Der Frühling 1127 (Teil 2)

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Do 27 Jun 2013, 12:39

Ruas schweigt lange Zeit, nachdem Njan geendet hat und blickt an seinem Sohn vorbei zur Tür, durch die das Licht der Morgensonne leuchtet. Er sieht unglaublich alt und müde aus. Und wer könnte es ihm verdenken? Sein ältester Sohn und seine einzige Tochter tod, seine Frau in einem wütendem Kreuzzug auf der Suche nach den Mörder und sein zweitältester an der Front und offenbar nicht seiner Sache ergeben.

Es muss die innere Verzweiflung sein, die seinen Vater nun zum sprechen zwingt:
"Sohn, Shinjo wird nicht wiederkehren. Die Zeit der Kami ist dem Ende nah. Der Kaiser wird nicht mehr lange auf dem Thron sitzen und Rokugan wird dann endlich frei von der Thyrannei der Kami sein. Ich muss wissen, ob du dich diesem Wandel anschließen wirst, oder ob du dich zum Diener höherer Mächte machen willst? Willst du den Menschen dienen? Oder den Kami?"

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Werd' ich sie dort einst umarmen, meine Leonore?" - "Nimmer", Krächzte da der Rabe. "Nimmer!"

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Do 27 Jun 2013, 13:39

Ich lege die Stirn in Falten und schüttle etwas unwillig den Kopf: „Vater. Ich verstehe Eure Enttäuschung nicht, sie scheint euch zu sehr zu übermannen. Verzeiht mir diese Respektlosigkeit, aber ich denke Ihr seid zu sehr in dem Glauben gefangen ich würde Euch auf jeden Fall enttäuschen  – Habe ich Euch nicht soeben gesagt, dass ich mich nicht zu irgendjemandes Sklaven machen werde? Habe ich nicht gesagt, dass ich den Kaiser, so wie er im Moment für nicht funktional halte? Habe ich nicht gesagt, dass ich ein Ende dieses von den Kami begonnen Krieges wünsche?
 
 Vater natürlich kämpfe ich für die Menschen und für mein Volk! Ich kämpfe nicht für meinen Clan, weil ich damit einem Kami dienen will, ich kämpfe für ihn um die Menschen, die ich liebe zu verteidigen und das Land, mit dem ich mich unverbrüchlich verbunden fühle zu beschützen und mir wäre es wesentlich lieber, wenn ich dafür nicht andere Menschen abschlachten müsste. Für wen sollte ich sonst kämpfen, Vater?
 

Ich war nie übermäßig religiös und das wisst Ihr, ich habe immer lieber meine Zeit in der Steppe, als in Tempeln verbracht. Aber ich sage auch, dass ich mir nicht sicher sein kann alles zu wissen und alles zu verstehen und dass ich vielleicht eines Tages erkenne, dass ich falsch lag. Es wäre wenig weise und arrogant zu behaupten man wäre allwissend. - Das ist das was ich denke und deutlicher kann ich kaum werden. Vater, ich diene den Menschen und wenn sich die Welt wandelt, dann werde ich weiterhin den Menschen dienen auf die Eine oder die andere Weise.“ 

Ich erhebe mich und blicke ihn ernst an: „Vater, ich weiß nicht ob ich alles von dem was ihr sagt verstehe und ich kann nicht alles nachvollziehen, aber ich werde euch und eurer Sache folgen, wenn dies zum Wohle unseres Clans ist und wenn dies bedeutet, dass wir nicht mehr regungslos und in falscher Ehrfurcht vor etwas verharren müssen, dass sich schon zu lange nicht mehr um uns schert.“


Zuletzt von Elias am Sa 13 Jul 2013, 18:32 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Sa 29 Jun 2013, 13:34

Entscheidung:
Also nur damit wir das klarstellen: Hier biete ich dir die Möglichkeit dich zu entscheiden an. Deine Entscheidung kann die komplette Geschichte beeinflussen, zu Vorteil und Nachteil. Damit wir auch wirklich auf der selben Welle sind:

*Entscheidest du dich für den traditionelle Weg, der Kamiverehrung und dem Ursprung des Samurai-ethos? Bleibst du bei deinem derzeitigem Weg treu und dienst weiterhin dem Kaiser und der göttlichen Ordnung?

*Oder entscheidest du dich für den Weg des Renegaten, dem Feind der derzeitigen Ordnung und im selben Zug höchstwahrscheinlich zum Beitritt eines ketzerischen Ordens der diese Ziele voranbringen will. Auf diese Weise würdest du natürlich immer noch offiziell der eigentlichen Ordnung angehören, aber insgeheim dagegen vorgehen. Damit wirst du aber unter Umständen ein Feind der meisten Systeme und Figuren in Rokugan.

Um das klarzustellen: Du schließt dich nicht den Schattenlanden oder so an! Natürlich ist dies aber immernoch eine Option für dich (Blutmagie z.B. egal für was du dich entscheidest!) aber die Schattenlande haben mit dieser Einstellung nichts zu tun! Du kannst auch einen Zwischenweg wählen und Lügen, bzw. das auf ewig geheim halten!
Aber es wird Konsequenzen geben (auch wenn du heimlich bist), weil dies von der offiziellen Story auch so vorgegeben ist. Die Entscheidung wird auch Einfluss auf deinen weiteren familiären Weg und evtl. deine Liebschaften haben.

Wichtig ist letztendlich nur, dass du bitte deine Entscheidung (innerlich oder äußerlich) deutlich machst, weil das natürlich auch sehr stark mit Ehre-Verlust/Gewinn zu tun hat! Du kannst natürlich deine Meinung irgendwann nochmal ändern weil du deine Entscheidung bereust. Aber aus deiner jetztigen entscheidung folgt eben etwas. Wähle weise und wähle wie du es wirklich willst. Alle Wege sind möglich und ich stelle mich darauf ein und führe dich da hin.

Bin evtl. in Skype (hab dieses WE von 10 - 18:00 Uhr Blockseminar). Du rettest mich also vor der Langeweile, wenn wir chatten. ;-)

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am So 30 Jun 2013, 16:29

Entscheidung - Antwort:

Konnte dich nicht retten, war gestern den ganzen Tag auf Konzert. ^^
 
Ich Vergleiche das jetzt Mal mit Witcher I: Ich werde mich weder den Scoi’atel noch dem Orden der Flammenrose anschließen. Ich werde versuchen meinen eigenen Weg zwischen den Extremen gehen und erst einmal versuchen mein Weltbild zu komplettieren. In Anbetracht des zukünftigen Kaisers (das wird doch dieser Ronin oder?), werde ich wohl eher ihm dienen. Njan ist in seiner Meinung nicht vollkommen festgelegt und sich nur in der Tatsache vollkommen sicher, dass er als Herrscher den Menschen dienen will – Die Absolutheit, die sein Vater einschlägt stört ihn eher und er findet sie dumm. „Shinjo kehrt nicht wieder.“ – Woher will er das wissen?
 
