Haikus und andere Gedichte

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Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am Sa 07 Nov 2009, 17:09

Ich hab mir mal n bisschen Tobis "Legend of the five rings" Abenteuer durchgelesen und bin dabei auf den Geschmack dieser ganzen Szenerie gekommen. Wenn Tobi nichts dagegen hat, steige ich vielleicht irgendwann mal ein (wenn nicht ists auch kein Problem).
Auf jeden Fall hab ich mir bei der Gelegenheit mal angeschaut wie man Haikus schreibt und mich mal selbst daran versucht. In Ermangelung eines anderen Ortes, stell ich die einfach mal hier rein, kommen vielleicht mit der Zeit noch mehrere dazu...
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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am Sa 07 Nov 2009, 17:11

Ein alternder Löwe in Gefangenschaft

Das Scharfe wurd‘ stumpf
Umzäunet liegt da der Greis
Seht der Blicke Gier!

Der Genuss des Weines

Süß der Rebensaft
Froh wird trauerndes Gemüt
Doch mancher ertrinkt!


Zuletzt von Elias am Sa 07 Nov 2009, 17:21 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am Fr 13 Nov 2009, 19:25

Bitte die letzten beiden Einträge löschen!!! (und diese Bitte dann auch)

Lektüre der Bücher

Wortreiche Seiten
Lange Stunden versunken
Bessere Welten!

Herbst

Die letzte Sonne
Neblige Farben im Tanz
Oh! Die Müdigkeit!

Das Fernsehen

Bunte Bilderflut
Du findest viel Freunde
Doch das Glas ist kalt!
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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Duncan am Mo 23 Nov 2009, 14:39

Über die Schwertkunst:

Das Schwert erhoben
Die innere Kraft gespannt
Folgen Blut und Tod
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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am Mi 16 Dez 2009, 22:41

Mal ein anderes Gedicht, kein Haiku:

Der Flug des Phönix

Hebe deine Feuerschwingen,
gleißend lodern sie hervor
und tragen dich funkensprühend,
königlich ans Zelt empor;

Willst den neuen Tag begrüßen,
längst vergessen ist die Nacht,
die dein Licht zu Asche machte,
die stets löscht der Federn Pracht;

Nun willst du die Hitze fühlen,
willst die Dunkelheit verdrängen
und in die warme Luft des Morgens,
dir ein Band aus Flammen hängen;

Immer höher immer weiter,
steigst du in den Himmel auf,
deine Federn brennen heller,
spotten selbst der Sonne Lauf;

Bis in frühe Abendstunden,
wirst du deine Bahnen ziehn’
und ein jeder dunkler Dämon,
wird voll Schrecken vor dir fliehn’;

Doch wenn Helios Flammenwagen,
sich erneut zur Heimfahrt wendet,
musst auch du die Schwingen sänken,
nunmehr ist dein Flug beendet;

Und mit einem letzten Schrei,
sinkst du in die Schwärze nieder,
morgen wirst du neu erstehen,
aus der Asche,
immer wieder;
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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Duncan am Mo 25 Jan 2010, 20:59

Hier hab ich was langes, dafür aber fantastisches: http://wiki.stephen-king.de/index.php/Herr_Roland_kam_zum_finstren_Turm

Es ist ziemlich lang, aber sehr schön. Es diente als Inspiration für Stephen King, als er die dunkle Turm-Saga schrieb.

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Bei dem göttlichen Erbarmen, lösch nicht diesen letzten Schimmer!
Sag' mir, find ich nach dem trüben Erdenwallen einst dort drüben
Sie, die von dem Engelschore wird geheißen Leonore?
Werd' ich sie dort einst umarmen, meine Leonore?" - "Nimmer", Krächzte da der Rabe. "Nimmer!"

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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am Sa 30 Jan 2010, 12:25

Ich finde das hier passt ganz gut zu Dark Ages. Ich hab es über das ganze letzte Schuljahr verteilt geschrieben.


