Der Herbst 1126

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Elias am Do 19 Mai 2011, 12:52

Ich erhebe mich und streiche meine Kleidung glatt, bringe meine Haare in Ordnung. Ich gehe zur Tür. Bevor ich sie zur Seite schiebe, wende ich mich noch einmal Aikiko zu. Ein letzter tiefer Blick, wie in einem letzten Impuls sie zu berühren, hebe ich meinen Arm leicht, lasse ihn dann aber rasch wieder sinken, verlasse den Raum und nicke der Oberin im Hinausgehen leicht zu.

Ich werde wieder zum Schloss gehen um dort….Ja weswegen eigentlich? Um auf einen Vater zu warten, für den ich eine Enttäuschung bin, egal was ich tue? Um auf ein Duell zu warten, das ich nicht bestreiten möchte? Um mich auf mein Zimmer zu verziehen und mich in den Schlaf zu trinken? Oder werde ich wieder wie ein kleines Kind, aus der Stadt fliehen um am nächsten morgen doch wieder zurückzukehren?
Mein Bruder raubt mir was ich liebe, für mein Land kämpfen darf ich nicht weil ich versagt habe…Mit düsterem Blick und gesenktem Kopf, durchschreite ich die Gänge des Geishahauses.

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Duncan am Do 19 Mai 2011, 17:53

Er nimmt das Palaver der Oberin kaum wahr, während er das Geishahaus verlässt und hinter sich lässt.
Der Wind weht durch die Straßen und trägt den Gestank der einfachen Menschen zu ihm hinüber.

Als er dem Schloß näher kommt, sieht er dass ein langer Troß Reiter in die Stadt gekommen ist. Sie tragen das Wappen der Shinjo auf ihrer Brust und auf den Flaggen und halten vor dem Schloß. Shinjo Ruas, die linke Hand des Khans ist in der Stadt eingetroffen.

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Elias am Do 19 Mai 2011, 19:03

Noch einmal richte ich meinen Kimono zu Recht und gehe dann hastig die letzten paar Meter zum Schloss hinauf, verlangsame dann aber meinen Schritt. Einige Meter von meinem Vater entfernt, der gerade von einigen Dienern hineingeführt wird, durchschreite ich das Tor. Ich werde auf mein Zimmer und dann zum Abendessen gehen…Er wird sich mir schon widmen…wenn er Zeit für seinen Sohn hat.

Spoiler:
*Wenn Daisuke da ist, frage ich ihn, ob er irgendwas über die Hochzeit rausbekommen hat*

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Duncan am Fr 20 Mai 2011, 16:40

Njan sitzt in seinem Zimmer und wechselt den Kimono, als ein Diener respektvoll anklopft.
Als Njan ihm zunickt er solle sprechen, sagt der Mann: "Ehrenwerter Shinjo Njan-sama, euer Vater wünscht euch zu sehen."

Plötzlich schlägt das Herz des Jungen höher. Nervös leckt er sich über die Lippen und überlegt, ob er für ein Treffen angemessen gekleidet ist. Er entschließt sich, dass das was er an hat ausreichen muss und folgt dem Diener in die Gemächer seines Vaters. Eine große Holztür steht weit offen und Kerzenlicht scheint aus dem Eingang hervor. Zwei Wächter bewachen den Eingang und starren unbewegt nach vorn. Einige Diener huschen leise durch das Zimmer, legen Gepäck ab, bereiten eine Schale Tee und Reis. Hinter einem Sichtschutz aus Bambus und Papier, verbirgt sich der Schemen von Shinjo Ruas, dem gerade seine Rüstung abgenommen wird.

"Mein Herr, er ist hier."
"Gut," antwortet Ruas tiefe Stimme, "dann lasst uns allein."

Die Diener entledigen Ruas dem letzten Stück Rüstung und binden sie auf ein Gestell daneben. Ruas, der immer noch hinter dem Sichtschutz steht, beugt sich zu etwas herab und das Plätschern von Wasser ertönt.
Die Diener huschen an dem wartenden Sohn vorbei und schließen dann leise die Tür.

Endlich tritt Ruas hinter der Sichtblende hervor, ein großer, stattlicher Mann mit langen Spitzbart. Sein Gesicht ziert eine neue Narbe auf der linken Gesichtshälfte, doch sonst sieht er so gepflegt wie eh und jeh aus.

Er stellt sich vier oder fünf Schritte vor ihm hin und verschränkt die Arme.
"Sohn?"

"Vater." antwortet Njan und verbeugt sich ehrerbietig.

"Wie ist es dir ergangen? Erzähle, was seid der Abreise von Shiro Shinjo geschehen ist und warum du noch nicht am Wachturm bist."
Sein Gesicht ist ruhig, unbewegt und er wartet auf die Antwort seines Sohnes.

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Elias am Fr 20 Mai 2011, 18:22

Ich nicke und beginne zu berichten. Wenigstens ist dies keine neue Geschichte, die ich mir ausdenken muss:

„Wie der ehrenwehrte Khan es befahl ritten wir nach Mura nisa Kawa Nemu.
Wir kamen in das Dorf und uns wurde Unterkunft im Haupthaus gewährt. In der Nacht verließ ich das Gasthaus um den heidnischen Schrein noch einmal unter Augenschein zu nehmen, mir fielen allerdings keine Veränderungen auf, so kehrte ich zurück ins Dorf. Einen einzelnen Bauern, den ich auf dem Dorfplatz fand und der von einem widerlichen faulenden Zerfall zersetz worden war, streckte ich nieder. Dutzende dieser verfluchten Kreaturen, konnten wir besiegen, als sie das Haupthaus überschwemmten. Besonders durch Otaku Kiku-sans Hilfe blieb ich fast unverschont.
Als der Angriff vorüber war, durchsuchten wir das Dorf und fanden im Keller des Haupthauses einen Jungen angekettet in einem unbeschreiblich grässlichen Raum. Unheiliges Blut begann den Boden zu überziehen und erweckte die hingeschlachteten und verstümmelten Leichen der Dorfbewohner zum Leben. In letzter Minute gelang es mir die morschen Ketten des Jungen aus der Wand zu reißen. Otaku-Kiku-san, hielt uns den Rücken, von den Monstren frei, während wir das Haus verließen. Der Junge riet uns, schnell den Weg zum Schrein im Wald zu nehmen, bevor dieser entweiht würde.
Als wir dort ankamen, hatte der, der der Anführer der Ketzer sein musste, inmitten seiner verderbten und entstellten Anhänger bereits ein Ritual begonnen. Ihm gelang es, knapp bevor mein Speer ihn durchbohrte, eine Art Ei zu entweihen. Ihm entstieg eine schlangenhafte Abscheulichkeit, ein ekelhafter Oni.
Der Kampf der folgte, brachte uns geradezu bis an das Ende unserer Kräfte vor allem mein Schwertarm, war bereits müde geworden. Fast schien es mir, der Kampf sei verloren und der Oni hätte mich wohl getötet, wenn nicht Yu-Pan-san den letzten Streich geführt hätt und dem Ungetüm den Kopf abgetrennt hätte. Ihr könnt wahrhaft Stolz auf sie sein, Vater.

