Was bisher geschah - "Der gefangene Dschinn"

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Was bisher geschah - "Der gefangene Dschinn"

Beitrag von Elias am Sa 05 Dez 2009, 14:13

Das warme Licht der untergehenden Sonne legt sich auf die roten Felsen, die wie Ruinen aus längst vergessenen Zeiten aus dem Sand aufragen und lassen den Sand in der Farbe geschmolzenen Kupfers aufleuchten. Ein einsamer Falke stößt einen Schrei aus, lässt eine kleine Oase hinter sich, einige Lehmhäuser um ein von staubigen Palmen überschattetes Blau werden eins mit der Wüste.

Eine kleine Gruppe kämpft sich vorwärts, Gestalten in langen schwarzen Gewändern, die ihre Kamele unermüdlich vorwärts treiben.
Der Falke landet auf der Schulter eines bärtigen Mannes, dessen dunkel umschattete Augen in grimmiger Entschlossenheit aus den Windungen seines Turbans hervor leuchten. Der Mann treibt sein Kamel zu Höchstleistungen an und die Reisenden erreichen die Kuppe einer Düne.



Ein wilder Freude entringt sich den Kehlen der Männer: „Rastullah sei gepriesen, wir sind daheim“. Und dort steht sie, „Die unschätzbare Alte“. Auch wenn sie rissig sind, niemand hat diese roten Mauern je gestürmt, hier werden sie sicher sein, sicher vor allen Gefahren der Wüste. Der Alabasterpalast kündet von der unendlichen Macht Hasrabal Ben Yakubans dem unsterblichen Herrscher Goriens.

Der Falke erhebt sich erneut von der Schulter seines Herren und nähert sich der Stadt, unter ihm breitet sich ein Gewirr von Gassen aus, die Unterstadt, ein eigenartiges fünfeckiges Gebäude über dessen Hof Gestalten in wallenden weißen Gewändern eilen, erregt die Aufmerksamkeit des Tieres. Er darf sich nicht ablenken lassen, sein Ziel ist ein anderes. Die, von der Pracht unendlichen Reichtums überbordende, Oberstadt ruft mit verlockenden Düften, doch er bleibt unbeirrt, fliegt weiter auf einen unscheinbaren, von schummrigen roten Lichten beleuchteten Platz zu, auf dem sich eine Menschenmenge um eine Frau mit wallendem schwarzen Haar versammelt, die im Schneidersitz auf einem Teppich Platz genommen hat, ihr Name ist Nurhaban.

Als sie ihn erblickt, streckt sie ihren Arm aus und der Falke landet mit der Sicherheit eines erfahren Fliegers. Sie beugt ihr, mit wunderschönen weichen Linien gezeichnetes Gesicht zu dem Tier nieder, küsst es und steckt ihm einen roten Streifen getrockneten Fleisches zu. Lächelnd flüstert sie: „Sie kehren endlich heim“.
Mit einer anmutigen Geste, entlässt sie den Vogel wieder in die Lüfte, streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und wendet sich der versammelten Menge zu und beginnt mit einer melodiösen Stimme zu sprechen:

„Hört mich an. Ich erzähle euch die Geschichte dreier Reisender, die von weit her nach Rashdul kamen um Teil einer Geschichte voller Abenteuer und Magie zu werden…

Die Geschichte die ich euch heute erzählen werde, hat ihren Ursprung vor langer Zeit hier in unserer Stadt. Ihr kennt sie wohl, denn oft habe ich sie such erzählt. Die Geschichte vom armen Dschinn, der in einen Teppich gebeten wurde und seine Herrin, eine wunderschöne Shanja, abwarf, weil er einen Befehl falsch verstand und, in seinem jugendlichen Übermuhte nicht wusste, dass ihr Körper auf den Felsen zerschellen werde. Dieser Dschinn, der nach seiner ungewollten Bluttat ganz hilflos und verzweifelt war, wurde schließlich von einem mächtigen Magier, Bereyshid Yakub ibn Barha, in einen Spiegel gebannt und dieser Spiegel war auf lange Zeit verschwunden und vergessen, nachdem der Magier verstarb, ebenso wie der Teppich, nachdem sich der Dschinn immer noch zurück sehnte. Und lange Zeit, wusste keiner um den Verbleib jenes Spiegels, bis jene drei in unsere Stadt kamen.