Ignis et Fumus

Es ist das alte Kräuterweiblein,
das nun dort auf dem Haufen steht,
mit flehend Augen, stummer Bitte,
um Gnade, um Vergebung fleht.

Sie blickt hoffend zu Himmel auf,
ein Stoßgebet zum Gotte sendet,
worauf der Priester schallend lacht:
„Dein Frevlerleben ist beendet;

Kein falsch Gebet hilft dir nun mehr,
der Herrgott liebt die Ketzer nicht,
du bist und bleibst des Teufels Hur‘,
dein Wahn verdrängt längst alles Licht“;

„Oh hoher Herr ich bitte euch,
erhöret doch mein Flehn,
ich habe stets für Gott gelebt,
warum wollt ihrs nicht sehn?

Ich half den Menschen wo ich konnt,
hab Heilung oft gegeben,
ich habe stets für Gott gelebt,
stets schützte ich das Leben;

Wie oft half ich der Wöchnerin,
ihr Kindlein zu gebären,
was hilft euch dieser Hexenwahn,
die grimmen Schauermähren?

Wenn mir meinen Atem nehmt,
so schwächet ihr den euren,
wer hält dann noch den Schnitter fort,
fort von den Lieben, Teuren?“

Ein kurzes Zögern im Gesicht,
des Priesters, hart wie Stein,
kann dieses Wort der Ketzerin,
tatsächlich Wahrheit sein?

Doch Felsen bleibt das Angesicht,
die Stimme voll Gewalt:
„So zündet doch die Alte an,
sonst wird ihr dort noch kalt.“

Es lodert hell die Fackel auf,
leckt züngelnd nach dem Holz,
ein junger Mann tritt zögernd vor,
entzündet es mit Stolz.

Der Priester hält die Arme aus,
glüht blutig rot im Feuerschein:
„Die Hexe lasst zu Satan fahrn‘,
wir bleiben ewig rein.“

Die Greisin hebt die schwache Stimm:
„Bald werdet ihr’s verstehn‘,
ich werde nicht als letzte hier,
durch diese Flammen gehen;

Die Zeit der not wird wiederkehrn‘,
ihr werdet Sünder suchen,
wen werdet ihr an meiner statt,
als nächsten hier verfluchen?“

Der Priester grinst das Weiblein an,
mit hasserfüllten Zügen:
„Oh schaut euch nur die Hure an,
vor Gott übt sie das Lügen.“

Der Mob folgt johlend seinem Ruf,
muss heuchlerisch sich fügen,
doch wissen sie nur zu gewiss:
Im Tod kann niemand lügen.


Zuletzt von Elias am Sa 30 Jan 2010, 17:03 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Tobi am Sa 30 Jan 2010, 14:28

Ich bin beeindruckt! Ehrlich! Gute Arbeit.
Und irgendwie fühle ich mich auch geschmeichelt, dass Dark Ages euch so inspiriert und Spaß macht.

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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Duncan am Sa 30 Jan 2010, 16:33

Hört sich klasse an. In der dritten Strophe aber glaub ich hasst du zwei wörter doppelt geschrieben. Schau mal nach ob das n Schreibfehler ist. Sonst find ichs klasse. Dichten liegt mir nicht besonders. Ich schreibe lieber.

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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am Mi 10 März 2010, 22:33

Eines meiner absoluten Lieblingsgedichte. Der Dichter heißt Georg Trakl und lebte von 1887 bis 1914.



Verfall

Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.

Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
Träum ich nach ihren helleren Geschicken
Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
So folg ich über Wolken ihren Fahrten.

Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,

Indes wie blasser Kinder Todesreigen
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.