Was danach geschah scheint zu fantastisch um wahr zu sein: vor dem Altar erhob sich aus der Erde eine Kreatur die uralt schien. Der Junge sprach in ihrer Sprache und rief sie, so wie es aussah aus der Erde hervor. Sie sagte, voller Bedauern, das Ei des Friedens sei zerbrochen und Schatten würden aufziehen. Fu-Leng würde gegen das Reich marschieren, er sei erwacht. Die Kreatur meinte noch, die Naga würden sich erheben und verschwand erneut in der Erde. Wir verarzteten, mit großer Hilfe des Jungen, unsere Wunden, sandten Nachricht an den Khan und ritten gen Toshi sano Kanemochi Kaeru. Der Junge, Daisuke, hat sich mir als Diener angeboten. Er ist ein geübter Heiler und ich habe ihn, wegen möglicher magischer Begabung, zu den Mönchen gesandt um dort zu lernen.“

Ich mache eine kurze Pause und fahre dann fort.

„Hier angekommen, bekam ich den Auftrag Moto Sashi-san in einem Duell gegen Shinjo Aori-san zu vertreten. Dieser hat Moto Sashi-san sehr beleidigt. Ich unterhielt mich mit beiden und habe, wenn ihr erlaubt Vater, starke Zweifel an der Ehrlichkeit des Motos. Es gibt Dinge, die er mir nicht verraten will, Dinge, die Sachlage im Konflikt, so denke ich, verändern würden. Doch es ist der Punkt erreicht an dem es kein mehr zurück mehr gibt, und so werde ich, auch wenn ich an den Beweggründen beider Seiten zweifle, morgen gegen Shinjo Aori-san antreten. Khan, unterrichtete mich ein wenig im Iajutsu und ich fühle mich gut gerüstet.
Außerdem ritt ich als Nikutai an Khans Seite um einen Flüchtlingszug in Richtung Mura nisa Kawa Nemu zu beschützen, der aus den Ländern des Löwen kam. Trotz eines Überfalles der Waldmörder, konnte ich die Nachhut mit gutem Erfolg sichern. Die Verluste die wir erlitten waren natürlich schmerzhaft, aber lassen trotzdem von einem Erfolg sprechen.“

Ich schlucke, nach der langen Rede ist meine Kehle trocken geworden. „Dies sind die Gründe, warum ich die Reise zum Wachturm noch nicht antreten konnte, so sehr es mich auch grämt, diesen Auftrag hinauszuzögern zu müssen. Gibt es sonst noch etwas, das ihr gern erfahren würdet, Shinjo Ruas-sama?“
Ich beiße mir auf die Zunge: War das etwas zu dreist? Vater weiß genau, dass ich lieber tausend Flüchtlingszüge verteidigen würde, als zum Wachturm zu reiten.

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Duncan am So 22 Mai 2011, 15:08

Sein Vater sieht ihn eine lange Zeit nur schweigend an und überlegt. Dann, endlich nickt er.

"Du hast mich stolz gemacht mein Sohn."

Njan reißt fast die augen auf vor erstaunen. "Vater?"

"Du hattest sehr gute Gründe, dem Befehl noch nicht folge zu leisten und immerhin, hat dich der Karô mit Arbeit hier festgehalten. Er war ein kluger Mann, dass zu tun. Die Sache im Dorf möchte ich genauer wissen, aber dazu später. Es sind höchst beunruhigende Neuigkeiten und eine solch offensichtliche Prohezeiung können wir nicht ignorieren. Der Khan muss davon in Kenntnis gesetzt werden!"

Er atmet tief durch während er von einer Seite zur anderen schreitet, die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Der imposante Krieger Ruas plant das weitere vorgehen.

"Deine Bestrafung ist einstweilig aufgehoben. Ich werde entsprechende Papiere vorbereiten. Du bleibst hier und wirst für den Karô arbeiten, bis der Daimyo genesen ist. Zum Einbruch des Winters, werden wir uns zum Winterhof auf Shiro Shinjo zurück ziehen. Es heißt, der Kaiser wird aufgrund seiner eigenen Krankheit den Winterhof dieses Jahr ebenfalls nicht halten...aber vielleicht reisen wir auch zu den Phönixen..."

Ruas streicht durch seinen langen Kinnbart.

"Was dein Duell angeht Njan, so halte es ab. Es ist völlig irrelevant, was der Shinjo-Junge zu verbergen hat. Er hat öffentlich eine Beleidigung ausgesprochen und ein Duell erzwungen. Er muss die Konsequenzen tragen. Und du wirst diese Konsequenzen präsentieren. Ich weiß, dass er kein Gegner für dich sein wird, Njan."

Er tritt auf seinen Sohn zu und klopft ihm auf die Schulter. Ein Zeichen der Zuneigung, wie er es schon seit früherer Kindheit nicht mehr gegeben hat.

"Mach mich noch stolzer Sohn. Ich weiß du kannst es. Und wenn der Kampf überstanden ist, dann gibt es eine kleine Überraschung für dich. Du wirst deinem Clan alle Ehre machen, davon bin ich überzeugt."


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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Elias am So 22 Mai 2011, 15:48

Ich lächle meinen Vater offen an. Wann habe ich das letzte Mal mit ihm geredet ohne verschüchtert zu Boden zu blicken oder ihn störrisch anzustarren?
„Shinpai suruma, Vater. Ich werde euch nicht enttäuschen.“ Noch einmal verbeuge ich mich, und verlasse dann den Raum. Das Abendessen verbringe ich erneut auf meinem Zimmer und lasse mich entschuldigen. Bevor ich mich früh zur Ruhe lege, gehe ich noch einmal das durch, was mich mein Bruder gelehrt hat. Inständig bitte ich meine Ahnen um ihren Beistand: Morgen wir ein schicksalhafter Tag…Seit langem zumindest ein wenig zufrieden schlafe ich ein. Vielleicht wird sich trotz allem mein Leben doch noch zum Guten wenden?

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Duncan am Di 24 Mai 2011, 19:56

Spoiler:

Die Welt um ihn herum, glitzert in orangem Schein. Von vollen Laubbäumen regnet es im knisternden Kaskaden braune Blätter hinunter. Das vom Schatten geküsste Gras kräuselt sich im blendenden Schein von Amaterasu. Ein Schrein steht auf einer Steinplatte, der Torbogen rot, aus Holz mit grünen Dachziegeln.

Hier liegt ein Samurai friedlich im blinzelnden Licht der sinkenden Sonne, auf warmen Stein in ewig Einklang mit den Elementen. Njan dreht sich auf die Seite um besser liegen zu können, sein violetter Kimono entblößt seine leicht behaarte Brust. Eine Hand taucht darunter, zart, fein mit langen schönen Fingern und zieht ihn zurück an sich. Aikiko drückt sich an seine Seite, ihr wundervolles Haar zu einem schwarzen Stern um ihren Kopf verteilt zwischen Grashalmen und toten Blättern. Sie seufzt friedvoll beim Geruch seines Körpers, fährt noch einmal mit den Fingernägeln ergeben über seine Brust.