Der eine war ein Kaufmann, der nach weiten Reisen unsere Stadt erreicht hatte. Aus dem hohen Norden war er gekommen, aus den Landen wo die Augen der Damen blau und die Bärte der Männer blond sind. Scharf war sein Schwert und noch schärfer sein Geist und er wusste mit List und Verstand jedes Geschäft zu seinen Gunsten zu wenden.

Der zweite war ein Jüngling, von so großer Schönheit, das es kein Mädchen gab, das sich nicht nach ihm umdrehte, wenn er durch die Straßen ging. Doch jedes Herz, dass er eroberte – er wusste wahrhaftig um diese Kunst – brach er wieder, denn er verweilte nie lange an einem Ort und sollte er einer Mädchen je einen Ring an den Finger gesteckt haben, so fehlten am nächsten Morgen im Hause drei Ringe, von doppeltem Wert und das Pferd des Vaters.

Der dritte nun, war ein Mann von Adel, aus einem Reich, in dem Wissenschaft und Fortschritt blühten und Geräte geschaffen wurden, die uns ganz absonderlich und unmöglich erscheinen würden und wo die Mannen mit flinken Schwertern fechten, die dünner als Nadeln sind. Auch er war von edlem Antlitz, doch erst wenn er zu sprechen Begann, so entblößte sich seine ganze Schönheit. Seine Worte vermochten Bilder von bezaubernder Schönheit zu schaffen und alle Dinge von denen er sprach, wurden denen die ihm zuhörten sogleich ganz wunderbar und einzigartig.

Die drei hatten sich auf der Reise kennen gelernt, zwar liebten sie sich nicht, der Kaufmann erzürnte sich über das wilde Gemüht seiner Gefährten und der Jüngling und der Dichter zankten in ihrer übertriebenen Eitelkeit und trieben dies wie ein Spiel bis in späte Abendstunden. Doch wie ihr alle wisst, führt der große Rashtulla in seiner unergründlichen Weisheit stets eben jene zusammen, die die größten Gegensätze zeigen. Und so reisten diese drei gemeinsam und waren gezwungen, viele Karawanen zeihen diese Tage durch unsere Stadt, im selben Zimmer zu nächtigen.
Und so standen sie nun in diesem Zimmer und darin hing einer schöner großer Spiegel. Da konnten sich die zweien Eitlen natürlich kaum halten. Sie drängten sich, um sich selbst zu betrachten, vor dem kleine Oval. Doch als sie hinein blickten, war es ganz seltsam, denn sie sahen ihre Gesichter, bunt bemalt oder mit zarten Frauenzügen. Sie machten den Blonden darauf aufmerksam und auch dieser sah sich geschminkt und ganz ohne den Staub der langen Reise und auf einmal begann sein Spiegelbild zu ihm zu sprechen und sie erfuhren voll staunen, dass es eben jener unglückselige Dschinn war, der in dem Spiegel hauste, er hatte ein weing gespielt um die Aufmerksam der Drei zu gewinnen.
Er sagte sein Name sei Nilinurishasanga, sei seit langen Jahren hier gefangen. Wenn die Mannen ihn befreien würden, so meinte er, sei ihnen ein Wunsch gewährt. Sie müssten nur ein Tuch finden und damit über den Spiegel reiben, dann wäre er frei und würde schnell, den Weg heim finden. Im Geiste der Drei, erwuchs sofort das Bild von goldenen Palästen und Bergen aus Diamanten, so wie bei sicherlich vielen von euch, wenn ihr an Dschinnenwünsche denkt, und sie willigten ein.
Schnell ward das Tuch gefunden, war es doch noch im Besitz desselben Händlers, der zuvor auch den Spiegel verkauft hatte. Doch bevor sie es an sich nehmen konnte, kam ein reicher Jüngling, ein Sohn einer Wesira von großer Macht und sah das Tuch und es war für ihn ein recht schönes Spielzeug, weshalb er es, ohne auf Einspruch zu achten, an sich nahm. Ein junger Magier, den die Helden schon zuvor im Streite mit dem Händler erlebt hatten, er erregte sich sehr über den Verkauf des Spiegels, versuchte noch es dem reichen Knaben mit Zauberkunst zu entreißen, doch auch er wurde, schnell gefasst und von den Wächtern der Wesira fürchterlich verprügelt.