Nach momentanem Stand habe ich auch vor meine Liebschaft mit Aikiko aufzugeben, sowie keine weitere Liebschaft zu beginnen. Der Nachteil „Wahre Liebe“ bringt in so einem Fall Einbußen mit sich, man muss nochmal nachschauen welche. Obgleich ich mir natürlich immer noch nicht sicher bin, ob meine eigentliche wahre Liebe Kiku ist. Aber wie immer kann sich das ja auch noch ändern.
Außerdem muss er diese Sache mit seinem Bruder und seiner Schwester verarbeiten - Ansonsten weiß ich nicht, wie ich das beenden /damit umgehen soll.

 

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am So 21 Jul 2013, 15:21

Ruas nickt beruhigt. "Dann Sohn, wird es Zeit dich in einige Geheimnisse einzuweihen. Heute Abend, sollen wir zusammen essen, nur du und Ich. Dann werde ich dir einige Dinge offenbaren die du wissen musst - aber auf keinen Fall diesen Raum verlassen dürfen!"

Er steht auf und legt seine Hand auf die Schulter seines Sohnes.

"Ich bin sehr stolz, dass du diese Entscheidung getroffen hast und dem Weg deines Bruders folgst. Doch unsere Feinde sind überall und ich fürchte sie haben auch deine Geschwister bereits getötet. Sie mich an! Ich befürchte, dass man einen Assassinen auf sie angesetzt hat - und das würde bedeuten dass auch du in Gefahr bist! Sei auf der Hut und traue niemanden!"

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am So 21 Jul 2013, 18:48

Ich nicke, erhebe mich und verbeuge mich tief: „So sei es Vater. Habt Dank für euer Vertrauen. Erlaubt Ihr, dass ich mich zurückziehe? Ich habe Verschiedenes zu erledigen, solange ich noch hier weile.“ Mein Vater nickt: „Sei nur heute Abend rechtzeitig hier.“  - „Selbstverständlich!“
 
Ich verlasse mit dem Kopf voller schwirrender Gedanken das Schloss. Was wird es sein, dass mein Vater mir anvertrauen möchte? Es zehrte an meiner Seele, dass mein Vater dies über den Tod seiner Kinder denkt. Doch welcher war der üble Schatten, der meine Schwester veranlasste umzukehren? Was liegt in den Schatten verborgen?
 
Ich frage mich wo mein Weg liegt, doch zumindest weiß ich, dass ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren könnte Aikiko nicht zu besuchen, wenn ich zumindest für kurze Zeit hier in der Stadt weile. Wer weiß ob ich nicht trotz meiner gegenteiligen Gewissheit aus der Schlacht zurückkehre? Schon bessere Männer als ich sind auf dem Feld der Ehre gefallen.  
Auf Umwegen schlendere ich durch die Stadt, werfe einige Münzen in die Schalen eines Bettlers und denke nach. Wie soll ich handeln? Ich denke ich habe begonnen, meine Frau zu lieben…Ich denke ich werde sie sehr lieben lernen und nein, obgleich ich sie begehre werde ich nicht mit Aikiko schlafen, dies schiene mir Verrat an meiner Frau, es scheint mir nicht richtig. Es ist Zeit mit ihr zu reden, offen zu reden über all die Dinge die um mich her geschehen, aber ich denke nicht, dass ich die Stärke aufbringen werde, sie zu verstoßen oder mich von ihr abzuwenden – Auch wenn es die Ehre verlangt. Ich merke, dass ich nicht weiß wer sie ist und ich merke, dass ich ihr kaum davon erzählt habe wer ich bin. Kennt sie mich? Kenne ich sie? Ich habe sie stets wie ein rohes Ei behandelt ohne zu registrieren, dass sie eine beachtliche Stärke in sich tragen muss, dass sie eine Menge auf sich genommen hat um…Es ist grausam!
 
Ich betrete mit gebeugtem Kopf ihre Arbeitsstätte, ihr Haus, den Ort den ich ihr geschenkt habe und blicke mich um.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am So 04 Aug 2013, 15:29

Leise Musik spielt im großen Saal des Geishahauses. Ein junger Ronin steht am Eingang und verbeugt sich vor Njan, bittet ihn wortlos nur mit einer Geste ihm die Schwerter zu reichen. Da es bereits Mittag ist, kommen schon die ersten Gäste um im Saal Speisen einzunehmen und sich von der Gesellschaft berauschen zu lassen. Die geschminkten, teilweise etwas wild gekleiderteren Frauen lächeln Njan freundlich zu und eine junge Dame tritt sogleich an seine Seite um ihn in den Saal zu begleiten. Nachdem er ihr gesagt hat, nach wem er sucht, entschuldigt sie sich lächelnd und verschwindet zwischen zwei Vorhängen.

Wartend lässt er seinen Blick über den Raum schweifen. Es ist ein idylischer, kunstvoller Ort. Die Samurai und Edlen die hier an den Tischen zwischen den Frauen - und ja sogar männlichen Geishas sitzen - machen alle einen entspannten Eindruck und scheinbar haben selbst die rohesten von ihnen ihre Derbheit draußen gelassen. Düfte von Flieder und Lavendel steigen aus kleinen Ölschalen auf und es riecht nach grünem Tee und Frühlingsrollen.

Endlich erscheint das junge Mädchen wieder, nimmt Njan beim Arm und zieht ihn mit sich nach hinten zwischen die Vorhänge. Sie führt ihn einige Treppen hinauf bis sie einen Gang erreichen und dort vor einer größeren Flügeltür stehen bleiben, die von innen, von zwei herrlich gekleideten Damen geöffnet wird. Ein langer Teppich führt an vielen, säuberlich angeordneten Sitzkissen vorbei zu einem kleinen Podium, vor dem im Halbkreis aufgereiht vier Damen in blutroten Gewändern und kunstvoll nach oben gesteckten Haaren auf den Knien sitzen. Allesamt haben sie einen roten Fächer vor dem Gesicht, so das nur ihre Augen hinter einer weißen Porzelanmaske hervorblicken können. Für einen Moment erschauert Njan, denn er fühlt sich zu sehr an Lady Tsumis Gesicht erinnert.


Die Damen wedeln zitternd mit ihren Fächern und hinter ihm wird die Tür geschlossen. Von irgendwoher, beginnen Flöte und Saiteninsturmente zu spielen. Und die Damen vor dem Podium beginnen sich synchron im Takt zu wiegen, wie rote Blumen im Wind.