Sie lächeln beide. Sie lieben beide. Es ist...perfekt.

Allzu bald, blinzelt Njan erneut, erweckt von der wahren Sonne, nicht die in seinem Kopf. Sein Zimmer um ihn herum ist kalt und schattig, die Sonnenstrahlen die sein Gesicht berühren bringen kaum Wärme hinein. Die Luft riecht nach kaltem Tee und Fisch, doch vom gestrigen Mahl ist nichts mehr zu sehen.
Daisuke schleicht im Zimmer herum, faltet leise Wäsche und richtet alles her. Als er Njan erwachen sieht, begrüßt er ihn leise.
"Guten morgen Herr."


Der 'gute Morgen' vergeht schnell, die letzten Stunden vor dem Kampf. Der Karô lässt alles vorbereiten, auf dem Hügel aus seinem Traum. Der Schrein ist nicht so schön wie in Njans Gedanken, da viele Samurai, der Hofstaat des örtlichen Daimyos und sein Vater darum sitzen. Eine seltsame Ansammlung anderer Samurai hat sich eingefunden, eine Delegation von anderen Höfen. Njan weiß nicht, was sie hier zu suchen haben, doch es kümmert ihn nicht. Er meditiert so viel er kann, sammelt seine Kräfte und bereitet sich vor.
Die Luft duftet nach Weihrauch, als er das Zelt verlässt, indem er seine Meditation abgehalten hat. Die Bäume rascheln wild im Wind, die Stimmen der anwesenden verstummen.
Braune Blätter fliegen an seinem Kopf vorbei, Braun und Orange mit ein bisschen Grün. Er nimmt die Anwesenden gar nicht mehr wahr. Selbst in seinem Kopf...flüstert er die Gedanken, die da kommen mögen.

Sein Protegé schreitet andächtig an seine Seite, begleitet ihn zu seiner Linken. Der andere Shinjo schreitet aus einem Zelt gegenüber, bewaffnet mit seinem Daisho und einer Rüstung, doch ohne Helm. Genau wie Njan.

Kalter Wind weht warme Mittagsluft davon, macht dem Abend platz. Die Sonne sinkt wie in Njans Traum, hinter kalten Bergen und verzerrt die Sicht, so dass nur Schwarz und Orange zu sehen sind. Schwarz, diejenigen die gegen die Sonne sitzen, Orange, sein Gegner und die wenigen Plätze die im Sonnenlicht liegen.

Samurai-kos und Edeldamen verbergen die Geschminkten Gesichter hinter wertvollen Fächer. Das Gesicht seines Vaters ist starr, konzentriert, sein Bruder sitzt mit einem arroganten Lächeln an dessen Seite.
Seine Schwester nickt ihm ernst neben Kiku sitzend zu, während ihre Reitschwester mit unbewegter Miene begutachtet.

Der Weg ist all zu kurz.

Als Njan und Aori voreinander stehen, verschwimmt alles andere. Der Richter ist nicht wichtig, der ankündigt weshalb der Streit gefochten wird. Die anderen sind nicht wichtig, die im Dunkeln hinter Njans Wahrnehmung verschwinden. Der Moto ist nicht wichtig, der sich in die Schatten zu den anderen gesellt.

Nur Aori und Er.

Beide mustern sich lange, können nur einander in die Augen blicken, während gesprochen wird. Und als der Richter endlich fertig ist, verbeugen sich die beiden ehrerbietig voreinander. Zwei Krieger, bereit bis zum Äußersten zu gehen, für die Wahrheit.

Sie nehmen die Grundstellung ein.

Doch ist es tatsächlich für die Wahrheit? Der Funke des Zweifells keimt in ihm.

Njan erkennt, dass Aoris Reflexe mindestens so geschärft sind wie seine und sieht die Entschlossenheit im Gesicht seines Kontrahenten. Er ist so überzeugt.

Aori fokussiert bereits seine Kräfte. Es ist still. Nur der Wind flüstert leise in das Gras.

Ein einzelnes Blatt schwirrt vorbei, unterbricht nur einen Sekundenbruchteil den Augenkontakt zwischen den Beiden. Es ist genug.

Als das Blatt die Sicht wieder freigibt, hat Aori bereits sein Schwert gezogen, das Katana flimmert durch die Luft auf Njan zu. Er blinzelt kurz, neigt Kopf und Körper leicht nach links und der Streich zieht Millimeter an seinem Körper vorbei. Der Schweiß perlt von Aoris Gesicht, funkelnde Diamanttropfen die auf das Gras treffen, schimmernde Klinge die sich knapp vor der Erde fängt.

Njan, kann den Herzschlag Aoris hören, kann seinen angehaltenen Atem erahnen, kann den Schock in seinen Augen sehen….kann den Widerstand spüren, als sein eigenes Schwert ohne das Zutun seines Kopfes sich bereits tief durch Aoris Rüstung in sein Fleisch bohrt, kann das warme Blut auf seiner Hand und seinem Gesicht schmecken, kann den rostigen Geruch wahrnehmen.

Aori stürzt tödlich verwundet an seinem Henker vorbei, sein Schwert mit dem Symbol des Einhorns fällt schwer auf blutig braune Erde. Njans Klinge fährt aus ihm heraus, vollendet die Bewegung in die Luft und bleibt rot schimmernd im Schein der letzten Sonne stehen, bevor das Licht verblasst und Amaterasu ihr trauriges Gesicht vom Spiel der Menschen abwendet.

Der letzte Samurai ist eine Säule, eine Skulptur des perfekten Kriegers im Schatten des sterbenden Tages. Der Wind weht heftiger, wütend, unendlich traurig. Das Blut eines Clanbruders wurde vergossen. Wie können die Kami jemals verzeihen?

Obwohl es dunkel wird, obwohl die Sonne dem Mond platz macht, kann Njan wieder alle klar sehen. Der Karô und sein Vater mit einem zufriedenen Lächeln, fast wie als ob er ihnen einen Feind genommen hätte. Das breite Grinsen seines Bruders, so unendlich Arrogant als ob er sagen wollte: ‚Nur durch mich, ist er soweit gekommen!’

Das grausame Triumphlächeln von Moto Sashi-san, das nichts mehr von dem freundlichen und bescheidenen Shugenja hat, den er darstellte.

Den traurigen und geschockten Blick seiner Schwester und Kikus, den Tränen einer Samurai-ko irgendwo zwischen den anderen und das unglaublich enttäuschte Gesicht, einer alten Frau ohne Zähne, die sich hinter einem Baum in ihren schwarzen Lumpen versteckt hatte.

All das bemerkt die Statue. Dann endlich, lässt er das Katana hinabsausen, um es vom Blut seines Bruders zu reinigen und schwingt es elegant zurück in die Scheide. Selbst jetzt, darf die Perfektion nicht enden. Er verbeugt sich ein letztes mal vor der unbeweglichen Gestalt am Boden und verlässt dann den Schrein um in sein Zelt zurück zu kehren.