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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Duncan am Do 11 März 2010, 00:41

Gefällt mir. Aber dieses hier ist mit Abstand mein liebstes, weil es auch eines der besten ist:

Edgar Allan Poe - Der Rabe


Eines Nachts aus gelben Blättern mit verblichnen Runenlettern
Tote Mären suchend, sammelnd von des Zeitenmeers Gestaden
Müde in die Zeilen blickend und zuletzt im Schlafe nickend
Hört' ich plötzlich leise klopfen, leise doch vernehmlich klopfen
Und fuhr auf - erschrocken stammelnd: "Einer von den Kameraden", "Einer von den Kameraden"

In dem letzten Mond des Jahres, um die zwölfte Stunde war es,
Und ein wunderlich Rumoren klang mir fort und fort im Ohre
Sehnlichst harrte ich des Tages, jedes neuen Glockenschlages;
In das Buch vor mir versenken, wollt ich all mein Schmerzgedenken,
Meine Träum' von Leonoren, meinen Gram um Leonore, Um die tote Leonore

Seltsame, phantastisch wilde, unerklärliche Gebilde,
Schwarz und dicht gleich undurchsicht'gen nächtig dunklen Nebelschwaden huschten aus den Zimmerecken, füllten mich mit tausend Schrecken
So daß ich nun bleich und schlotternd, immer wieder angstvoll stotternd Murmelte, mich zu beschwichtigen: "Einer von den Kameraden", "Einer von den Kameraden"

Alsbald aber mich ermannend, fragt' ich - jede Scheu verbannend -
Wen der Weg noch zu mir führe: "Mit wem habe ich die Ehre?"
Hub ich an, weltmännisch höflich: "Sie verzeihen, ich bin sträflich,
Daß ich Sie nicht gleich vernommen; seien Sie mir hochwillkommen!"
Und ich öffnete die Türe - nichts als schaudervolle Leere Schwarze, schaudervolle Leere.

Lang in dieses Dunkel starrend, stand ich fürchtend, stand ich harrend, Fürchtend, harrend, zweifelnd, staunend, meine Seele ganz im Ohre -
Doch die Nacht blieb ungelichtet, tiefes Schwarz auf Schwarz geschichtet, Und das Schweigen ungebrochen, und nichts weiter ward gesprochen,
Als das eine, flüsternd, raunend, das gehauchte Wort: "Leonore" Das ich flüsterte "Leonore!"

In mein Zimmer wiederkehrend und zum Sessel flüchtend, während Schatten meinen Blick umflorten, hörte ich von neuem klopfen,
Diesmal aber etwas lauter, gleichsam kecker und vertrauter.
An dem Laden ist es, sagt' ich, und mich erheben wagt' ich,
Sprach mir Mut zu mit den Worten: "Sicher sind es Regentropfen" "Weiter nichts als Regentropfen".

Und ich öffnete: Bedächtig schritt ein Rabe groß und nächtig,
Mit verwildertem Gefieder ins Gemach und gravitätisch
Mit dem ernsten Kopfe nickend, flüchtig durch das Zimmer blickend,
Flog er auf das Türgerüste, und auf einer Pallasbüste
Ließ er sich gemächlich nieder, saß dort stolz und majestätisch, Selbstbewusst und majestätisch.

Ob des herrischen Verfahrens und des würdigen Gebarens
Dieses wunderlichen Gastes schier belustigt sprach ich: "Grimmer Unglücksbote des Gestades aus dem Flußgebiet des Hades
Du bist sicher hochgeboren, kommst du gradwegs von den Toren
Des plutonischen Palastes? Sag, wie nennt man dich Dort -"Nimmer!" Hört ich da vernehmlich: "Nimmer!"

Ob Wahrlich, ich muß eingestehen, daß mich eigene Ideen
Bei dem dunklen Wort durchschwirrten, ja daß mir Gedanken kamen, Zweifel vom bizarrsten Schlage; und es ist auch keine Frage,
Daß dies seltsame Begebnis ein vereinzeltes Erlebnis: Einen Raben zu bewirten mit solch ominösem Namen, Solch ominösem Namen.