Hinter den vier Damen erheben sich vier weitere, langsam strecken sie sich und beginnen dann ebenso auf ihren Knien im Takt der Musik zu wiegen. Ihre roten Fächer erinnern dabei stark an Blätter im Wind, bevor sich die hintere, auf dem Podium sitzende Reihe über die erste beugt, während die vordere, sich nach vorne verbiegt, fast als ob sie zusammen eine Art Kugel bilden wollten. Das Wiegen hat nun aufgehört und stattdessen fallen die vorderen Damen langsam nach vorne und beugen ihre Körper zu Boden, während die hintere Reihe sich langsam nach hinten fallen lässt und die Fächer nach oben und hinten wegzieht.

Wie aus einer sich öffnenden Muschel erhebt sich in einem dunklen Purpur nun die eine Frau, die bereits zum Beginn der Choreografie dort gelegen haben muss, aber nicht zu sehen war. Aikikos Gesicht ist von einem wundervollen weißen Make-Up bedeckt, ihre Augen schwungvoll von schwarzen und lilanen Strichen umrahmt. Die Lippen sind fast schwarz geschminkt, mit einem weißen Strich in der Mitte und ihr Haar fällt lang, wie schwarze Seide über ihren dunklen Kimono, der es kaum schafft die wichtigsten Körperstellen zu bedecken. Allein der Anblick lässt Njans inneres Feuer auflodern, als ob man frische Zweiglinge hinein geworfen hätte und als sie beginnt mit einer unglaublich hellen und reinen Stimme zu singen, erzittert er leicht unter seiner Kleidung. Wie eine Sirene erhebt sie sich aus ihrer Muschel, lässt sich immer wieder fallen und singt von ihrem Liebsten den sie so begehrt und vermisst.

Aufgerichtet breitet sie die Arme aus und beginnt sich hin und her zu wiegen, wie die Blume im Wind, die vordere Reihe tanzt gegengleich zur hinteren Reihe immer noch am Boden liegend hin und her. Endlich hebt Aikiko ihre Arme langsam und die anderen Frauen folgen ihrem Beispiel, die Fächer zittern wieder im metaphorischen Wind und die Damen die die Türe für Njan geöffnet haben, treten synchron von hinten an ihn heran und führen ihn langsam auf die tanzenden Frauen zu.

Die vordersten Zwei rutschen geschmeidig beiseite um ihn durch zu lassen und vorsichtig schieben seine Begleiterinnen ihn auf den Rand des Podiums wo, Aikiko - den Kimono nun lose von den Schultern hängend ihn mit einem ebenso verführerischen wie liebevollen Lächeln, mit den letzten Tönen des Liedes in die Arme schließt, wobei die anderen Frauen die beiden mit ihren weißen Armen und roten Fächern wieder in die Muschel einschließen.

"Ihr Liebster", singt sie, "ist daheim." Der Kuss dem sie ihm zätzlich auf den Mund drückt ist wie ein lang ersehnter kühler Wind an einem heißen Nachmittag.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Mo 05 Aug 2013, 02:31

Spoiler:
Du – bist – einfach – viel – zu – gut!

Vollkommen überwältigt, vollkommen fassungslos angesichts dieses Empfangs, lasse ich mich in ihre Arme sinken und erwidere den Kuss. Alles, was ich zuvor noch gedacht habe, scheint mir wie hinfort gewischt. Leise flüstere ich, als ich ihren herrlichen und berauschenden Duft einatme. Meine Stimme zittert und sicher kann sie spüren, wie ein Schauer über meinen Leib läuft: „Ich habe stets gedacht du wärest schön, doch ich habe mich geirrt. Du musst eine Göttin sein, kein sterbliches Wesen kann dir gleichen. Nur eine Göttin kann so sein wie du und nur eine Göttin, kann solche Schönheit schaffen.“ Als ich meine Hand ausstrecke um eine Strähne ihres Haares hindurchgleiten zu lassen, das sie wie Wasser umfließt, als ich zärtlich – als wäre es Porzellan, das unter dem leisesten Druck zerspringen könnte – über ihr weißes Gesicht streiche, ist es mir, als würde ich sie das erste Mal berühren.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Mo 02 Sep 2013, 12:42

Ein sanftes Lächeln erscheint auf seine Worte hin. Behutsam beugt sie sich zu ihm herab um ihn zu küssen. Das Kribbeln geht durch seinen gesamten Körper und lässt sein Herz vor Freude hüpfen.

"Ihr seid zu gütig, Samurai-sama." sagt sie und erhebt sich dann langsam mit ihm.
"Ihr seht aus, als könntet ihr ein heißes Bad vertragen. Warum kommt ihr nicht mit mir und erzählt mir von euren Abenenteuer, liebster Freund?"

Spoiler:
Du kannst entweder sofort handeln und etwas sagen, oder das Baden umreißen. Sie wird dich zusammen dich alleine waschen, oder zu dir in das Wasser hüpfen, wenn du es willst. Sie ist sehr daran interessiert alles von deiner Reise und dem Krieg zu erfahren.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Di 03 Sep 2013, 23:11

Ich ziehe ein gespielt beleidigtes Gesicht und flüstere ihr zu: „Jetzt bin ich also nur noch dein liebster Freund und nicht mehr dein Liebster?“ Ich lasse mich von ihr in einen Waschraum geleiten, in dem bereits ein dampfendes Bad bereitet wurde. Ich entkleide mich – oder besser, lasse mich von Aikikos raschen Fingern entkleiden. Voller Sorge fährt sie mit den Fingerspitzen über die Narben, die ich in der Schlacht und auf meinem Erkundungsritt davongetragen habe. Doch es sind wenige und sie sind nicht tief. Wenn ich zurückblicke, scheint mir das Glück, dass ich hatte, als in erster Reihe ritt, unglaublich. Am auffälligsten ist wohl die hässliche Narbe auf meiner linken Wange, wo sich die Zähne des Hundes auf meinem Erkundungsritt in das weiche Fleisch gegraben haben. Während sie beginnt mich zu waschen,  zunächst mit feuchten Schwämmen und duftenden Seifen, das Bad ist noch zu heiß, kann ich meine Erregung kaum verbergen. Ihre zärtlichen Berührungen und der Kimono, der mehr zeigt, als verdeckt, lassen mich fast schwindeln. Ich beginne, mehr um mich abzulenken,  ihr ausführlich von meinen Erlebnissen zu erzählen, von der Schlacht gegen die Krabbe, von meinem Erkundungsritt…Sanft gleiten ihre Finger über meinen Körper, während sie mich mit einem betörend riechenden Öl massiert und mit halb neckischen, halb ernsten Worten mahnt sie mich, als ich ihr von meinem Wagemut berichte. Sie sorgt dafür, dass das Wasser nicht kalt wird, lässt Saké und Süßes bringen.