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Elias am Di 24 Mai 2011, 20:37

Ich betrete das Zelt und lasse mich im Schneidersitz auf den Boden sinken. Ich bin nicht wütend, ich lasse mich nicht auf den Boden fallen, ich rufe nicht nach Sake und reite nicht wild davon. Alles, all diese lächerlichen Probleme waren nichts, gegen dies hier.
Dies war das Schlimmste, was ich je in meinem Leben getan habe. Ich hab einen Bruder getötet, ruhmlos abgeschlachtet für einen Mann, der wohl jede Beleidigung, die man ihm entgegen schmiss wert war. Einen Feigling der andere für sich ins Feld schickt. Ich mag meiner Familie Ehre gebracht und meinen Vater Stolz gemacht haben, doch mir selbst meinem Geist und meinem Wesen, habe ich Schande bereitet. Ich bin ein Mörder, ein gedankenloses Werkzeug derjenigen, die mich zwingen wollen jemand anderes zu sein, einem starren Bild zu entsprechen. Ich bin nicht ich, wenn ich das tue. Ich habe mich selbst verraten.
Starr und bewegungslos sitze ich auf dem Boden und sehe mit leerem Blick geradeaus.

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Duncan am Mi 25 Mai 2011, 12:08

Das Tuch hinter dem Trauernden schwingt auf und Yu-Pan kommt herein. Sachte legt Sie die Hand auf die Schulter ihres Bruders. Umarmt ihn vorsichtig mit einem Arm.

"Du konntest nichts dafür, Njan-san. Du hattest keine andere Wahl." Sie hält ihren Bruder fest, lehnt den Kopf an seine Schulter. Aber die Trauer wird nicht kleiner.

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Elias am Mi 25 Mai 2011, 12:27

Ich sehe weiterhin geradeaus. Meine Stimme ist ungerührt und trocken: „Ich hätte eine Wahl gehabt Yu-Pan. Ich habe mich selbst beschämt. Alle Ehre und Vaters Stolz, sie können ihn behalten. Ich will für Verrat nicht entlohnt werden.“

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Duncan am Mi 25 Mai 2011, 12:47

"Du hast getan, was die Gesellschaft verlangt. Du hast deinem Namen und deinem Clan Ehre gemacht. Egal, wie die Umstände waren. Du hast nur das getan, worum dein Daimyo dich gebeten hat. Es war deine Pflicht es zu tun, egal ob du es als Richtig oder Falsch empfindest."

Schatten senken sich über sein Haupt. Yu-Pan geht, sein Bruder kommt. Er hört kaum zu. Leere Lobgesänge.
Sein Bruder geht, der Moto kommt. Leere Freudenworte.
Der Moto geht, sein Vater kommt, nimm ihn mit zum Fest. Ein Fest für andere.

"Wie äußerst bedauerlich, dass er sterben musste." Sind des Karôs einzig bedeutende Worte.

Das Fest um ihn herum beginnt. Im großen Thronsaal führen Künstler Tänze auf und Samurai palavern geschwätzig über die neusten Ereignisse und den Erfolg des Khans.

Lange steht er verloren herum, sein Protegé hat sich unter die anderen Gemischt, ein selbstzufriedenes Grinsen auf dem Gesicht. Sein Vater hat ihm deutlich gemacht, wie wichtig dieser Abend ist und dass er nicht einfach gehen kann.

Ein Otaku Samurai gesellt sich zu Njan, verbeugt sich.
"Ein höchst passabler Schnitt von euch, ehrenwerter Shinjo."

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Elias am Mi 25 Mai 2011, 13:02

Ich verbeuge mich ebenfalls steif: „Domo arrigato, Samurai-san, euer Lob ehrt mich.“ Meine Stimme ist weder ablehnend, noch freundlich, sondern einfach nur ausdruckslos, kaum betont. Wann ist dieser Abend zu Ende? Wann kann ich aufhören dieses hohle Geplapper ertragen zu müssen.

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Duncan am Do 26 Mai 2011, 12:05

Der Samurai bleibt noch eine Weile, versucht ein Gespräch an zu zetteln und zieht dann sichtlich beldeidigt ab, als Njan ihm nicht die erwartete Begeisterung entgegenbringt.

Sein Vater kommt auf ihn zu, sichtlich etwas angespannt.
"Was ist nur mit dir los, Junge? Nach so einem Erfolg hatte ich eigentlich mit etwas mehr Begeisterung gerechnet. Du könntest dich zumindest etwas diplomatischer aufführen. Nun komm mit, ich muss dir jemanden vorstellen!"
Und schon ist der erfreuliche Moment von gestern Abend vergessen und alles wieder beim Alten.

Die beiden treten an die Delegation heran, deren feuerrot gekleidete Belegschaft sich ebenfalls unter die Anwesenden gemischt hat. Die Samurai und Hofdamen sehen allesamt freundlich aus und sprechen miteinander und anderen im zuvorkommenden, entspannenden Ton.

Als Ruas sich mit seinem Sohn einer Gruppe Damen nähert, werden sie mit ehrfürchtigen Verbeugungen empfangen. Die Gruppe besteht aus einer etwas älteren Samurai-ko (etwa Ende Zwanzig, Anfang Dreißig) und mehreren jungen Hofmädchen und Dienerinnen.

Die Samurai-ko trägt einen sehr eleganten Kimono, eine Mischung aus Feuerrot und wildem Orange, sowie einem Schuß Gelb. Ihre langen schwarzen Haare sind zu einer Kunstvollen Fächerfrisur nach oben gebunden, verziert mit Perlen und Haarnadeln edelster Güte. Feiner Puder lässt ihre Haut heller erscheinen, Lippenstifft und Rouge verzieren das Gesicht mit einem etwas zu langem Mund mit engen Lippen. Ihre großen Augen sind von schwarzer Kohle umrandet und lenken etwas von ihrem leicht froschähnlichen Gesichtszügen ab. Sie ist nicht hässlich, aber eben auch nicht besonders schön. Nicht Kiku, nich Aikiko.

"Mein Sohn, darf ich dir die ehrenwerte Isawa Yuki-san vorstellen, Tochter des ehrenwerten Daimyos und Meister des Feuers, Isawa Tsuke-sama."

Beide verbeugen sich respektvoll voreinander.
In perfekter Manier, sieht Sie ihn von unten herauf an:
"Es ist mir eine große Ehre mich mit einem solch fabelhaften Schwertmeister der Shinjo unterhalten zu dürfen. Wie kam es du diesem Duell, wenn ich fragen darf?"

Ihre stimme ist sanft und freundlich, genau wie die anderen, doch in ihren Augen lodert ein wildes Feuer und ihr feines Lächeln hat etwas rabtierhaftes an sich.

"Entschuldigt mich bitte," unterbicht Ruas Njan noch bevor er antworten kann,
"ich werde gerad vom Karô gebraucht."

Sein Vater gleitet davon in Richtung Thron und Njan bleibt mit der kleinen Frau allein.