Doch mein düsterer Gefährte sprach nichts weiter und gewährte
Mir kein Zeichen der Beachtung. Lautlos, stille ward's im Zimmer
Bis ich traumhaft, abgebrochen (halb gedacht und halb gesprochen)
Raunte: "Andre Freunde gingen, morgen hebt auch er die Schwingen,
Läßt dich wieder in Umnachtung." Da vernahm ich deutlich: "Nimmer."

Stutzig über die Repliken, maß ich ihn mit scheuen Blicken,
Sprechend: Dies ist zweifelsohne sein gesamter Schatz an Worten
Einem Herren abgefangen, dem das Unglück nachgegangen,
Nachgegangen, nachgelaufen, bis er auf den Trümmerhaufen
Seines Glücks dies monotone "Nimmer" seufzte allerorten, Jederzeit und allerorten.

Doch der Rabe lieb possierlich würdevoll, und unwillkürlich
Mußt' ich lächeln ob des Wichtes: Alsdann mitten in das Zimmer
Einen samtnen Sessel rückend und mich in die Polster drückend,
Sann ich angesichts des grimmen, dürren, ominösen, schlimmen
Künders göttlichen Gerichtes, über dieses dunkle "Nimmer", Dieses rätselhafte "Nimmer."

Dies und anderes erwog ich, in die Träumeslande flog ich,
Losgelöst von jeder Fessel. Von der Lampe fiel ein Schimmer
Auf die violetten Stühle, und auf meinem samtnen Pfühle
Lag ich lange, traumverloren, schwang ich mich auf zu Leonoren,
Die in diesen samtnen Sesel nimmermehr sich lehnet, nimmer, Nimmer, nimmer, nimmer.

Plötzlich ward es in mir lichter und die Luft im Zimmer dichter,
Als ob Weihrauch sie durchwehte. Und an diesem Hoffnungsschimmer
Mich erwärmend, rief ich: "Manna, Manna, schick du Gott, Hosianna;
Lob ihm, der die Gnade spendet, der dir seine Engel sendet! Trink,
o trink aus dieser Lehte und vergiß Leonore! - "NIMMER!" Krächzte da der Rabe. "Nimmer!"

"Nachtprophet, erzeugt vom Zweifel, seist du Vogel oder Teufel - Triumphierend ob der Sünder Zähneklappern und Gewimmer
Hier, aus dieser dürren Wüste, dieser Stätte geiler Lüste,
Hoffnungslos, doch ungebrochen, und noch rein und unbestochen,
Frag' ich dich, du Schicksalskünder: Ist in Gilead Balsam?" - "Nimmer!" Krächzte da der Rabe. "Nimmer!"

"Nachtprophet, erzeugt vom Zweifel, seist du Vogel oder Teufel -
Bei dem göttlichen Erbarmen, lösch nicht diesen letzten Schimmer!
Sag' mir, find ich nach dem trüben Erdenwallen einst dort drüben
Sie, die von dem Engelschore wird geheißen Leonore?
Werd' ich sie dort einst umarmen, meine Leonore?" - "Nimmer", Krächzte da der Rabe. "Nimmer!"

Und auf meinem Türgerüste, auf der bleichen Pallasbüste,
Unverdrossen, ohn' Ermatten, sitzt mein dunkler Gast noch immer.
Sein Dämonenauge funkelt und sein Schattenriß verdunkelt
Das Gemach, schwillt immer mächt'ger und wird immer grabesnächt'ger - Und aus diesen schweren Schatten hebt sich meine Seele nimmer, Nimmer, nimmer, nimmer, nimmer - .


Respekt, wer sich die Mühe gemacht hat es bis hier zu lesen. Aber ich finde, das ist es wert. geek

(Es gibt noch andere Versionen, aber die dürfte derjenigen entsprechen die ich im meinem Sammelband habe und klingt auch am besten von allen, die ich bisher gelesen hab.)