Nun war das Tuch fort, wie sollten sie es nun erlangen, unwissend, dass ihnen nun auch nun noch der junge Adept auf den Versen war und sie bei jedem Schritt beobachtete, war ihm doch das Interesse der Dreien an dem Tuche aufgefallen. Denn er war der Erbe des Bereyshid Yakub ibn Barha und sah das Tuch, den Spiegel und den gebannten Dschinn, als sein rechtmäßiges Eigentum an.

Nun war es an den Helden, das Tuch zu ergattern, wenn sie denn an ihren ersehnten Wunsch kommen wollten. Und so zogen die drei sinnend durch die Straßen unserer Stadt, die zwei Freigeister, um bei einem entspannenden Bade nachzusinnen, der Händler um den Tempel Phexens zu besuchen und dort beim Händlergott um Hilfe zu beten.
Was sollten sie nun tun? Sie hatten zwei Möglichkeiten, entweder in den Palast der Wesira einzubrechen oder einen von ihnen als Heiratskandidatin für ihren Sohn zu verkleiden. Doch das zweite Scheiterte an ihrer Eitelkeit und ihrem ‚männlichem Stolz‘, obwohl Nilinurishasanga sie nur allzu gern in Damen Kleidern gesehen hätte, wie er oft betonte. So blieb ihnen nur noch die andere Wahl, für den schönen Jüngling wars nicht schwer sich zu einem Einbruch zu überwinden und auch die anderen beiden stimmten schnell zu, lockte doch der ersehnte Reichtum. Der blonde Händler war ein viel gereister und erfahrener Mann mit viel Erfahrung und Kontakten und so hatte er schnell eine dunkle Gestalt, die in Phexens schattiger Kunst bewanderter war als er aufgetrieben. Es wurden Verträge unterzeichnet um den Lohn der vermummten Gestalt zu vereinbaren. Noch in derselben Nacht versteckte man sich in Rahjas Gärten und als die Nacht hereinbrach, die mächtigen Flügel unseres prächtigen Madamaltores geschlossen wurden, verließen drei vermummte Gestalten ihr Versteck und umschlichen, unter den Lichtern aus Phexens Hort, das Haus der Wesira.

Schnell war ein Weg hinein gefunden, sie bemerkten nicht die Diener des eifersüchtigen Zauberlehrlings, die sie als kleine Luftwirbel in der windstillen Nacht verfolgten. Und so stahlen sich die zwei Helden und der Dieb, an den Wächtern vorbei, auf der Suche nach dem Zimmer des Jungen, in dem sie sich das Tuch erhofften. Der Dschinn verfolgte alles mit, denn er hatte die Helden angefleht ihn mit sich zu nehmen und so spähte er nun durch ein Loch im Rucksack. Als sie das Speisezimmer des Palastes betraten, vernahmen die Drei einen leisen Aufschrei des Dschinns. Er bat sie stehen zu bleiben, dort an der Wand sah er den Teppich, nach dem er sich so lange zurückgesehnt hatte, nachdem er ihn vertreiben musste. Auch wenn er schon alt geworden war, leuchtete er noch immer in seiner Schönheit und Pracht aus verschlungenem Silber und tiefstem Blau. In leisen und schnellen Worten erzählte der Dschinn der Luft ihnen seine Geschichte und sie erinnerten sich, denn auch sie hatten mich vernommen, als ich von seinem Schicksal berichtete.
Doch nun drängte die Zeit, es galt das Tuch zu holen und den Dschinn zu befreien. Und sie fanden das Tuch, achtlos hingeworfen neben dem schlafenden Jüngling. Alles schien recht einfach zu sein, und das Tuch ward schnell genommen doch da hörten sie das Trampeln der Wachen, der junge Magus hatte sie alarmiert. Eine Jagd durch den Palast begann und auch wenn sie gute Kämpfer waren, wurden die Drei in eine Ecke gedrängt und standen nun auf dem Dache, während die Wachen sich bedrohlich näherten, auch die Wesira war erwacht und brüllte Befehle in die Nacht. Was blieb den dreien anderes übrig, sie holten rasch den Spiegel hervor und berührten ihn mit dem Tuch und mit einem Schrei der Freude entfuhr ihm der Dschinn, edel und imposant von Gestalt. Doch nach einem kurzen Zögern rückten die Wachen, auf das Drängen ihrer Herrin weiter vor. Und der Dschinn flehte: „Wünscht mich in meinen Teppich und ich trage euch fort“ und die drei fragten: „Wir sollen unseren Wunsch opfern? So retteten wir dich umsonst.“ Doch voller Grimm näherte sich er kalte Stahl der Khunchomer und der Magier setzte schon im einnehmenden Ton zu einem eigenen Befehl an, als sich der Dichter ein Herz fasste und rief „Dschinn, ich wünsche dich in deinen Teppich, auf dass du uns von hier forttragen magst!“
Und so geschah es der Dschinn fuhr in seinen ersehnten Teppich und trug die Helden fort von dem Palaste und den gänzlichen überraschten Wachen, nur der Sohn der Wesira, erstarrte nicht in diesem Anblick, sondern flehte die Drei an ihn mit sich zu nehmen, denn er hatte das Leben in Luxus satt, dass ihm nichts als Langeweile und Eintönigkeit bot. Und so wurde er zum neuen Kameraden der Helden und auch er wurde hinaus in die Wüste getragen, die Wesira, so war ihm bewusst, würde bald davon ablassen ihn zu verfolgen und über seine Abwesenheit erleichtert sein, war er ihr bisher doch nur zur Last gefallen.
Tausendmal bedankte sich der Dschinn bei den Dreien, hatten sie ihm doch erlaubt in sein geliebtes Heim heimzukehren und dafür ihren Wunsch geopfert. Auf ihren Wunsch hin trug er sie wieder in die Stadt zurück und ließ sie unbemerkt zu ihrem Gasthause heimkehren. Der Lohn des Diebes ward schnell bezahlt, der Zorn des blondbärtigen Händlers über den verlorenen Wunsch schnell durch ein Kamel und ein wenig Gold gemildert, dass ihm der Sohn der Wesira, als Dank für die Rettung aus dem Palaste übergab, schließlich war auch er Teil der Gruppe.