Schließlich, nach meinem Bericht über meinen Botenritt, berichte ich nach kurzem Zögern über die Rettungsaktion in der furchtbaren Skorpion-Stadt. Mit bleibt der seltsame Ausdruck, der sich auf ihre Züge legt nicht verborgen, als ich von Aikiko von der geretteten Waffenschwester berichte und grinse sie an: „Du bist eifersüchtig Aikiko-chan.“ Sie beugt ihren Kopf ein wenig und blickt zur Seite: „Eifersucht steht mir nicht zu Liebster.“ Ich lächle: „Du bist zu bescheiden.“ Ich trete auf sie zu und beginne ihren Kimono zu lösen: „Viel zu bescheiden für eine Frau, der doch die ganze Welt zu Füßen liegen könnte.“ Errötend steht sie vor mir und hält immer noch ihren Kopf abgewendet. Während ich fast zitternd die Konturen ihres Körpers nachfahre: „Ich liege dir zu Füßen, Aikiko…und vielleicht tut der Rest der Welt es bereits und du hast es mir nur nicht gesagt?“ Sie atmet fast ein wenig erschrocken auf, als ich sie hochnehme und hinüber zum Bad trage, doch als ich sie sachte ins Wasser gleiten lasse lacht sie mich errötend an: „Ich glaube du überschätzt mich Njan-chan.“ Langsam steige ich neben sie und ebenso langsam lasse ich meine Hand über ihren Körper wandern, stetig forschend vorwärts gleitend, stetig tiefer in das Wasser hinabgleitend. Ich beuge mich vor und schenke ihr einen leidenschaftlichen Kuss. Kaum kann ich mich lösen - es ist wie…Ich bin kein Kranich, mir fehlen die Worte dies zu beschreiben, doch es sind Gedanken an den Duft von Kirschblüten, die meinen Geist erfüllen, Gedanken an den Glanz des ersten Schnees Winters, an das Gefühl des Windes im Haar eines Reiters. Es ist… „Ich schätze nicht, dass das möglich ist Liebste. Es ist, als ob sich mein Leben in diesem Moment erfüllt. Es erfüllt sich in jedem Moment in dem ich mit dir zusammen sein kann. Es…“ Meine letzten Worte kann ich nicht mehr aussprechen. Von tausend Küssen werden sie erstickt…

Ich ziehe meinen Obi fester und blicke noch einmal lächeln zu Aikiko hinüber, die sich ebenfalls gerade ankleidet: „Es reut mich dir das sagen zu müssen Geliebte, doch ich will dir nichts verheimlichen, auch wenn meine Worte nun brutal und unbarmherzig klingen mögen. Ich werde in zwei Tagen bereits wieder an die Front ausrücken müssen. Alles steuert auf ein großes Aufeinandertreffen mit der Krabbe zu, doch wir werden ohne jeden Zweifel siegen. Was jedoch noch schwerer wiegt: Wenn ich zurückkehre, werde ich nicht mehr hier in der Stadt weilen können, mein Vater habt mich belehnt. Es wird zunehmend schwieriger werden uns zu sehen, doch ich werde zusehen, es auf jeden Fall einrichten zu können und dich stets weiter fördern. Auch werde ich nicht als Hofherr in irgendeinem langweiligen Dorf versauern. Ich habe vor in diesem Clan so hoch aufzusteigen, wie es mir möglich ist und ich bin mir sicher, dass dies nicht gering ist. Was jedoch ebenso wichtig ist…Ich weiß nicht ob du es erfahren hast und ich will dich nicht verletzen…“ Sie blickt mich nur an mit einem Blick, den ich nicht zu deuten vermag. Ihr Schweigen lässt mich scharf und gequält einatmen: „Meine Frau ist schwanger Aikiko, ich werde Vater werden.“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Mi 04 Sep 2013, 13:59

Ihr Lächeln verschwindet keinen Augenblick als sie kurz nach unten sieht um die Trauer in ihren Augen zu verbergen. Doch nur für einen Herzschlag. Dann hebt sie wieder den Kopf und blickt Njan fest und ehrlich in die Augen.

"Es freut mich das zu hören, Liebster. Es war von Anfang an klar, dass dies so kommen musste und du tust lediglich deine Pflicht als Mann und Samurai. Ich bin nicht verletzt, höchstens traurig, dass du so bald wieder hinfort musst und auch nach dem Krieg nicht ewig in der Stadt weilen wirst."

Sie greift nach seinem Kinn um ihn nochmal einen Kuss aufzudrücken.

"Und ich bin mir sicher, dass du ein würdiger Nachfolger für deinen Vater sein wirst und es zu großem Ansehen bringen wirst. Dafür bist du gemacht. Du wirst sicher schon bald ganz weit nach oben steigen. Halte dir den neuen Khan als guten, vielleicht sogar besten Freund und du wirst auch seine rechte Hand werden. Dann wirst du sicher bald wieder hier sein um die Geschicke des Landes zu lenken und ich werde wieder bei dir sein können."

"Aikiko..."
Zärtlich umarmt sie ihn, drückt ihren warmen Körper fest an den seinen und beide genießen die Nähe zueinander. Inzwischen ist es schon später Nachmittag. Njans Abwesenheit wird nicht unbemerkt geblieben sein.

Spoiler:
Noch irgendetwas mit Aikiko? Irgendetwas mit deiner Frau? Ansonsten können wir auch gerne zum Abend springen.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Mi 04 Sep 2013, 19:27

Ich reite auf Umwegen zurück zur Burg und nutze die zusätzliche Zeit um meine Gedanken zu ordnen. Die ganze Sache wird auch dadurch nicht leichter, dass ich anscheinend nicht im Stande bin mich von dieser Frau zu lösen, im Moment sogar das Bedürfnis danach verloren habe. Ich frage mich wie es Kiku mittlerweile geht…Es ist ein elendiges Spiel, ich hätte meinetwegen noch zehn Jahre gewartet bevor ich irgendwen Heirate. Ja, ich hätte es wesentlich schlechter treffen können, denke ich, aber es macht mir vor allem Sorgen, dass ich es in dieser Geschwindigkeit gegen meinen Willen geschafft habe ein Kind in die Welt zu setzen: Ja ich möchte ein besserer Vater sein, als es der meine war, das ändert aber nichts daran, dass ich eigentlich überhaupt nicht Vater sein möchte. Auch das wäre ein Plan für eine weit entfernte Zukunft gewesen. Vor wenigen Monaten habe ich mir noch ernsthaft überlegt einfach abzuhauen, all dies hinter mir zu lassen und die Ehre, Ehre sein zu lassen und nun?
Ich bleibe noch einen Moment im Stall um Akemi zu versorgen – wie es scheint die einzige unkomplizierte Beziehung meines Lebens - dann wende ich mich in Richtung meines Zimmers. Ich habe Daisuke lange nicht mehr gesehen. Er ist ein guter Junge, hoffentlich ist er bei bester Gesundheit.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Fr 06 Sep 2013, 13:23

Von den anderen Dienern erfährt Njan, dass Daisuke noch immer im Tempel weilt und sich scheinbar bester Gesundheit erfreut. Yuki ist in die Stadt zum einkaufen gegangen und so ist Njan allein mit sich und seinen Gedanken bis zum Abend.