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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am Fr 07 Mai 2010, 14:40



Andreas Gryphius (1616-1664)
Es ist alles eitell

Du sihst / wohin du sihst nur eitelkeit auff erden.
Was dieser heute bawt / reist jener morgen ein:
Wo itzund städte stehn / wird eine wiesen sein
Auff der ein schäffers kind wird spilen mit den heerden.

Was itzund prächtig blüht sol bald zutretten werden.
Was itzt so pocht vund trotzt ist morgen asch vnd bein.
Nichts ist das ewig sey / kein ertz kein marmorstein.
Itzt lacht das gluck vns an / bald donnern die beschwerden.

Der hohen thaten ruhm mus wie ein traum vergehn.
Soll den das spiell der zeitt / der leichte mensch bestehn.
Ach! Was ist alles dis was wir für köstlich achten /

Als schlechte nichtikeitt / als schaten staub vund windt.
Als eine wiesen blum / die man nicht wiederfindt.
Noch will was ewig ist kein einig mensch betrachten.

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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Markus am Fr 07 Mai 2010, 16:02

Man! Ich hab kein deutsch mehr. Geh wir aus dem Weg mit diesem Teufelszeug!!!! Very Happy
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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am Sa 15 Mai 2010, 13:21

Mal ein Beispiel für die Lyrik der Zeit, die wir in Dark Ages zur Zeit durchleben:



Walther von der Vogelweide (ca.1170-1230)
Under der linden

Under der linden
an der heide,
dâ unser zweier bette was,
Dâ muget ir vinden
schône beide
gebrochen bluomen unde gras.
Vor dem walde in einem tal,
tandaradei,
schône sanc diu nahtegal.

Ich kam gegangen
zuo der ouwe:
dô was mîn friedel komen ê.
Dâ wart empfangen,
hêre frouwe,
daz ich bin saelic iemer mê.
Kuster mich? wol tûsentstunt:
tandaradei,
seht wie rôt mir ist der munt.

Dô het er gemachet
alsô rîche
von bluomen eine bettestat.
Des wirt noch gelachet
inneclîche,
kumt iemen an daz selbe pfat.
Bî den rôsen er wol mac,
tandaradei,
merken wâ mirz houbet lac.

Daz er bî mir laege,
wessez iemen
(nu enwelle got!), sô schamt ich mich.
Wes er mit mir pflaege,
niemer niemen
bevinde daz, wan er und ich.
Und ein kleinez vogellîn:
tandaradei,
daz mac wol getriuwe sîn.

(Überstzung hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Under_der_linden)

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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am Fr 17 Dez 2010, 18:11

Hier mal etwas besinnliches zur Weihnachtszeit^^, von einem meiner Lieblingsdichter:

Georg Trakl
(1887 – 1914)
Ein Winterabend

Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
Lang die Abendglocke läutet,
Vielen ist der Tisch bereitet
Und das Haus ist wohlbestellt.

Mancher auf der Wanderschaft
Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
Golden blüht der Baum der Gnaden
Aus der Erde kühlem Saft.

Wanderer tritt still herein;
Schmerz versteinerte die Schwelle.
Da erglänzt in reiner Helle
Auf dem Tische Brot und Wein.

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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Duncan am Sa 18 Dez 2010, 16:52

Sehr schön. Da kommt man echt in Stimmung! Wo sind meine kandierten Mandeln? Smile

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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am Sa 01 Jan 2011, 16:04

Auf der anderen Seite des Flusses
(Dezember 2010)


Der Blick aus dem Fenster eines fahrenden Zuges erfüllt mich stets mit einer seltsamen Melancholie.
Als ob ich durch die Glasscheibe, dort auf der anderen Seite des Flusses, mein Leben vorbeiziehen sehen würde.
Als ob ich, selbst wenn ich heimwärts reise, alles was ich je gekannt, geschätzt und geliebt habe, hinter mir zurücklassen würde, mich auf einer Reise an einen neuen, eigenartigen und unbekannten Ort befände.
Einem Ort, an dem andere Regeln gelten, die allem wiedersprechen, was mir bisher sicher und unumstößlich schien.