Und so verließen der Jüngling und der Dichter zusammen mit dem Adeligen die Stadt, alle drei auf guten weißen Kamelen aus dem Stalle der Wesira und mit klingender Münze in der Tasche, den Spiegel behielten sie im Gepäck, wer konnte wissen, ob er nicht zu etwas nützlich sein würde. So ritten sie in die Wüste hinaus, um nach neuen Abenteuern zu suchen. Der Kaufmann hingegen blieb zurück, er hatte noch Geschäfte zu tätigen, außerdem war er die Gesellschaft der beiden nun endgültig leid geworden. Der Dschinn aber versicherte all seinen Retter tausendfachen Dank, wann immer sie nach Rashdul kommen sollten, könnten sie ihm um Hilfe bitten und er kehrte an den Hof des Sultans zurück um unserer edlen Shanja zu dienen und seinen einstigen Frevel zu sühnen. Und wenn ihr eines Tages wieder einen fliegenden Teppich seht, ganz dunkelblau und mit Fäden aus gesponnenem Silber durchzogen, dann ist es vielleicht die Heimat Nilinurishasangas von dem ich euch heute erzählte.
Und nun schlaft Bürger Rashduls, schlaft und träumt von fernen Landen, voll Magie und Abenteuern, träumt von fliegenden Teppichen und dem Duft von Tee und Kaffee, von süßen Datteln, herbem Wein und prächtigen Palästen. Schlaft und träumt von der „Unschätzbaren Alten“ und den Weiten unseres Reiches Goriens. Gelobt sei Rashtulla, möge er euch allen einen geruhsamen Schlaf und tiefe Träume schenken.“

Das samtene Tuch Nacht senkt sich über Rashdul, die Zuhörer zerstreuen sich und Nurhaban erhebt sich von ihren Kissen, tritt auf einen Mann mit schwarzem Bart und dunklen Augen zu, der von weiten Reisen noch ganz staubig ist. Kurz stehen sie voreinander, betrachten sich, bis der Mann lächelnd mit einer tiefen Stimme zu ihr spricht: „Eine schöne Geschichte hast du dir da wieder ausgedacht, man könnte meinen, es sei die Wahrheit, wenn du mit so großer Ernsthaftigkeit sprichst…“ Die schwarzhaarige Schöne legt die Arme um seinen Hals: „Nichts als die Wahrheit, Liebster, nichts als die Wahrheit..."
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