All die Dinge die passiert sind, wandern nochmal durch seinen Kopf. Der Kampf mit seinem Bruder. Das Abenteuer mit Kiku in der Unterwelt. Kohs Botschaften und Anwesenheit in dieser Welt. Der plötzliche Tod des Kahns. Der Krieg mit dem Löwen und der Krabbe. Und die komplizierte Einstellung seines Vaters und die Geheimnisse die er teilen möchte.

Kaum verfärbt sich der Himmel über der Stadt zu einem blassem Orange, da lässt sein Vater bereits nach ihm schicken. Wieder in seinen Arbeitsräumen.

Diesmal liegen Kissen auf dem Boden des Zimmers, ein Teetablett mit heißem, grünen Tee und zwei Porzellanschalen liegt daneben bereit. Der Raum wird gedämpft von Laternen beleuchtet, deren flackerndes Kerzenlicht eine angenehm ruhige und geheimnisvolle Atmosphäre schaffen. Ruas empfängt seinen Sohn direkt bei der Tür und schickt selbst seine Wachen fort.

"Tritt ein, mein Sohn." begrüßt er ihn, fasst ihm väterlich an den Schultern und führt ihn zum Sitzplatz in der Mitte des Raumes.
"Zuerst, werden wir eine Teezeremonie feiern."

---

Mit dem letzten Schluck aus der Tasse endet die Zeremonie und Njan fühlt sich warm und wohl in der Anwesenheit seines Vaters. Ruas Geruch bringt Kindheitserinnerungen von glücklicheren Zeiten mit sich und die Verbindung die er sich immer zu ihm gewünscht hat, ist nun stärker als je zuvor.

Beide atmen laut aus und stellen die Tassen ab.

"Nun gut, Njan-san. Ich werde dir nun eine Geschichte erzählen, wie sie die meisten Shugenja in Rokugan verdammen würden, die nicht an die gerechte Sache glauben. Es ist die Geschichte der Menschen, die einst existierten ohne die Beeinflussung der Kami. Als Lord Moon und Lady Sun noch am Himmel weilten und die Clan-Kami noch gar nicht geboren waren. Wir lebten glücklich und zufrieden in unserer eigenen Existenz, ohne die Kontrolle höherer Mächte über und, ohne die Furcht vor den Kreaturen der Schattenlande die damals noch nicht existierten. Es war eine wundervolle Zeit in der wir das Land bevölkerten in verstreuten Stämmen und unser Schicksal selbst bestimmten.
Doch dann vereinten sich Mond und Sonne am Himmel und erschufen die Kami. Als die Kinder vom Himmel auf unsere Gefielde fielen, da verdunkelte sich der Himmel und die Erde erzittete mehr denn jeh. Der vergessene Sohn, Fu-Leng fiel auf das Land, das wir heute Schattenlande nennen und riss ein so tiefes Loch in den Boden, dass die grausamsten Kreaturen aus Jigoku endlich herausströmen und die Welt verpessten konnten. Bald darauf, stritten sich die Kami untereinander, wer von ihnen der rechtmäßige Anführer über die anderen sei und wieder erzitterte die Erde unter dem Streit der Götterkinder. Nachdem sich Hantei als der würdigste unter ihnen erwiesen hatte, wandten sich die ewig gierigen den Menschen zu, in denen sie nichts weiter sahen als mögliche Sklaven und Vasallen. Und während einige sich den Kami bedingungslos unterwarfen, kämpften andere für ihre Freiheit, für ihre Unabhängigkeit die sie zu wahren versuchten.
Doch die Kami, machthungrig und eitel, wollten ihre Ordnung mit Gewalt durchsetzen und da mehr und mehr Menschen ihren Versprechungen nach Macht und Wohlstand folgten, waren sie schon bald in der Überzahl. Die Reihen der Freiheitsliebenden wurden immer lichter und lichter, bis die Kami uns entweder vertrieben oder getötet hatten.
Unsere Ahnen, flohen das Land, gingen über die Berge in die Wüste dahinter, wohin ihnen letztlich Shinjo folgte - sagend, dass sie das Land erforschen wollte, meinend, dass sie die letzten unserer Art aufspüren und vernichten konnte.

Doch so leicht, ließen wir uns nicht finden. Wir gründeten eine geheime Sekte und gaben ihr den Namen 'Kolat', was so viel bedeutet wie: 'In Frage stellen'. Wir infiltrierten die Reihen Shinjos langsam, als sich die Moto-Familie anschloss. Letztlich, schafften wir es sogar Shinjo in die Irre zu führen und in einen Berg zu sperren. Mit einem Kami weniger, kamen wir zurück in unsere alte Heimat um unser Werk zu vollbringen und den Menschen die Herrschaft über sich selbst wieder zu geben.

Und nun, hunderte von Jahre später sind wir fast am Ziel. Der letzte der Hantei-Dynastie sitzt auf dem Thron, der letzte Nachkomme eines Kami der die Menschen regiert. Sollte er endlich fallen und ein Mensch den Thron besteigen, wären wir endlich am Ziel unserer Träume."

Ein leises Knarrzen unterbricht die Erzählungen seines Vaters und aufmerksam beobachten beide Samurai die Tür. Doch als kurz darauf eine zwei Mann Patroullie den Gang entlang kommt, entspannen sie sich wieder. Ruas nimmt einen weiteren Schluck Tee, nachde er seinem Sohn und sich eingeschenkt hat.

Spoiler:
Zwischenfragen? Einwände? Einwürfe? Gedanken?