Ich will nicht sagen, dass ich dieses Gefühl, diese Melancholie hasse. Doch sie ängstigt mich auf eine Weise, wie den Menschen nur der Verlust der Gewohnheit ängstigen kann.
Was ich hasse, ist, dass sich mir in diesen Augenblicken offenbart, wie gewöhnlich, wie menschlich ich doch bin.
Wie verhaftet an Ort und Konvention.
Was ich hasse ist die Erkenntnis, dass ein Einzelner, der gegen die Konvention handelt, stets nur als Sonderling, als Exzentriker abgetan wird, obwohl diese Menschen doch die wahren Helden sind.

Sie sind es, die erkannt haben, dass wir uns in den wenigen Tagen unseres Daseins nicht fesseln lassen müssen.
Wenn wir es dennoch tun, sind wir bedenkenlose Verschwender, schwache Geister.
Also durch und durch menschlich.

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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am Mi 27 Apr 2011, 21:39

Ich würde sagen, der Name ist Programm:


Trunken Phantasai
(März 2011)

Grüße dir gelehrtem Wesen,
in der Kleider rotem Glanz,
fordre dich an diesem Abend,
nun zum allerletzten Tanz.

Will mit dir durch Zeiten gehen,
will die Dunkelheit verstehn,
will verdammte Seelen küssen und
auf ewig zweisam flehn.

Will nicht Sinn noch Sehnsucht suchen,
kann das Klammern nicht erdulden,
wem soll ich außer Genüssen,
nun mein trunk‘nes Glück noch Schulden.

Seh mich an in matten Spiegeln,
die aus Silberglas gemacht,
seh mich an und lache schallend,
Gott wer hätte das Gedacht?

Schwarze Engelsschwingen streifen,
eisern über mein Gesicht,
ich will eine Feder reißen,
doch mein Arm er lässt mich nicht.

Ich hasse es mich nicht zu wenden,
nach der Sterne edlem Schein,
will ich doch zu jeder Stunde,
trinken silbern‘ Mondenwein.

Götter und Satyren schreiten,
schallend singend dort einher,
ich begehre die Dryaden,
oh ich sehne mich so sehr.

Katatonisch Baals Posaunen,
dringen an mein wundes Ohr,
und ich will hinüber gleiten,
brüllen im Dämonenchor.

Und ich schreibe endlos Verse,
faselnd auf das Pergament,
nehm‘ die Tinte aus den Venen,
wann verdammt hat das ein End?

Während ich sie rezitiere,
setzten die Posaunen aus,
und ich hör mein kratzend Stimmlein,
ach wies es mir davor graust!

Grausam schlägt mein wirres Kreischen,
auf den kalten Spiegelglanz,
wann wird dieses Glas zerspringen,
mich erretten aus dem Tanz?

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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am So 04 Sep 2011, 00:44

Trunken Phantasai II

Trunken Phantasai II

Meine Finger formen Vögel,
aus dem kalten Ton der Nacht,
hab geschlafen hab gelitten,
hab gefürchtet diese Wacht!

Warum find ich keine Federn,
zwischen diesem kalten Stein?
Zwischen Knochen, Tod und Ratten,
lässt man mich den Toren sein.

Wenn das blasse Licht der Stille,
morgens durch die Lider dringt,
frag ich mich dann stundenlang,
warum kaltes Glas nicht singt.

Tausend Stunden deckenblickend,
und die Amseln schweigen still,
denk ich in den düstren Reigen,
weil sie keiner hören will.

Ich erhebe mich von Laken,
voll vom kalten nächtlich Schweiß,
und ich taste nach den Wolken,
die mir fliehen still und leis.

