufsteigen.
 
Der Alte Man namens Yoji sitzt bereits am Tisch, sein trüben Augen starren fröhlich in das Feuer, während seine Begleiterin mit dem Namen Tsishi um den Tisch geht und mit einer hölzernen Schüssel, Wasser über die Tischlatte gießt, welches den Rillen im Stein folgend, im Feuer abfließt.
„Herzlich Willkommen, edle Samurai aus dem Land hinter dem Shinobi.“ Empfängt der Alte die Besucher glucksend. „Bitte setzt euch zu uns zum Speisen. Die Naga haben nur für euch feinstes Essen – dem Menschen verträglich – geholt, auf das ihr wie edle Gäste empfangen werdet.“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Di 21 Apr 2015, 09:20

Ich verbeuge mich leicht: „Wären wir an einem unserer Höfe, so würde ich das Angebot zunächst aus Höflichkeit zurückweisen, doch da ich die Sitten des Volkes der Naga nicht kenne sage ich: Habt Dank für eure Gastfreundschaft, wir werden sie nicht abschlagen. Zumal wir alle hungrig sind. Sind uns bestimmte Plätze zugewiesen oder dürfen wir frei wählen?“
 
„Der gesamte Tisch, ist für euch, ehrenwerte Gäste. Setz euch, wo es euch beliebt.“ antwortet der Alte lächelnd. Ich nicke, setzte mich an einend er Seitenarme des Tisches und bedeute meinen Leuten es mir gleich zu tun. Die anderen setzen sich misstrauisch auf die Plätze und sehen sich um. Die Frau verteilt Schalen aus großen Muscheln, fein poliert mit glänzendem Perlmutt auf der Innenseite. Das Wasser darin ist klar und geruchlos.
 
Ich hebe leicht die Hand und blicke in die Runde. Als erster hebe ich die Schale zum Mund und nehme einen Schluck. Es ist nicht mehr als einfaches Wasser, was mich tatsächlich wenig erstaunt. Hätte man uns töten wollen, hätte man bisher mehr als genug Gelegenheit dazu gehabt. Wir sind in dieser Situation machtlos und solange nichts Besorgniserregendes geschieht – einmal abgesehen davon, dass wir Gefangene monströser Schlangenmenschen sind – sehe ich keinen Grund dazu mich zu widersetzten. Die Naga könnten uns im Krieg mehr als nützlich sein. Doch vor allem würde ich gerne die Gesichter meiner Clans-Brüder sehen, wenn ich mit dieser Verstärkung an die Front komme.
 
Ich lächle dem Alten leicht zu: „Habt Dank für eure Gastfreundschaft. Darf ich euch fragen, wie lange wir sie noch in Anspruch nehmen werden? Wann wird es uns erlaubt sein, mit den edlen Anführern eures Volkes sprechen?“ - „Die Anführer sind auf dem Weg und werden bald hier sein. Ihr müsst vielleicht noch eine Nacht oder zwei hier bleiben. Man wird euch Schlafstätten geben, auf denen ihr gut liegen könnt und euch Wächter zuteilen, die für euren Schutz zuständig sind. Bitte folgt ihren Anweisungen, denn es ist euch nicht gestattet alle Orte dieser Stadt frei zu besichtigen.“
 
Ich nicke erneut: „Gut. Wir werden Folge leisten. Wenn Ihr uns diese Stadt ein wenig zeigen könntet, würden wir uns natürlich freuen. Ansonsten werden wir warten.“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Mo 18 Mai 2015, 18:11

Die Nahrung die ihnen gereicht wird ist überwiegend vegetarisch, Früchte des Waldes, Nüsse und einige kultivierte Pflanzen. Manche Kombinationen erinnern an einfache Bauernrezepte, doch alles wird in Perlmuttschalen gereicht und schmeckt köstlich. Während des Mals sind die Naga ruhig, lassen die Männer ungestört. Als sie alle gesättigt sind, führen Yoji und Tishi die Männer im äußeren Bereich der scheinbar immer noch schlafenden Stadt umher. Doch trotz aller Bemühungen des Vermittlers, die Geschichte und das Wesen der Naga zu erklären, bleibt vieles den Samurai unerklärlich. Die Kultur der Naga ist ebenso faszinierend wie mysteriös.
 
Als die Nacht herein bricht, wird es in der Stadt nur unwesentlich dunkler, doch die Düsternis drückt auf die Müdigkeit der Männer und schon bald geleitet man sie in ihre bereit gestellten Betten, nicht weit entfernt von der Kaserne. Wachen postieren sich an den Eingängen, doch diese sind – so erklärt Yoji – rein für den Schutz der Männer selbst. Missmutig geht man schlafen.
 
Am nächsten Morgen werden die Samurai früh durch etwas Unerwartetes geweckt. Pfeiftöne sirren durch die Luft, draußen herrscht Tumult. Die Männer begeben sich an den Eingang ihrer Unterkunft, nur um auf einen langen Tross Naga zu blicken, die in die Stadt einziehen. Schwer bewaffnet und gerüstet sind diese riesigen Schlangen ein ehrfurchtgebietender Anblick. Yoji eilt mit Tishi herbei um die Samurai zu holen und vor den Qamar zu führen. Dann wird die Gruppe zum selben Ort wie am vorherigen Tag geführt.
 
Eine eindrucksvolle Gestalt erwartet die Rokugani, umringt von seinen schwer gerüsteten und mit langen doppelklingen bewaffneten Leibwächtern. Das Gesicht des Qamar ähnelt mehr dem eines Menschen als einer Schlange, seine glatte grüne Haut ist makellos und wird nur von goldenen Ohrringen durchstochen. Seine Rüstung ist mit feinen Perlen überzogen, die sich in der Mitte zu einem wundervollen Mosaik vereinen. Der Qamar neigt das Haupt freundlich, fast schon lächelnd vor den Männern, als an seiner Seite ein Mensch aus der Menge tritt. Miromoto Daini verbeugt sich ebenfalls vor den Samurai.
„Was für eine schöne Überraschung“ grinst er.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Mo 18 Mai 2015, 20:12

Einen kurzen Moment stehe ich mit offenem Mund da und starre Daini an: „Was zum…Wie…W...“ entfährt es mir, bevor ich mich wieder meiner Situation und Position entsinne. Wenn der Qamar der Anführer dieses Volkes in Kriegszeiten ist, stehe ich vor dem Gegenstück eines Clansoberhauptes. An einem menschlichen Hof, so wird mir bewusst, hätte ich mich gerade grandios blamiert. Andererseits: Dies ist kein menschlicher Hof und dies sind keine Menschen…ach sei’s drum. Ich verbeuge mich förmlich und tief vor dem Qamar und verbeuge mich dann leicht vor Daini.
 
„Verehrter Qamar. Es ist mir eine Ehre und ein Privileg eure Bekanntschaft zu machen. Verzeiht mir und meinen Männern das Eindringen in das Reich der Naga, wir haben es nicht in feindlicher Absicht getan.“ Und dann leiser: „Daini-san, Freund, wie verdam…wie kommt ihr hier her?“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

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