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Mo 09 Sep 2013, 18:12

Ich sehe meinen Vater mit in Falten gelegter Stirn an und setze zu sprechen an, nachdem ich mir erneut eingeschenkt habe:

„Ich kann euch insoweit folgen, Vater, dass wir uns niemandem beugen müssen und das es nicht recht war uns eine Herrschaft aufzuzwingen. Doch wenn ihr in mir einen Diener eurer Sache finden wollt, so müsst ihr mir kritische Fragen erlauben – Ansonsten wäre dies wohl widersprüchlich zu dem wofür eure Sekte steht und ansonsten werde ich eure Überzeugungen nicht teilen können. Zweierlei möchte ich wissen:

Woher nehmt ihr eure Gewissheit? Kann es nicht, sein, dass die Rokugani ohne die Ordnung, die uns die Kami gaben, niemals zu dem Grade an Zivilisation gelangt wären auf dem sie sich heute befinden?

Mag es nicht sein, dass Lord Mond und Lady Sonne hinter der Schaffung der Kami einen höheren Sinn sahen? Natürlich ist es unfassbar und furchtbar, dass Fu-Leng das tat, was er getan hat, doch wissen wir ob sie nicht etwas damit bezweckten, etwas, dass sich uns Sterblichen – denn schließlich sind wir nicht mehr, als das – nicht offenbart?“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Di 10 Sep 2013, 00:18

"Du stellst in Frage, gut! Das ist der richtige Weg. Du darfst nicht vergessen dass auch Lady Sun und Lord Moon Kami sind und du kennst die Geschichte der Entstehung, nicht war? Sie haben ihre festen Aufgaben am Himmel, aber das bedeutet noch lange nicht, dass sie die Herrschaft über uns inne haben. Sie beeinflussen und schufen uns zugleich, aber das bedeutet noch lange nicht, dass sie unsere Geschicke lenken.

Und höre auf die Legende: Lord Moon und Lady Sun wollten sich vereinen, folgten einander im ewigen Kreis. Das muss nicht heißen, dass die Empfängnis gewollt war. Oder möchtest du mir erzählen dass jeder Samurai der schon einmal ein Freudenmädchen oder Bäuerin geschwängert hat, dies in der Absicht zu tun, Nachkommen zu zeugen?"

Während er leise, aber inzwischen fast schon fröhlich spricht, schenkt er neuen Tee ein. 

"Und Fu Leng: Welchen anderen Zweck soll der verlassene Gott ausser Zerstörung und Leid haben? Bevor er vom Himmel fiel, gab es natürlich die Oni, aber sie konnten auf sehr wenigen Wegen in unsere Welt hinein. Unsere Rasse war auf dem Vormarsch, die Naga im tiefen Schlaf, die Rattenwesen kaum eine Bedrohung. All dieses Wissen wurde von Generation zu Generation weitergereicht und ist nur den wenigen bekannt, die sich der gerechten Sache angeschlossen haben. Wir behaupten nicht, dass die Kami nicht ihren Platz hätten, aber sie sollten nicht die Geschicke der Menschen bestimmen, verstehst du?

Und auf keinen Fall, solltest du deine Sterblichkeit als Gewicht auf der Wagschaale werten, sind doch alle Kami ihrem ewigen Schicksal unterworfen - nur wir Menschen sind Fähig unser Schicksal zu ändern. Wir sind mächtiger als man denkt - schließlich ist das auch ein Grund, warum die Kami uns gewählt haben, nicht die Ratten, Kenku oder andere Kreaturen. Beantwortet das deine Frage?"

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Di 10 Sep 2013, 00:51

Ich zupfe mir gedankenverloren am Bart und nicke dann:

„Einstweilen. Wenn ihr erlaubt, werde ich aber noch eine weitere Überlegung anstellen. Ich nehme an, dass ihr eine Herrschaft der Menschen über die Menschen für rechtens haltet oder? Ein Reich kann nicht ohne einen starken Herrscher bestehen, ich denke das ist klar. Wichtig ist es, dass dieser Herrscher nach seinen Fähigkeiten gewählt wird und nicht wegen seines Blutes.

Die andere Frage, die ich mir stelle ist folgende: Wenn die Herrschaft der Kami beendet werden soll, so auch die Unterteilung Rokugans in die Clans. Das heißt, wenn erst ein Kaiser auf dem Thron sitzt, der nicht der Linie Hanteis entspringt, so wäre damit ein erster Schritt getan, diese unseligen und unwürdigen Streitigkeiten zwischen den Clans zu beenden und endlich geschlossen gegen das zu streiten, was unser wahrer Feind ist. Denn letzten Endes sind wir doch alle gleich denke ich, ob Einhorn, Kranich, Krabbe, Drache, Phönix, Mantis oder Löwe. Die ewigen Streitereien bringen nichts als Zerstörung in den eigenen Reihen und spielen den Schattenlanden in die Hände. Sie haben mittlerweile selbst die Krabbe in die Arme der Verderbnis getrieben.“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Di 10 Sep 2013, 14:08

"Die Unterteilung in Clans hat durchaus seinen Zweck, Sohn. Ja, sie entsammt ursprünglich dem Gefolge der Kami, hat sich aber als durchaus sinnvoll erwiesen. Die Clans haben ihre Stärken und Schwächen und sind zu sehr unterschiedlich, als dass sie unter einer einzigen Führung bestehen könnten! Überlege: Auch eine Armee kann nicht von einem General allein geführt werden. Er braucht seine Offiziere, um seine Männer zu lenken bis hinab ins kleinste Glied.

Ebenso läuft es mit dem Reich. Der Kaiser führt die Menschen als Oberhaupt an, doch er allein könnte niemals alle Aufgaben bewältigen oder die Ordnung wahren. Er braucht große Clans, die bereit sind ihre Aufgaben zu erfüllen. Als Bewahrer des Wissens, Rechter Arm der Streitrkäfte oder Diplomaten zwischen den Clans.

Zudem wäre dies die einzige Möglichkeit die Balance im Reich zu seinem gunsten zu halten. Sollten sich die Clans jemals gegen den Kaiser einen, würde er gestürzt und danach das Land in Anarchie versinken.

Unsere Aufgabe ist es, den Einfluss der Kami auf die Menschen zu tilgen und ihnen ihre rechtmäßige Stärke wieder zu geben. Wir wollen sie nicht auslöschen, schließlich sind sie Teil dieses Universums. Aber sie dürfen keine weitere Kontrolle über die Menschen ausüben. In diesem Sinne wollen wir einen Menschgeborenen auf den Thron setzen - und natürlich jemanden der würdig ist. 

Niemand behauptet, dass wir all das was wir durch oder mit de Kami erreicht haben nun über Bord werfen und vergessen werden. Wir werden lediglich das rechtmäßige Gleichgewicht wieder herstellen und darüber wachen wie es sein sollte."