Und die Blicke meiner Nachbarn,
scheinen mir so kalt und grau,
lästern gänzlich ohne Worte,
denn sie wissen nichts genau.

Ich will aus den Fenstern brüllen,
sie aus ihren Träumen holen,
die ihnen ein Leben gaukeln,
in dem Glück und Frieden wohnen.

Doch die Finger meiner Hände,
sind so schrecklich klamm und schwach,
rostige sind die Fensterhaken,
reißen Löcher in mein Dach.

Warum hasst ihr mich ihr Narren,
ich bin wahrer doch als ihr,
meine Lieder künden Wahrheit,
glühend anders als das Hier.

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Und zwei Blätter noch zum Kranz!
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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am Do 22 Dez 2011, 14:39

Das erste Gedicht, das ich im ABAB-Schema geschrieben habe und ich muss sagen, dass es mir gar nicht schlecht gelungen ist, obgleich die Reime teilweise etwas unsauber sind.

Konstruktiver Destruktivismus

I. Sanft, so bette ich das Silber,
auf die Haut, die heiß mir glüht,
es verschwimmen kranke Bilder,
und der Zorn, der aus mir sprüht.

II. Weiß schimmert mein Arm im sachten,
heimlich flackernd Kerzenschein.
weißt du noch wie wir einst lachten?
noch waren wir nicht allein.

III. Doch lang ist der Tag vergangen,
als ich dir ins Auge sah,
als dein Blick mich hielt gefangen,
und dein Lächeln ehrlich war.

IV. Ach es ist dein klares Lachen,
selbst im Geist mir schon verhallt,
und dein Abbild glänzt in blassen,
Farben durch den wirren Wald.

V. Sanft senke ich nun die Klinge,
durch die Haut in mich hinein,
dass der reiche Quell nun springe,
wie ein Bergenstrom so rein.

VI. Ach ich fühl mich wie der Priester,
der das Lamm zum Blocke führt,
und gen‘ grimme Höllenbiester,
schützend Flammenwälle schürt.

VII. Ja, ich fühl mich wie de Denker,
der ein Schritt zu weit gedacht,
dessen eigner Sohn – Sein Henker,
ihn zum letzten Bad gebracht.

VIII. Oh wie warm scheint mir das Bade,
hier in dieser kalten Stund‘,
und wie sacht lässt mich die Gnade,
sinken auf den weichen Grund.

IX. Leis umschließt mein Haupt das Wasser,
und der Strom steigt leicht empor,
tiefer Schmerz wird blass und blasser,
Stille legt sich auf mein Ohr.

X. Auf mein Auge senkt der Schleier,
sich wie roter Samt herab,
und ein alter schwarzer Geier,
- Charons Bote, holt mich ab.

XI. Auf den starken schwarzen Schwingen,
trägt er mich von mir hinfort,
leise hör ich Chöre singen,
klar versteh‘ ich jedes Wort.

XII. Ja sie heißen mich willkommen,
öffnen mir mein letztes Heim,
alles ist mir bald verschwommen,
und im Schwarz verklingt mein Reim.

XIII. Nur ein letzter Ton klingt herrlich,
klar und rein mir an mein Ohr,
denn es ringt ein Lachen ehrlich,
sich aus meiner Brust empor.






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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am Sa 24 Dez 2011, 18:02

Erneut etwas besinnliches zur Weihnachtszeit:

Weihnachtslied, chemisch gereinigt (Erich Kästner 1927)

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte Euch das Leben.
Das genügt, wenn man’s bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist’s noch nicht soweit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauft ein bisschen durch die Straßen!
Dort gibt’s Weihnachtsfest genug.
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.

Tannengrün mit Osrambirnen –
Lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt’s an Holz!
Stille Nacht und heil’ge Nacht –
Weint, wenn’s geht, nicht! Sondern lacht!

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt fürs Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht so weit …
Ach, du liebe Weihnachtszeit!