Spoiler:
SL: Dein Vater erwartet offensichtlich von dir dass du mit Ihr Bekanntschaft machst. Sie ist ein wichtiges Mitglied der Isawa-Familie und du sollst wohl Bündnisse knüpfen. Sie wird dich immer mit kleinen Fragen bombardieren und mit charmanten komplimenten bei der Stange halten. Versuchst du sie los zu werden, wird sie dich wieder mit einem geschickten Satz an sie binden. Sie folgt dir eine Weile überallhin, falls du dich bewegst und sie kann ganz schön nerven, vor allem mit diesen seltsamen Fragen wie: warum Dient ihr nicht an der Front oder ich hörte ihr hättet einen Oni geköpft, oder ihr erfreut euch wohl am tragen einfacherer Kimonos (sie verwandelt diese Bleidigung aber schnell in ein Kompliment: das ist so...Naturverbunden)

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Elias am Do 26 Mai 2011, 19:53

Was soll das? Warum, soll ich mich mit irgendeiner Phönix Shugenja herumärgern? Mein Ton bleibt höflich, aber uninteressiert: „Nun Isawa Yuki-san, das ist keine aufregende Geschichte. Der Karo, wies mich drauf hin, dass Moto Sahsi-san einen Champion für ein Duell bräuchte, da ihn Shinjo Aori-san provoziert hätte. Ich wurde bei ihm vorstellig und er nahm mich als Champion an. Danach machten wir mit Shinjo Aori-san Zeitpunkt und Art des Duells fest. Der Zeitpunkt wurde wegen der Ankunft meines verehrten Vaters verschoben. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ - "Eine so einfache Geschichte und doch ein so beachtlicher Erfolg."

Ich bewege ich auf einen Tisch zu, an dem ein Diener Tee serviert, mache keine Anstalten, ein Gespräch weiterzuführen. Doch wie eine Klette bleibt sie an mir kleben, gerade so, dass ich nicht über ihr Gewand stolpere.

„Tragt ihr stets Kimonos dieser einfachen Art?“ Mit einer hochgezogenen Augenbraue sehe ich sie an: „In der Tat.“ – „Das gefällt mir, muss ich sagen, es drückt so eine … Naturverbundenheit aus.“ Warum sagt ihr nicht sofort, dass sich der dumme Steppengaul, benehmen soll? „Eine interessante Ansicht.“
Ich lasse mir Tee geben. „Und sagt, ihr habt einen leibhaftigen Oni geköpft?“ Ich lächle fast ein wenig amüsiert: „Nein, in der Tat habe ich das nicht.“ – „So, sind die Berichte die ich hörte falsch?“ – „Nur teils, meine Schwester Shinjo Yu-Pan-san, hatte die Ehre den letzten Streich zu führen. Ich schlug einige Wunden.“ Ich schenke ihr einen Blick, der bedeuten soll, dass das Gespräch für mich abgeschlossen ist, doch sie lässt nicht locker: „Hmmm, trotz alledem muss dies ein meisterhafter kampf gewesen sein, aber sagt, warum verbringt ihr eure Zeit hier und nicht an der Front, in der Schlacht.“ Ich ziehe etwas scharf die Luft ein, bleibe aber betont freundlich: „Der Grund dafür ist, wie man sich einfach erschließen kann, dass ich andere Aufträge bekommen habe, Isawa Yuki-san. Beispielsweise das Dorf in dem der Oni erschien von diversen unheiligen Umtrieben zu reinigen.“
Sie lächelt spitz: „Ah, ihr scheint also der Mann des ehrenwerten Khans für besonders gefahrvolle Aufgaben zu sein. Donnerreiter, nicht wahr?“ – „Donnerreiter bin ich in der Tat.“ – „Ein Titel für den man gut in seinem Fach sein muss oder?“ – „Ich war nicht besser als meine Mitstreiter, lediglich ein wenig ausgeglichener. Außerdem hatte ich wohl das Wohlwollen der Ahnen auf meiner Seite.“ Verflucht, ich will nicht ins Reden mit dieser katzenäugigen Diamantkröte geraten...

Spoiler:
*Ok, ab hier musst du weiter machen. Ich bin nicht der NPC. Ich schlendere eben ein wenig durch den Raum, verharre mal hier mal dort. Meine Antworten sind kurz und vordergründig höflich.*

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Duncan am Fr 27 Mai 2011, 12:02

Es ist frustrierend. Yuki folgt Njan überall hin, selbst als er versucht Sie über seinen Bruder ab zu schütteln, lässt Sie sich nicht ablenken. Khan ist mit einer anderen Frau beschäftigt. Ein ziemlich hübsches, wenn auch viel jüngeres Ding, dass in die Gewänder des Kranich-Clans gekleidet ist. Ihr langes, weißes Haar ist ungebunden, nur ein kleiner Knoten ziert ihren Kopf der mit einer prachtvollen Kranichspange.

Sie ist zurückhaltend und schüchtern und Khan macht ihr eindeutig gerade den Hof. Auch ein Grund, warum Njan seine Klette nicht loswird.
"Hach, ist Sie nicht bezaubernd? Sie macht sicher viele Männer glücklich."
meint Yuki plötzlich, als Njan und Sie an den beiden vorbei sind und fängt an giggelnd zu lachen. Die offene Beleidigung die Sie in die Worte gesteckt hat lassen Njan erbost schnaufen, doch bevor er irgendetwas darauf sagen kann, fängt Sie wieder an zu plappern:

"Wisst ihr, Essen ist eine wichtige Beschäftigung im Leben eines Samurai. Ich mag ja besonders süßen Reiskuchen, was mögt ihr eigentlich? sicherlich seid ihr ein Shushi-Liebhaber, das seh ich euch an. Oh und wenn wir schon vom Essen sprechen das trinken ist ja..."

Es ist ein Alptraum aus dem er nicht entkommen kann. Schnell sind die Sorgen vom Duell vergessen und Mordgedanken steigen ihm in den Kopf. Yuki, stört sich gar nicht an Njans Abweisungen, im Gegenteil.


Njan erscheint es wie ein Segen, als der Karô aufsteht und die Gäste bittet Platz zu nehmen. Endlich verabschiedet sich die kleine Frau mit einem breiten Lächeln und bedankt sich für das Gespräch. Sie zieht sich zu ihren Clansgenossen zurück.
Njan setzt sich neben seinen Bruder und seine Schwester. Als endlich alle sitzen, beginnt der Karô seine Rede:

"Meine sehr verehrten Clansbrüder und Schwestern, doch vor allem auch unsere sehr verehrten Gäste aus dem Kranich- und Phoenix-Clan. Es freut mich sehr euch alle auf dem Schloß meines ehrenwerten Daimyos Otaku Haruto begrüßen zu dürfen. Ich bin Karô Otaku Buraij. Wie viele von euch bereits wissen, leidet der Daimyo an einer schweren Krankheit, die es ihm nicht erlaubt, dass Bett zu verlassen doch noch mehr leidet er darunter, seine verehrten Gäste nicht selbst empfangen zu können."

Er macht eine kurze, dramatische Pause.