Die Kerzen im Raum sind schon ein wenig heruntergebrannt und die Nacht ist schon länger hereingebrochen. Eine weitere Patroullie passiert den Gang an der Tür des Ruas. Ruas erhebt sich und besorgt ein paar weitere Kerzen.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Di 10 Sep 2013, 14:13

Ich nicke: "Ich denke ihr habt Recht Vater. Habt ihr einen geeigneten Kandidaten im Blick."
Er schüttelt den Kopf. "Es gibt viele geeignete Kandidaten, aber dies zu wissen ist dir noch nicht bestimmt. Du weißt sowieso bereits mehr als die meisten Schüler deines Ranges. Du wirst dich gedulden und langsam in den Reihen der Organisation aufsteigen müssen."
"Gut - Das dachte ich mir ohnehin. Ich habe keine weiteren Fragen, zumindest einstweilen."
Schließlich beendet er das Gespräch mit: „Gut, dann beginnen wir dein Training bei deiner Rückkehr.“ Und bevor Njan das Zimmer verlassen kann fügt er hinzu: „Ach und Sohn...Ich bin stolz auf dich.“
 
Ich verlasse das Zimmer meines Vaters und wende mich – obgleich es bereits dunkel ist – zum Ausgang des Schlosses, hinunter in den angrenzenden Park. Von einem Diener in der Küche, lasse ich mir eine kleine Flasche Sake geben und gehe dann in einen Pavillon. Einen wie dem, in dem ich damals mit Khans Zukünftiger gesessen bin. Sie war ein schönes Mädchen, so sanft, zart und zerbrechlich – eben gänzlich ein Kranich. Was wohl aus ihr geworden ist? Ich habe mich gut mit ihr unterhalten, vielleicht sollte ich mich einstweilen nach ihr erkundigen? Ohne Hintergedanken – Nein wirklich! Ich mochte sie.
 
Die Nächte des Frühlings sind noch kalt, obgleich man bereits die Wärme eines nahenden Sommers erahnen kann, doch der Himmel ist herrlich klar und offenbart einen berauschenden Blick auf die Sterne der Steppe.  Traurig nehme ich einen Schluck aus der Flasche und denke nach. Ich erkenne eine Wahrheit in den Worten meines Vaters und kann nicht umhin mich über seine letzten Worte zu freuen. Nur ist es so, dass sie schwer zu begreifen sind, für einen, der stets etwas anderes gelehrt bekam. Ich verstehe nun auch Khans Überheblichkeit und beginne zu begreifen, wer die Schuld an unserem Zwist trug  - Ich denke es war Tsumi, möge sie auf ewig gebannt sein. Vielleicht war es auch sie, die Yu-Pan auf meine Spur führte…Doch welchen Nutzen hatte sie davon? Leid und Verderben? Ja natürlich, doch das waren wohl kaum ihre vorrangigen Domänen. Ich vermisse sie, ich vermisse sogar Khan. Erst nach seinem Tod wird mir nun bewusst, dass ich den Bruder, den ich so oft verfluchte, doch trotz allem liebte. Das was er tat, wie er sich verhielt…Vielleicht konnte er die Last nicht tragen, die ihm Vater auferlegte. Vielleicht versuchte er sie zu betäuben.
 
 Es ist eine Leere in mir, doch ich werde die Vergangenheit nicht ändern können, ich muss aufhören mich von den Dingen die geschehen sind zerfressen zu lassen und muss beginnen vorwärts zu blicken. Ich habe Übles getan, doch ich habe weder schlecht, noch ohne Ehre gehandelt. Es waren Wut und ausgesäte Zwietracht, die uns vorwärts trieben. Ich lehne mich zurück, blicke zu den Sternen empor und flüstere leise vor mich hin. Die Worte die meine Lippen kaum geformt haben, werden von einem leichten Wind hinfort getragen: „Ihr meine Ahnen nehmt meinen Bruder und meine Schwester an eurer Seite auf. Sagt ihnen, dass ich sie liebte. Sagt ihnen, dass es mir unendlich leidtut und, dass ich meine Schuld eingestehe. Ihr meine Ahnen, bittet sie für das was geschehen ist um Verzeihung.“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Mo 16 Sep 2013, 01:23

Die Büsche um ihn herum beginnen von einem leichten Wind zu erzittern, der raschelnd die Blätter zueinander flüstern lässt. Der Himmel über ihm ist von kleinen, schwachen Wolken linien übersäht, die abwechselnd einmal den Mond und die Sterne bedecken und wieder entblößen.
Der Wind scheint sich um eine Stelle vor ihm zu zentrieren und fast glaubt Njan dass seine Ahnen willens sind zu erscheinen und über ihn zu richten. Doch stattdessen erscheint ein anderer Schatten zwischen den Bäumen, ein langer, langer Schatten dessen schlangenförmiger Körper sich mit einer gelassenen Behutsamkeit aus der Dunkelheit pellt um langsam mit einem blassem Gesicht zu erscheinen das Njan nur zu gut kennt und verabscheut.

Koh lächelt nicht, öffnet nicht einmal die Lippen zur Begrüßung.

Spoiler:
Du kannst jetzt das klassische: "Warum bist du hier/Was willst du von mir"-Spiel spielen. Du kannst ganze Anschuldigungen, Anklagen oder Verurteilungen vorbringen, wenn du willst. Er ist erst mal ziemlich lange still. Vergiss nicht, dass du dein Gesicht unter Kontrolle haben musst! Wenn du nichts tun willst, schweigt ihr euch eine Weile an. Würde aber aus Plotzwecken empfehlen einfach mal was zu sagen.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Sa 28 Sep 2013, 19:48

Vollkommen ruhig wende ich den Kopf in Kohs Richtung, fast habe ich erwartet, dass er kommt. Diese Situation passt zu ihm, sie passt unglaublich gut. Ich mustere ihn einen Moment und dann nicke ich: „Ich hatte fast mit dir gerechnet. Was gibt es dieses Mal Koh?“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Fr 25 Okt 2013, 02:06

Der Kami lässt sich noch einen Moment Zeit, bevor er antwortet um dann die Lippen zu öffnen und mit leiser säuselnder Stimme zu sprechen:

"Wie schön dass ich noch nicht aus eurem Kopf verschwunden zu sein scheine, Njan-san. Ich konnte nicht umhin das Gespräch mit eurem Vater zu belauschen und ich warne euch, mein alter Kamerad: Seid Vorsichtig mit eurer Wahl! Sie könnte nur all zu leicht zu eurem Verhängnis werden. - Schlimmer noch: getroffen werden ohne wirklich von Belang zu sein, jedoch mit all ihren negativen Konsequenzen!"