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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Duncan am So 25 Dez 2011, 15:05

Genial. Gefällt mir sehr...vor allem da ich dann später mal zu den reichen Fatzken gehören werde! Muhaha!

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Werd' ich sie dort einst umarmen, meine Leonore?" - "Nimmer", Krächzte da der Rabe. "Nimmer!"

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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am Sa 16 Jun 2012, 15:07

Ein Gedicht, das ich inspiriert durch eine Streuner Gruppe in DSA geschrieben habe. Eine art Retrospektive, wenn sie alle mal 60 Götterläufe alt sind und auf ihr Leben zurückblicken.

Greiser Sonnenschein

Wohl im reichen Garten sitzend,
in der Hand den Kelch von Wein,
sinnend Kinn auf Finger stützend,
unter greisem Sonnenschein.

Dort am Boden spielen Kinder,
meines Sohnes Sprosse gar,
und ein Spielmann – armer Sünder,
bringt ein Lied vom Trinken dar.

An dem alten Eichentische,
wollen wir beisammen sein,
scherzen fast mit alter Frische,
und mein Weib schenkt nochmal ein.

Schöne Rosen alter Tage,
lassen wir heut neu erstehn‘,
und ganz leis klingt uns die Klage,
ach wie schnell musst es vergehn‘?

Ist mein Haar mir grau geworden?
Wie lang trag ich Falten schon?
Zog doch gestern erst von Norden,
roch des Abenteuers Lohn.

Ach, wie bleiern wog mein Herze,
als die Heimat mich verstieß,
und noch heute regt sich Schmerze,
weht vom Walde her die Bris‘.

Doch nicht tief ließ ich mich fallen,
und mich hielt nicht viel zurück,
hört ich doch den Ruf erschallen:
„Schreit frisch aus Freund, find dein Glück!“

Und ich habe es gefunden,
Freude fand ich und fand Leid,
doch vor allem euch - ihr Brüder,
Ach - wie schien das Ende weit!

Nie gab es für uns ein Morgen,
gab nur einen neuen Traum,
für die Alten war’n die Sorgen,
wir war’n Jung, wir sah‘n sie kaum.

Ach es sollte ewig dauern,
alt wollten wir niemals sein,
doch wir ahnten es mit Schauern:
„Eines Tages fängt’s uns ein.“

Heut sitz ich unterm Weingerebe,
blick hinaus aufs weite Land,
meine Seele – schwebe, schwebe,
gib die Sorgen aus der Hand.

Warum soll‘n wir länger weinen,
warum uns in Wehmut fliehn‘?
Wird die Sonn‘ nicht weiter scheinen,
und von Ost-, gen Westen ziehn?

Nimmer! Nimmer will ich weinen,
wenn ihr Brüder seid bei mir,
kein Tag soll mir trübe scheinen,
keine Trän‘ ich mehr verlier‘;

Stehet auf! Froh auf die Straße!
Noch ein allerletztes Mal,
überwinden alle Maße,
wandern über Berg und Tal;

Weit auf stein’gen Wegen schreitend,
auf den Lippen wild ein Lied,
über uns die Vögel - gleitend,
preist den Geist der dies beschied!

Tausend Stunden, viele Schritte,
und am Gurt den Schlauch voll Wein,
singend durch des Landes Mitte,
ewig sei uns Sonnenschein.



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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Duncan am Sa 16 Jun 2012, 23:04

Sehr schönes Gedicht.

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Re: Haikus und andere Gedichte

Beitrag von Elias am Do 21 Jun 2012, 22:17

Eines der schönsten Gedichte, die jemals in deutscher Sprache - wohl in irgendeiner Sprache - verfasst wurden. Es reicht nicht aus, es gut zu nennen, es ist elysisch, entzieht sich in seiner Grandiosität jedweder menschlicher Wortwahl!


Mondnacht
Joseph von Eichendorff

Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis' die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.


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