"Es freut mich, dass die beiden Delegationen ebenfalls mit ehrfahrenen Shugenja-Heilern gekommen sind um den Gesundheitszustand meines Herren zu verbessern. Die Otaku und das Einhorn, sind euch zu großem Dank verpflichtet."

Es wird geklatscht, Yuki und eine Kranichsamurai erheben sich lächelnd und verbeugen sich vor der Menge und dann vorm Karô.

"Und dank solcher Höflichkeit, die uns von unseren Verwandten beim Phoenix und beim Kranich entgegengebracht wird, freut es uns umso mehr, unsere Verbündeten im Kampf gegen den Machthungrigen Löwen zu unterstützen!"

Im Saal bricht Jubel bei den Einhornsamurai aus, die Höflinge lächeln nur freundlich und wedeln mit den Fächern.

"Bevor wir uns nun über das köstliche Mahl beugen dürfen, dass wir für dieses glorreiche Fest ausgerichtet haben, gibt es noch ein paar Ankündigungen zu machen. Nicht nur, dass wir durch den gemeinsamen Kampf gegen den Löwen miteinander verbunden sind, wir werden uns auch zum Zeichen unserer Treue und Freundschaft anderweitig binden!"

Erwartungsvolle Stille gebt sich über den Raum.

"Am heutigen Tag, kann ich mit großem Stolz die Verlobung des ehrenwerten Doji Musahi-san mit der ehrenwerten Schlachtjungfer Otaku Kiku-san ausrufen."

Die beiden erheben sich und verbeugen sich vor der Menge. Der Samurai ist stattlich, auch wenn Njan ihn als Konkurrenten nicht attraktiv genug befindet. Er trägt einen sehr edlen Kimono mit einem Daisho im Obi. Sein weiß gefärbtes Haar ist zu einem langen Zopf gebunden und mit einem eitlem Lächeln nickt er der Menge zu. Seine Zukünftige würdigt er keines Blickes.
Kiku wiederrum ist steif, leblos. Ihre Augen scheinen leer, von verbitterter Wut erfüllt. Sie trägt ebenfalls ein Daisho und ihr langes Haar ungebändigt. Im Gegensatz zu den meisten Frauen, trägt sie weder Schminke, noch irgendwelchen Schmuck. Njan fühlt ihren Schmerz...und spürt rasende Eifersucht in sich hochkochen.

Als sich die beiden wieder setzen, spricht der eitel Lächelnde Karô weiter:

"Doch am heutigen Abend, ist ein besonderer Clansbruder zu uns gekommen. Daimyo Shinjo Ruas-sama und seine Nachkommenschaft geben uns heute die Ehre. Daimyo Ruas-sama ist die linke Hand unseres geliebten Khans und gerad frisch vom Schlachtfeld wieder zurück gekehrt um an diesen äußert wichtigen Abend teil zu nehmen."

Er nickt dem Daimyo zu, verbeugt sich dann und tritt zurück.

Ruas stellt sich zu seiner vollen Größe vor dem Thron auf und spricht zur Menge. Seine Bassstimme dröhnt durch den Saal.

"Sehr verehrte Gäste und Clansbrüder. Siegreich kehre ich wieder und berichte euch vom Fall Toshi no Mio Giseis! Der Khan hat in seiner Weisheit beschlossen die Löwen zu attackieren, um seine Truppen auf zu spalten und unseren Verbündeten zu entlassten. Ausserdem sind noch Unterstützungen für den Kranich unterwegs durch die ehemaligen Lande der Skropione. Mit vereinten Kräften werden wir den Sieg über unsere wütenden, aggressiven Nachbarn davon tragen können und endlich wieder in Frieden miteinander leben."

Er macht eine kurze Pause, während seine Arme in die Hüften gestemmt bleiben. Sein langer Kimono mit den weiten Ärmeln die bis zum Boden reichen sowie sein eindrucksvolles, großes Daisho im Obi imponieren jedem hier. Es besteht kein Zweifel, wer hier das Sagen hat. Doch sein zuerst ernster Gesichtsausdruck verwandelt sich in ein sanftes Lächeln, als er fortfährt.

"Und zu diesem Zweck freut es mich ganz besonders, das Bündnis zwischen den Shinjo und den verbündeten Clans zu festigen. Mit vollem Stolz, verkünde ich heute offiziel die Verlobung meines Sohnes Iuchi Khan und seiner wunderschönen Gemahlin Asahina Mioko!"

Neben Njan, erhebt sich sein Bruder voller eingebildetem Stolz. Er verbeugt sich knapp vor den Gästen und würdigt seine neue Gemahlin ebenso keines Blickes. Das Junge Mädchen erhebt sich ehrerbietig und verbeugt sich tief, das Gesicht mit einem kleinen aber nicht sehr überzeugten Lächeln behaftet.

Njan reibt sich die Schläfe, während sein Bruder sich in Pose wirft für die angehörigen. Hinter sich hört er einige Hofdamen leise Bedauern oder Eifersucht wispern. Er kann kaum sein Zähneknirschen zurück halten.
Neben ihm beugt sich Yu-Pan zu ihm und flüstert ihm etwas zu:
"Na großartig, jetzt wird sein Ego noch aufgeblasener! Hoffentlich behandelt er das Mädchen anständig, sonst trete ich ihm in den Hintern!"
Ein kurzes Grinsen huscht über sein Gesicht.

Spoiler:
SL: Willst du noch antworten, irgendwas machen oder so? Ansonsten mache ich weiter.

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Elias am Fr 27 Mai 2011, 15:27

Ich antworte Yu-Pan mit einem kurzen, abfälligen Schnauben, das von einem leichten Nicken begleitet wird.

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Duncan am Fr 27 Mai 2011, 16:13

Khan genießt seinen Moment im Rampenlicht wie immer sehr und zieht ihn nach Möglichkeit in die Länge. Als er endlich Platz nimmt und die Freudenbekundungen aufhören, fährt Ruas fort:

"Ich hoffe das dieses Bündnis zwischen den Shinjo und den Asahina das bestehende Band der Freundschaft zwischen Einhorn und Kranich stärkt, auf das wir auch in Zukunft gemeinsam dem Kaiser auf beste Weise dienen können. Möge er sich bald von dieser elenden Krankheit die ihn befallen hat erholen, auf dass er gestärkt das Reich auf's neue Regieren kann."

Allgemeine Zustimmung schwebt durch den Raum. Njan bewegt sich unruhig hin und her, er möchte endlich diesen Abend verlassen, doch sein Vater ist immer noch nicht fertig.

"Nun, hat sich der machthungrige Löwe nicht nur an unseren Verbündeten im Süden vergriffen, er will sogar noch ein Stück des Nordens, genau derer die für Frieden im ganzen Reich einstehen und deren Weisheit uns vor so manchem Zwist bewahrt hat. Und auch wenn der ehrenhafte Phoenix sicherlich ohne unsere bescheidene Hilfe den Sieg erringen könnte, so erfüllt es mich doch mit Stolz an seiner Seite kämpfen zu dürfen."

Die Anwesenden murmeln freudig als Ruas wieder eine kurze Pause macht. Erneut schleicht dieses Lächeln von vorhin über sein Gesicht.