Kohs dicker Körper wird kleiner, bis er kurz darauf in Gestalt eines Wachsoldaten mit unbekanntem Gesicht vor Njan steht. In seinem Blick liegt kaum etwas von der sonstigen Boshaftigkeit oder Arroganz. Mit fast ausdruckslosen Augen sieht ihn der Mann ins Gesicht.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Fr 25 Okt 2013, 14:17

Etwas verwundert blicke ich Koh an: „Ihr habt mich darauf schon einmal hingewiesen Koh und ich habe euren Einwand nicht vergessen. Doch ihr müsst euch darüber gewahr sein, dass ich meinem Vater letzten Endes mehr vertrauen muss, als einer Wesenheit, deren Befreiung ich zutiefst bereue. Ohne euch beleidigen zu wollen, aber ich denke ihr seid euch darüber im Klaren. In der Welt der ihr entstammt fand ich lediglich Kreaturen von großer Boshaftigkeit und Falschheit, die kaum etwas anderes als den Eigennutz im Sinn trugen, wie soll ich nun davon überzeugt sein können, dass auch nur ein Hinweis aus eurem Munde mir nutzen soll?“

Ich nehme einen Schluck Saké: „Nein, ihr müsst euch mir nicht erklären, ich kann eure Worte mittlerweile nur allzu gut abschätzen. Ich bin nicht blind und ich sehe die Gefahren, die mir bevorstehen. Ich weiß, dass ich noch an einem Punkt stehe, an dem ich mich ‚retten‘ könnte, indem ich meinen Vater verrate. Damit würde ich mir vielleicht sogar einen großen Aufstieg ermöglichen, wenn mich diese Sekte nicht töten würde. Was ich nur leider nicht weiß ist, wie ich mich entscheiden soll…Mein Wunsch dies alles hinter mir zu lassen ist stärker als je zuvor.“

Ich fahre mir durchs Haar und überlege kurz: „Was mich eigentlich interessiert Koh ist folgendes: Warum legt ihr Wert auf meine Entscheidung? Warum schleicht ihr euch nicht an die Seite großer Heerführer oder wichtiger Entscheidungsträger, anstatt eines noch relativ unbedeutenden Offiziers? Was seht ihr in mir? Und zuletzt warum wählt ihr diese Gestalt?“

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Mo 28 Okt 2013, 00:53

Der Mann, dessen Augen weit aufgerissen sind, obwohl Koh durch ihn mit neuer, dennoch ruhiger Stimme spricht, sieht grässlich aus. „Ich bin euch noch immer zu tiefen Dank verpflichtet, dass ihr mich aus diesem schrecklichen Gefängnis mitgenommen habt. Und weil ihr doch so gut zu mir gewesen seid, will auch ich euch etwas Gutes gönnen. Wenn ihr euch eurer Zukunft so ungewiss seid, solltet ihr vielleicht ein Orakel aufsuchen, das euer Schicksal weiß. Vielleicht wäre euch damit mehr geholfen. Aber wegen mir, müsst ihr euch nun nicht mehr sorgen. Ich brauche den Jungen nicht mehr, mich hält kein Anker noch. Diesen Körper, fand ich bewusstlos unter einem Baum, nicht weit von hier…“

Erst jetzt fällt Njan auf, dass der Mann vor ihm die Kluft eines Samurai trägt, einer Garde des Palastes. Sein erschrockenes Gesicht und erstarrte Angst hatten ihn bisher nicht auf den Rest blicken lassen.

„… scheinbar hatte ihn jemand die Wache nicht gegönnt. Ich kam gerade rechtzeitig, als er aufwachte um ihm ins Gesicht zu schauen.“
Der junge Samurai geht nun rückwärts zurück in die Schatten, während sein Körper langsam in kleine Wölkchen zerfließt, bis nur noch kurz, das Gesicht von Koh zu sehen bleibt.

„Der Stachel ist vielleicht fort, aber das Gift wirkt dennoch nach! Ich denke, euch wird gerade eine Entscheidung abgenommen, alter Freund.“
Dann verschwindet der Geist endgültig und Njan bleibt mit einem kalten, leerem Gefühl im Magen zurück.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Elias am Mo 28 Okt 2013, 01:11

Noch eine Weile blicke ich wie erstarrt auf die Stelle, an der Koh gerade verschwunden ist. Hat er gerade eine der Palastwachen umgebracht? Was sollte das bedeuten? Schleicht irgendjemand herum, der Wachen bewusstlos schlägt oder war er schlicht betrunken?

Ich gehe noch ein wenig durch den Park, in dem eigentlich aussichtslosen Unterfangen, in der Dunkelheit Spuren zu entdecken und wende mich dann wieder der Palasttür zu. „Der Stachel ist vielleicht fort, aber das Gift wirkt dennoch nach!“ Wovon redet er? Wovon verdammt nochmal redet er? Ich denke darüber nach, mich zu betrinken, um die wirren Gedanken zu betäuben. Ich könnte auch hinausreiten, aber nein in den nächsten Tagen wird wieder genug Zeit zum Reiten. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich nun Schlaf finden kann. Ziellos wandere ich durch die Gänge des Schlosses…Vielleicht werde ich so irgendwann müde.

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Re: Der Frühling 1127 (Teil 2)

Beitrag von Duncan am Mo 28 Okt 2013, 14:25

Die Nacht ist still und Wolken verdecken den Mond, als Njan gedankenschwer die offene Veranda des Palastes entlang schlendert und seinen Gedanken nachhängt. Der Wind wispert noch immer zwischen den Bäumen und trägt Musik von den großen Sälen und den Geruch von Essen an ihn heran. Auch die Stadt ist noch nicht ganz verstummt, doch die hohen Mauern des Kyuden lassen kaum Blicke auf sie zu.


Irgendwas von dem was Koh gesagt hat, stört Njan gewaltig, doch er kann nicht genau fassen was es ist. Oder ist es etwas anderes? Er lehnt gegen die Balustrade und lauscht den leisen Tönen der Nacht. Der Musik. Dem Lachen der Menschen. Das leise Knarzen der Bretter wenn die Wachen an der Zimmern vorbei laufen… Moment! Wo ist das Knarzen?


Njan schrickt auf. Abgesehen von den Hintergrundtönen ist es ruhig! Zu ruhig. Er blickt sich um. Er hätte schon mindestens zwei Mal eine Wache passieren müssen. Doch nirgendwo ist auch nur ein Samurai zu sehen. Plötzlich wird ihm klar, was ihn so gestört hat. Kohs neuer Körper war ein bewusstloser Wachmann des Palastes. Und hier sind ebenfalls keine Wachen zu sehen. Die Bewohner des Schlosses sind schutzlos! Njans Nackenhaare stellen sich auf, als er die Möglichkeit begreift was das ganze bedeutet und leise seine Vermutung zischt: „Assassinen!“

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