"Und zu diesem Zwecke, um unser neues Bündnis zu feiern und die Bande neu zu schmieden, verkünde ich voller Stolz die Verlobung meines zweiten Sohnes, Shinjo Njan-san an die bezaubernde Isawa Yuki-san!"

Ein überraschtes Aufatmen fährt durch die Menge und Köpfe wenden sich suchend nach den beiden Verlobten. Njan ist kreidebleich und die Überraschung steht ihm so gräßlich offensichtlich ins Gesicht geschrieben, dass er sich am liebsten in Schande das Leben nehmen würde. Nur gut, dass keiner es bemerkt. Keiner ausser Yu-Pan, die vollkommen überrumpelt nach ihm sieht. Keiner ausser Khan, der ihm respektvoll auf die Schulter klopft, mit einem spöttischen Lächeln auf den Lippen. Keiner ausser Kiku, die frustriert den Kopf abwended.

Es ist als ob Njans Kindheit am heutigen Tage zu Ende geht. Yuki hat sich bereits erhoben und verbeugt sich breit lächelnd vor der Menge. Ruas scharfer Blick trifft Njan.
Khan versucht ihn hoch zu ziehen.
"Nun beweg dich schon du Dummkopf! Du musst dich präsentieren!"

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Elias am Sa 28 Mai 2011, 17:19

Ich stehe auf und taumle fast, muss mich bemühen, dass meine Knie nicht einsacken. Mit starrem Blick, sehe ich in die Runde. Ich kann mir kaum ein Lächeln abgewinnen. Das was ich hervorbringe gleicht eher einer angestrengten Grimasse. Schließlich lasse ich mich nach einer kurzen Verbeugung, die mich die mich die letzte Kraft kostet, zurück auf mein Kissen sinken. Ich starre hohl geradeaus. Will mir dieser Mann, der meint er wäre mein Vater, den letzten Dolchstoß geben? Er wirft mich, ohne mich darauf vorzubereiten, einer gefräßigen, schwatzenden Kröte zum Fraß vor. Es gab niemals einen schlimmeren Tag in meinem Leben!

Ich lasse den Rest des Essens, wie hinter einem Schleier aus Rauch an mir vorbeiziehen und antworte kaum auf Fragen, die man mir stellt. Dann, entschuldige ich mich früh, bevor man wieder von mir verlangt, mich in die Gesellschaft einzufügen. Bei meinem kreideweißen, fast grünlichen Gesicht, dürfte jeder glauben, dass es mir nicht gut geht. Ich wanke auf mein Zimmer und schaffe es gerade noch rechtzeitig zu einer Schale, bevor ich mich qualvoll erbreche. Ich schaffe es nicht, den bitteren, galligen Geschmack aus meinem Mund zu spülen.

Im Schneidersitz verharre ich auf meinem Lager und starre durch das offene Fenster hinaus. Wenn ich mit dem Rücken zur Tür sitze, vielleicht kommt dann ja ein Mörder und erdolcht mich? Was kann ich nun noch tun? Weiterleben, mit dieser Last. So werden wie mein Vater? Herzlos, verständnislos und von der Gesellschaft vollkommen verschluckt? Welche Wahl habe ich noch? Ich könnte beantragen, mich doch zum Wachturm zu schicken, vielleicht komme ich dort um. Ich könnte mir das Recht zum Seppuku abverlangen. Oder einfach fliehen, mir mein Bündel schnallen, Geld nehmen, mein Daisho nehmen und Aikiko aus diesem Haus holen. Fort von hier reiten. Irgendwo ins Hinterland, Dörfer verteidigen. Hier ist niemand mehr, der mir etwas bedeuten sollte. Einen Vater habe ich nicht. Mein Bruder, ist schlicht dumm und geil auf Macht und Yu-Pan… Yu-Pan ist zu jung um mich zu verstehen. Sie geht vollkommen im Idealismus auf, kann einen Widerstand nicht nachvollziehen.

Sitzend und angezogen, sinke ich schließlich in einen unruhigen Schlaf. Mein Vater, grau und verfault, will mich mit einem Frosch verloben, der sich, als ich nochmal hinsehe als grässlicher Oni entpuppt. Mein Bruder hält grinsend Aikiko in den Armen und feixt mir zu. Kiku sitzt mir weinend gegenüber, während der eitle Kranich ohne einen Blick auf sie zu werfen, davon fliegt…

Spoiler:

*Sollte noch jemand kommen, kannst du den Eintrag gerne ändern oder mir Bescheid sagen. Ansonsten, habe ich Daisuke gesagt, er soll jedem, der zu mir will sagen, ich sei höchst unpässlich und wolle nicht, dass man mich so sähe.*

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Duncan am Mo 30 Mai 2011, 11:17

Es ist schon Mittag als er endlich erwacht. Unruhig wälzt er sich auf dem Futon herum.
Daisuke begrüßt ihn mit einem frischen Tee.
"Die Dame Isawa Yuki war hier um mit euch zu reden. Ich meinte ihr seid gerade unpässchlich und könnet nicht reden. Wie dem auch sei, es benötigte sehr viel Überzeugungskraft, sie wieder fort zu schicken. Im Weggehen meinte ich Sie sagen zu hören, sie würde mich weggeben, wenn die Hochzeit erst mal vollzogen sei...aber, Herr ihr werdet das doch nicht tun, oder?"

Njan schüttelt schläfrig den Kopf. "Nein, ganz bestimmt nicht."

Beruhigt atmet der junge durch und serviert den Tee.

Nachdem Njan sein Essen zu sich genommen und sich erfrischt hat, geht er etwas im Garten spazieren. Der Tee Daisukes hat all seinen Kummer und all sein Unwohlsein bei Seite gewischt. Auch wenn er immer noch nicht glücklich mit der Situation ist, so fühlt er sich dennoch gesund und munter. Sein Kopf kann wieder klar denken und er fühlt eine leichte Welle der Euphorie über seinen Körper schwappen.
Ein Diener kommt angelaufen und unterbricht Njan in seiner euphorischen Meditation.
"Herr, euer ehrenwerter Vater wünscht euch zu sprechen in seinen Gemächern!"

Schnell nickt Njan und lässt sich davon führen, denn er hat aus den Augenwinkeln bereits die Dame Yuki erspät, die im auflauerte.

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Elias am Mo 30 Mai 2011, 11:25

Ich lasse mich zu den Gemächern meines Vaters führen. Irgendwie, habe ich das Gefühl, dies alles ist viel zu lächerlich um wahrhaftig sein zu können. Sie will Daisuke weggeben? Was will sie noch machen. Dagegen vorgehen, dass ich auf diesen schrecklichen Pferden reite? Nein, ich zweifle wirklich an der Ernsthaftigkeit dieser Lage.
Ich bleibe im Eingang stehen und verbeuge mich: „Shinjo Ruas-sama ihr wünschtet mich zu sprechen?“

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Duncan am Mo 30 Mai 2011, 11:40

Sein Vater bittet ihn mit einem freundlichen Wink herein.
Als Njan vor ihm sitzt beginnt er:

"Nun mein Sohn, es war sicherlich eine Überraschung für dich, als ich gestern deine Vermählung bekannt gegeben habe. Es war keine spontane Entscheidung, deine Braut stand schon seit deiner Geburt fest. Ich habe für dich ein wichtiges Mitglied der Isawa gewählt und du wirst ein sehr Einflussreicher Mann werden. Mit deiner neuen Frau werden die Bande zum Phoenix gestärkt werden und ein starkes Bündnis besteht. Du wirst über dieses Bündnis wachen mein Sohn. Du bist unser Mund für die Ohren der Isawa."

Er macht eine Pause, so als erwarte er eine Antwort.

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Elias am Mo 30 Mai 2011, 14:26

Ich lächle meinen Vater an. Jeder, der zweimal hinsehen würde, würde erkennen, dass es nur ein vordergründiges, ein gestelltes Lächeln ist. Schön, dass man über 20 Jahre wartet, um mir dies zu sagen, sonst hätte ich mich zumindest früher verabschieden können. Eine gewisse Gelassenheit breitet sich in mir aus, als sich mein Entschluss verfestigt: „In der Tat, es traf mich unvorbereitet, doch ich fühle mich geehrt, dass Ihr mir diese Verantwortung übertragen habt.“
Ich fühle mich geehrt, dass ihr mich in eine Rolle presst. Ich fühle mich in der Tat ungemein geehrt. Wie lang will ich noch mitspielen? Wann reite ich fort? Die Schande die euch bereite, sie ist mir egal. Alles was mich zu interessieren hat, ist die Schande, die ich mir selbst bereite, indem ich dem Folge leiste, was dieser Mann von mir will. Was nutzt mir dieses hohle unehrliche Geschwafel.
Einfluss und Macht: Herrlich, dann sitzt der ehrenwerte Shinjo Njan-sama auf einem Thron und nickt seinen Männern huldvoll zu. Was soll ich mit Einfluss? Ich brauche keinen Einfluss.

Nach einer kurzen Pause, spreche ich weiter: „Habt Ihr bereits einen Termin für die Hochzeit veranschlagt.“ Könnt ihr mir bereits sagen, wann ich euch verlassen soll?

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Duncan am Mo 30 Mai 2011, 22:24

"Im Winter." lautet seine knappe Antwort.
"Wir werden Winterhof halten auf Shiro Shinjo und du wirst vo den Augen des Khans vermählt werden, sowie dein Bruder."

Er zieht ein Bündel aus einer Tasche hinter sich und breitet es vor sich aus. Njan bleibt der Inhalt noch versperrt, als sein Vater weiterspricht:

"Ich habe immer gewusst, dass du zu großem bestimmt bist. Noch bevor wir feststellten, dass dein Bruder eine magische Begabung besitzt und er damit als Erbe nicht mehr in Frage kommt, weil er in die Familie deiner Mutter adoptiert werden würde, war ich mir sicher, dass du einst den Namen der Shinjo tragen wirst und mein Haupterbe wirst."

Mit langsamen, fast andächtigen Bewegungen öffnet er das Bündel, Lage um Lage.

"Du Njan, bist mein größter Triumph! Du kommst genau nach mir, ganz wie ich es mir vorgestellt habe. Bald kannst du deinen Platz an meiner Seite annehmen und auf dem Feld kämpfen. Bald kannst du dein eigenes Land bekommen um dich als Daimyo zu üben. Du bist mein Erbe, Sohn. Und wenn die Hochzeit vollzogen ist und du dich entgültig als Clanstreu in den Augen des Khans präsentierst, werde ich dich in die letzten Familiengeheimnisse einweihen, so wie deinen Bruder."

Das Bündel ist entpackt und in ihm schimmert ein langes, schmales Katana. Die purpurne Scheide aus edelstem Holz glänzt im Schein der Sonne. Das silberne Tsuba zeigt zwei wilde Einhörner, die im ewigen Kreis laufen. Der gebogene Griff, der sich entgegen der Schwertkrümmung biegt ist von purpur- und silbernen Seidenstreifen umringt, auf der Schwertscheide verlaufen silberne Linien die die Energie wiederspiegeln. Am Ende des Schwertes spitzt sich der Griff zu, verläuft zu einem silbernen Horn dass spitz genug ist, um durch Fleisch und Knochen zu dringen. Kleine silberne Fäden hängen am Tsuba, lassen das Schwert besonders erhaben wirken.

"Dies hier, ist 'U~indosutōmu'. Sturmwind. Es wurde von Vater zu Sohn weitergereicht seid unserer Ankunft aus der Wüste. Der Vater meines Vaters gab es meinem Vater, dieser gab es mir. In diesem Schwert stecken die Ahnen all derer, die es einst trugen. Auch mein Geist wird sich einst, wenn mein Ende kommt hinzu gesellen. Dann, Sohn wirst du es tragen. Als mein direkter Erbe. Das Schwert und alle Ländereien der Shinjo. Und irgendwann...wirst du Khan sein."

Die Luft im Raum hat sich verdichtet. Es ist als ob Blitze in der Luft darauf warten entladen zu werden. Njans Herz schlägt lauter als je zuvor.
Ein Wind weht durch den Raum und lässt die wenigen Kerzen die an sind und den Tee warm halten sollen flackern.

"Ich weiß, dass du wütend bist Njan. Ich weiß es passt dir nicht, mit wem ich dich zusammen gesteckt habe. Aber es ist zum Wohle unseres Clans. Die Ahnen sehen wohlwollend auf dich herab. Du solltest in nächster Zeit häufiger zu ihnen beten! Du wirst die ehrenhafte Linie der Shinjo fortsetzen und unseren Ruhm vergrößern. Wenn du erst einmal Daimyo bist, kannst du jede Liebschaft anfangen, die du willst, solange du dich diskret verhälst. Im Winter ist deine Trauung. Wenn der Schnee im Frühjahr schmilzt, werdet ihr euch dann wieder sehen und für die Nachkommenschaft der Shinjo sorgen. Dann nehme ich dich mit auf's Feld."
Er seufzt zufrieden.
"Gemeinsam als Vater und Sohn gegen die Löwen und dann...vielleicht auch gegen die anderen...vielleicht sogar einst endlich gegen...nein, dafür bist du noch nicht bereit. Geh nun! Der Karô hat neue Aufgaben für dich. Du wirst bis zum ersten Schneefall beschäftigt genug sein."

Langsam deckt er das Ahnenschwert wieder zu.

Spoiler:
SL: Du darfst natürlich gerne noch was sagen, wenn du willst. Ausserdem erhälst du noch vom Duell: 1 Ruhm (temp) und 0 Ehre.
Von der Verlobung erhällst du noch mal 1 Ruhm (temp).


Zuletzt von Duncan am Di 31 Mai 2011, 09:44 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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Re: Der Herbst 1126

Beitrag von Elias am Mo 30 Mai 2011, 22:52

Spoiler:
Ich habe das mit dem "Verlassen" nicht gesagt, sondern gedacht. Es steht außerhalb der Anführungszeichen!!! Bitte um Korrektur!

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